Review

Von Alex Turner und seinem kleinen, kurzen Horrorfilm "Dead Birds" war bisher wenig zu hören - was bei sorgfältig produzierten Genrebeiträgen doch ein bißchen schade ist. Western und Horror wird und wurde eher selten zusammengeführt, hat aber dennoch seine Reize, denn eine schöne Geistergeschichte funktioniert in jeder Epoche.

Angesiedelt im amerikanischen Bürgerkrieg wird die Geschichte von ein paar konföderierten Deserteuren erzählt, die sich nach einem Bankraub in der Provinz das falsche "sichere Haus" als Rückzugsort aussuchen. Im sonnendurchglühten Nirgendwo in einem schier undurchdringlichen Maisfeld mit Vogelscheuchen - jaja, mal wieder - gelagert, ist das verlassene Herrenhaus durchaus nicht so leer, wie es auf den ersten Blick scheint und hat eine gar finstere Vergangenheit, die unsere sechs Flüchtigen, darunter zwei Brüder, zwei simple Ganoven, eine messerkundige Krankenschwester und ein befreiter Sklave, erst nach und nach ergründen, als sie eine wilde Nacht in dem Haus zubringen müssen.

Turner erfindet das Genre mit dieser Mixtur aus Geisterspuk und dämonischer Präsenz sicherlich nicht neu, ist aber ein mehr als ansprechender Handwerker, der erst einmal deftig auf Atmosphäre setzt und das bei gerade mal 75 Minuten Lauflänge auch noch mit beachtlicher Präzision.
Ausgangspunkt ist eine klassische Westernsituation in einer Kleinstadtbank, die in einem Blutbad aus zerschossenen Köpfen endet. Die Flucht führt dann durchs kriegszerfressene Niemandsland, wo die Hyänen des Krieges ermordeten Deserteuren das letzte Hemd abnehmen und die Krähen von den Bäumen krächzen, während die Natur zweideutig zu einer bizarren, heißen Scheinwelt gerinnt.
Schon der Irrmarsch durch den Mais kann die Männer und das Publikum leicht entnerven, eine Vogelscheuche wirkt enorm leichenähnlich und eine dämonisch weiße Kreatur wird kurzerhand erschossen, als sie die Männer attackiert.
Im Gebäude wird es dann bei Einbruch der Dunkelheit - komplett mit aufziehendem Sturm - nicht besser. Fußabdrücke auf dem Boden in allen Räumen, deren Verursacher offenbar eine Metamorphose durchmachte; Kinderlachen in manchen Zimmern, unter dem Bett hockt ein monströser Geist, in der Scheune hat offenbar ein Opfermassaker stattgefunden, Bücher mit dämonischen Totenerweckungsformeln tauchen auf. Und dennoch kaut man in der Folge fröhlich an aufkeimenden internen Konflikten herum, verschwinden Einzelne und tauchen wieder auf, während das fremdartige Dröhnen auf der Tonspur nicht nur den Zuschauer enerviert.

Turner hat eine brauchbare Idee, einen guten Cast mit namhaften Darsteller der B-Klasse und zitiert fortan munter klassisches Gruselmaterial, das auch aus der Feder von Ambrose Bierce stammen könnte, der solche Stories aus der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts gleich im Dutzend verfaßte, Stories von geisterhaften Häuser und seltsamen Begebenheiten am Rande der Zivilisation oder gleich noch weiter weg. Mit Henry "E.T.-Eliot" Thomas, Patrick "Almost Famous" Fugit, Muse Watson, Isaiah Washington und dem wieder mal edlen Michael Shannon als ausgemachtes Verbrecherarschloch spielt man deutlich eine Stufe über dem normalen DTV-Material und die Effekte wie der Einsatz von Kunstblut sollte auch die Genrefans zufrieden stellen.
Es läuft zwar nicht auf die allerneueste Pointe hinaus, aber substanziell ist das zwei, drei Klassen besser als der übliche Billigslasher für die Pizza am Donnerstag abend. Im letzten Drittel wird es manchmal etwas frustrierend, wenn das Skript mit dem Brecheisen dafür sorgen muß, daß die Verantwortlichen das Haus und das Grundstück nicht verlassen (können) und das Eine oder Andere inclusive des Schlußgags muß man sich später eventuell mit Hilfe des Internets zusammenanalysieren, aber das Resultat ist spannend genug, um sich daran als intensiv bebilderte Abwechselung zu delektieren.
Der Fluch der bösen Tat, natürlich, da hängt kein Segen dran. (6,5/10)

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