Depressionen und Suizidalität sind Themen, die man nicht ernst genug nehmen kann. Ich habe dennoch jede Menge Betroffener kennen gelernt, die über diese Dinge sehr übel scherzen. Ich weiß nicht erst seit gestern, dass das Lieblingsgewürz der Emoszene Schnittlauch ist und Witze über das Ab und Rumhängen kenne ich auch ad nauseam. Neu hingegen war mir wiederrum, dass manch ein Depressiver bewusst verantwortungslos mit der Aufarbeitung seiner Gefühle ungeht: ich sage nur Depressive and Suicidal Black Metal. Öhm ja, ich höre dann mal auf, Musik zu hören.
Der mieseste Witz über diesen heiklen Themenkomplex ist allerdings nicht die Musik von Shining und Co., oder die Selbstmordikonographie verwirrter Emokids, sondern "He never dies", der dritte Teil der "Guinea Pig" - Reihe. Das Wildern im Snuffmythos war ein Jahr nach den beiden ersten Teilen scheinbar schon (verständlicherweise) wieder out und man musste sich was neues überlegen, um das Publikum zu entgeistern. Scheinbar war das Untergraben japanischer Arbeitsmoral mittels Selbstverletzung eine naheliegende Lösung?
Diesmal hat das Opfer des Filmes sogar einen Namen: Hideshi, ein huflahmer Bürohengst mit Burnout, hat sich seit 4 Tagen ohne Krankschreibung nicht mehr auf der Arbeit blicken lassen und fristet zu Hause ab. Bei einem spontanen Suizidversuch stellt der arme Kerl fest, dass er weder körperliche Schmerzen spürt noch irgendwelche Anzeichen, die auf ein mögliches Sterben hindeuten könnten.
Da der Typ ums Verrecken nicht verrecken will macht er sich einen makaberen Spaß daraus, die Grenzen seiner neuen Fähigkeiten vor den Augen eines herbeigerufenen Arbeitskollegen auszuloten und selbst auszuweisen und komplett zu zerlegen. Ende. Für alle andere, nicht jedoch für Hideshi, dessen Kopf noch munter weiterplappert, während die verstorben KollegInnen dessen Sauerei entsorgen.
Woher der Wind weht lässt sich erahnen: tendenziell eher von links. Hideshi beklagt die Unmenschlichkeit am Arbeitsplatz, verdrängt seine Sorgen musikalisch mit Punkrock vom Plattenteller und protestiert mit seiner ganz eigenen Auffassung eines Bed ins gegen die Menschenmühle Büro: "Die Arbeiterklasse kommt ins Paradies" mal anders. Zuviel reininterpretiert? Wahrscheinlich. Dass Hideshi von der Arbeit abgestumpft ist liegt aber nahe.
Inszenatorisch könnte der Kurzfilmen glatt als vergessene Episode aus Jörg Buttgereit "Todesking" durchgehen und man merkt, dass die Macher dem Publikum nach zwei reinen Effektstreifen etwas Abwechslung bieten wollten: Schwarzweißsequenzen, verquere Kameraperspektiven, schräge Ideen dominieren hier, der in Massen aufgewärmte Ketchup kommt erst recht spät zum Einsatz. Oder zumindest so richtig.
Wenn auch mitunter schwer erträglich ist "He never dies" einer der wenigen sympathischen Beiträge der Reihe zur japanischen Horrorfilm Geschichte, wo bei der sich am großen und ganzen ja auch eher in Grenzen hält. In rostbraunen, verkrusteten Grenzen, wo selbst Godzilla und das Ringmädchen eine würde vollen Bogen machen. Wenn man nur einen Film der Reihe sehen will, dann sollte man eventuell dieses wilde Selbstverstümmelungstheather in Betracht ziehen, der sowas wie der invertierte erste Teil ist, wo ein glückloser Dude an sich selbst experimentiert und scheitert.