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Als im Thriller-Genre Innovationen wieder einmal Fehlanzeige waren, taten die Macher von „Sea of Love“ gut daran, sich auf altbewährten, klassischen Stoff zu stürzen, dessen Inszenierungsstil sich über den Daumen, in den 70ern ansiedeln lässt. Als Regisseur Harold Becker dann Ende der 80er Hammer und Meißel anlegte, war von vornherein klar, dass „Sea of Love“ keine Bäume ausreißen würde, aber weil er sich eben auf die Fähigkeiten konzentrierte, die ihm wirklich lagen, lässt sich der Film ohne Wenn und Aber auch heute noch als kleiner Klassiker verkaufen, dessen Wert auch gerne mal unterschätzt wird.  

Wie gesagt, klassisch sieht das schon auf dem Papier aus: Detektiv Frank Keller (Al Pacino) ist für einen Serienmörder-Fall zuständig, in dem nach selben Muster zwei Männer mit Loch im Kopf und Gesicht aufs Bettlacken gedrückt ermordet wurden. An beiden Tatorten lag die Platte „Sea of Love“ im Spieler. Auf weitere Gemeinsamkeiten stoßen Frank und Kollege Sherman (John Goodman), als sie entdecken, dass beide Opfer sich per Kontaktanzeige in Reimform auf ein Blind-Date einließen. So gerissen wie sie sind, wollen sie dem Täter mit einem netten Reim aufspüren, indem sie sich mit mehreren Frauen in einem Restaurant verabreden und dabei Fingerabdrücke von jeder einzelnen nehmen. Dadurch kommt Frank der mysteriösen Helen Cruger näher, die plötzlich, als sich die Beweise verdichten, die Mörderin zu sein scheint.  

Mit einem ruhigen Stil und feinem Gespür erzählt Becker überaus routiniert seine schlüssige Geschichte, wobei der wichtige Kniff, ohne das eigentliche Erzählziel aus den Augen zu verlieren, in der Überleitung vom Krimi zum Liebes-Drama liegt. Es ist sozusagen die Klammer, die „Sea of Love“ zusammen hält und ihm zu dem macht, was er ist. Die Beziehung zwischen Helen und Frank, die bezüglich des "femme fatale"- Motivs mitunter sicherlich auch ein Stück weit dem Film Noir entspringt, verleiht der Handlung besondere Tiefe und den Figuren eine wertvolle Charakterisierung. Neben der unaufgeregten Art, entschädigt auch das Ende für kleinere Defizite im Spannungsaufbau. 

Nicht zuletzt ist es ein großartiger Al Pacino, der seiner Figur virtuos ein interessantes, in keiner Weise eindimensionales Profil verleiht. Dass die Scheinwerfer währenddessen immer auf Pacino gerichtet sind, ist noch ein Grund, weshalb dieser Film so gut funktioniert.

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