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"Wenn er auflegt, muß sie sterben" - solche armseligen Übersetzungen lassen eigentlich schon für sich alleine gesehen Rückschlüsse auf die Qualität des zu begutachtenden Filmes ziehen. Eine Biologielehrerin wird entführt, reagiert selbstnatürlich höchst hysterisch was unglaublich spannungsfördernd ist und aus dem Thriller ein wahrer Psychothriller macht. Surferboy Ryan, stahlharte Muskeln, wacher Verstand, blendendes Aussehen, im Besitz des perfekten Nokia-Handys holt Jessica "da raus", wie er nicht müde wird zu betonen.

Wie das? Ganz einfach: Jessica drahtet auf ihrem Dachboden-Gefängnis ein bißchen im Schrott herum und oh Wunderwerk der modernen Technik, Ryan ist am Rohr. Unerschütterlich und heldenhaft kämpft dieser nun um das Leben der gesamten Familie, um Recht und Gerechtigkeit und löst einen riesigen Korruptionsskandal in der Polizei auf - Ryan, toll gemacht! Deine Ex-Freundin Chloe kommt so ganz bestimmt wieder zu Dir zurück.

Weia, der Plot ist so dermaßen durchkonstruiert und völlig gaga, beruht er schließlich auf nur einem einzigen kleinen Ideenfunken. Handy klingelt, unbekannte Mutti dran, wenn aufgelegt wird dann tot. Unabhängig von dem ganzen Handlungsverlauf wurde der Film lieblos zusammengeflickt, typische Klischees dürfen nicht fehlen und gezielt eingesetzter Humor geht tüchtig in die Hose.

Die Schauspieler agieren allesamt bemüht, abgesehen von den fiesen Polizeigaunern dürfen sie alle etwas tollpatschig durchs Bild stolpern. Nur dank unglaublicher Zufälle nähert man sich letztlich doch noch dem Ziel. Grundlegende Dinge sind allerdings weitaus störender: Um was geht es eigentlich bei der ganzen Sache, was ist das für ein Video, was für ein Korruptionsskandal, wieso mußte das "eigentliche" Opfer sterben? Und vorallem: wenn die Polizisten vor einem Mord nicht zurückschrecken, warum erledigen sie dann nicht kurzerhand auch noch die "Familie" - Gelegenheit dazu hätten sie reichlich gehabt? Selbst vor Mooney und Ryan schrecken sie zurück, zwei Figuren die mehrfach völlig problemlos hätten beseitigt werden können. Aus einem einzigen Grund geht das nicht: Der Film wäre vorzeitig zu Ende. Und das ist die eigentliche Kritik an der Sache: Der gesamte Plot wurde filmgerecht hingeschustert, ohne daß auch nur ansatzweise eine Nachvollziehbarkeit gegeben ist.

Spannung kann sich höchstens punktuell und in Ansätzen aufbauen, meist bleibt der Film in der Liga eines harmlosen Geplänkels kleben, umrandet von aufkeimender Langeweile.

Da reissen auch Basinger und Evans nichts. Höchst bedauerlich auch die zu kurz auftretenden Randfiguren Jessica Biel und Valerie Cruz, da hat nichtmal das Auge genügend Freude. Schade, "Final Call" kann man nicht weiterempfehlen.

(4/10)

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