Zu Herzen und an die Nieren gehendes Liebesdrama von Wilson Yip [ Bio Zombie, Bullets over Summer, Sykline Cruisers ], der sich spätestens damit als feste Grösse im HK Filmbusiness bestätigte.
Die eigentlich einfache Geschichte ist verzweigt, aber nicht verwirrend geschrieben oder inszeniert, auf jede angesprochene Kleinigkeit wird im Laufe des Filmes noch einmal eingegangen und Beachtung gelegt. Die selbe Aufmerksamkeit gilt für das schwierige Ansprechen von Gefühlen, die hier einmal grundehrlich und gänzlich ohne Klischee oder gar Kitsch herüberkommen.
Am wenigsten plausibel erscheint eigentlich der Ausgangspunkt: Triadenboss Cheng On [ Simon Yam ] drückt dem Kleinkriminellen Jordon und seiner Bekanntschaft Judy [ Sandra Ng ] für einige Tage sein uneheliches Baby auf, um keinen Ärger mit seiner Ehefrau zu haben.
Die Frage nach dem Warum und der Wahrscheinlichkeit der Aktion tritt eigentlich gar nicht auf, zu geschickt waren die vorherigen Geschehnisse aufgebaut, zu überzeugend und in dem Moment auch glaubhaft wirkte die eilige Übergabe.
Alle drei Personen kannten sich erst wenige Tage zuvor und nicht gerade unter guten Umständen, Jordon wollte die als Empfangsdame in einem Restaurant arbeitende Judy bescheissen und sich einen Platz erschwindeln. Dabei gab er sich für Cheng aus, der aber just in dem Moment auch erscheint; keine gute Idee also gewesen. Da macht es nicht positiver, dass Jordon über den Kredithai Pang [ Lam Suet ] indirekt bei Cheng verschuldet ist; was dieser von Nichtzahlung hält, durften Jordon und sein Kumpel Lau Ka-wah [ Tats Lau ] auch bereits am eigenen Leib erfahren. Hierbei ist auch die stimmigste Szene der bisherigen Triadenepisode zu sehen: Als Jordon eine Flasche übergezogen bekommt, buchstabiert Cheng’s anwesender schulpflichtiger Sohn „Hospital“ falsch. Jordon schreibt es ihm mit Blut in den Boden richtig vor.
Im Krankenhaus treffen sie sich wieder: Jordon wird nach seiner ersten Abreibung entlassen, Judy besuchte ihren Grossvater und Cheng wird gerade mit einer Bauchverletzung eingeliefert. Wird Jordon auf das Baby aufpassen, werden ihm die Schulden erlassen; keine andere Wahl also für ihn, Judy wird direkt mit eingespannt.
Nach dem sorgfältigen Aufbau, in dem alle Figuren angerissen und gesetzt werden, entwickelt der Film nach einem Drittel seine wahre Stärke, indem er sich auf die unfreiwillige Patchwork - Familie konzentriert, seinen Gang etwas zurückfährt und die Handlung gleichzeitig von der brodelnden Urbanität Hongkongs ins Grüne ausserhalb der Stadt verlegt. Dort wohnt Judy in einem kleinen Holzhaus an einem Teich, von der Metropole sieht man nur weit entfernt die ersten Anzeichen in Form von Fabrikgebäuden und Schloten. Ruhe und Gemütlichkeit und auch so etwas wie Hoffnung macht sich im Film bemerkbar; die drei zusammengewürfelten Personen sind jeder für sich alleine und verloren, aber als Einheit unschlagbar. Zum ersten Mal seit langem finden die beiden Erwachsenen etwas, wofür sich zu leben lohnt, ausser dem fremden Kleinkind haben sie nichts mehr über. Judy bekam Brustkrebs diagnostiziert und verlor auch eine Brust und damit ihren Ehemann. Jordon hat als Teenager seine Eltern und seinen Bruder verloren; seine einzige bisherige Bezugsperson Ka-wah ist ein reiner Hallodri, der ihn noch mehr als schon so in Schwierigkeiten reinreitet.
In den wenigen nächsten Tagen soll sich die gesamte Situation für beide ändern, man spürt direkt das kurzweilig unbeschwerte Glück, die für einen Moment einen Traum wahr werden lässt.
Dabei wird allerdings nuanciert und vorsichtig vorgegangen, kein schlagartiges Umkippen der Realität, sondern ein langsames Herantasten an die neue, ungewohnte Situation, mit der dann auch andere Menschen umgehen müssen. Zwar liegt das Hauptaugenmerk eindeutig auf das Trio, die umstehenden Personen werden allerdings nicht vergessen oder ausgeblendet, besonders der wohl heimlich in Judy verliebte Fong [ Eric Kot ] wird immer wieder mal eingeschnitten. Seine Annäherung an Judy findet auf eine andere Art als die von Jordon statt, aber ebenso behutsam und sanft, nur in bestimmten Details zu erkennen. So bemerkt er natürlich die neue Situation und fragt auch indirekt, auf seine Art nach, was das zu bedeuten hat; ohne sich aber auf störende Weise einzumischen. Auch besorgt er später für teures Geld aus einem Automaten das spezielle Kuscheltier, was Judy vorher vergeblich versucht hat zu erlangen; er bleibt dann eher ein verlässlicher, stützender Freund. Diese Nebensächlichkeiten zeichnen sowohl das Verhalten der handelnden Figuren als auch die Erzählweise aus, die mit nahendem Ende unerbittlich auf ein Drama zuzustossen scheint.
- Cheng holt sein Kind wieder ab.
- Jordon hat keinen vorgeblichen Grund mehr, bei Judy zu sein.
- Ka-wah hat sich die geborgten 100.000 $ zur Schuldenzahlung von Pang's Männern klauen lassen.
- Cheng übernimmt wieder die Schulden, wenn ihm Jordon einen zweiten Gefallen tut; dem scheinbaren Nebenbuhler seiner Frau das Bein zu brechen.
Und hier hofft und bangt man auch mal wirklich, dass es gut ausgeht; die emotionale Einbeziehung des Zuschauers ist damit vollends erreicht.
Grossen Anteil daran haben neben Skript und Regie vor allem die Schauspieler, wobei die beiden Haptdarsteller jeder für sich absolut überzeugend sind und dazu noch schön aus der zweiten Reihe ergänzt; Nominierungen für Francis Ng und Simon Yam bei den Hong Kong Film Awards 2001 gehen ebenso wie für Regisseur Yip absolut in Ordnung.
Trefflich auch die Arbeit von Kameramann Lam Wah Chuen und vor allem der stimmige Score.
Empfohlen.