Pacino ist zwar eigentlich immer einen Film wert, aber das richtige Gefühl des „Wiedersehenwollens“ stellt sich ausgerechnet bei „Sea of Love“ nicht ein, einem Cop-Thriller der 80er-Machart, aber mit einem 50‘s-Plot, in dem sich der manische Chargeur Pacino erfreulich stark zurücknimmt, was Benehmen und Mimik angeht.
Ansonsten ist das Thema jedoch sehr beliebig: Pacino und sein Partner John Goodman suchen halt einen Killer, der Männer meuchelt, die per Gedicht in Kontaktanzeigen nach Partnerinnen suchen. Doch merke: der Killer kann ja gleich das Date, also eine Frau sein, warum also betätigt man sich nicht selbst als Suchender und stolpert dann über die spröde Ellen Barkin, die sich alsbald verdächtig macht.
Der Film kippt jedoch nach dem Zusammenführen der Hauptfiguren zu sehr in die Richung Cop-Drama der persönlichen Sorte, denn Pacino merkt zusehends, daß er den Kontakt nicht nur wegen seines Falls aufrecht erhält, um dann doch immer wieder in Panik zu geraten, hier eventuell einer Killerin in die Hände zu spielen und das nächste Opfer zu sein.
Wie gesagt, einmal ist das ganz interessant, und Pacino presst seiner noch nicht amtsmüden, aber schon von Berufsparanoia gezeichneten Figur die interessantesten Seiten ab (Polizei scheint ein reiner Männerjob zu sein), doch Ellen Barkin fehlt die Tiefe und der nötige Anklang von Gefühl, um die nötigen Verdachtsmomente wirklich gruselig zu machen.
Am Ende kommt uns der Täter dann doch noch zur Tür herein und wenn es denn soweit ist, ist man von seinem Auftauchen praktisch überrascht, dass der Film doch noch auf das Thema zurückkommt. Immerhin bietet Harold Becker im Schlussfight einen überraschend realistischen und brutalen Kampf dar, der wirklich schmerzhaft aussieht.
„Sea of Love“ ist brauchbares Schauspielerkino, aber wenig effektives Thrillerkino, aber solange die Akteure sich achtbar halten, muss wegen etwaiger spannungstechnischer Längen nicht gemeckert werden. (6/10)