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Gerade einmal ein Weihnachtsfilm soll es sein, der dieses Jahr in den Kinos läuft. Das sah im letzten Jahr noch ganz anders aus. Während 2005 gerade einmal ein Elch im Kino entspringt, gab es im Jahre 2004 gleich 2 Kinderfilme, 1 Kitschroman, 1 Anti-X-Mas-Comedy und 2 typische Weihnachtsklamotten im Kino zu betrachten. Allesamt liefen sie mit einem, mehr oder weniger, großen Erfolg, in den internationalen Kinos. Nur ein Film sollte als absoluter Mega-Flop in die Filmgeschichte eingehen. "Surviving Christmas", eine der Weihnachtsklamotten. Während die andere Klamotte, "Verrückte Weihnachten", ein stattliches Einspielergebnis zu verbuchen hatte, brachte es der Ben Affleck-Film auf ganz schlappe 4 Millionen $ (am Start-Wochenende). Gründe dafür sind schnell gefunden. Zum einen lief der Film bereits am 22.10.04 an, was selbst in den USA ein verdammt früher Start, für einen X-Mas-Film, ist. Zum anderen wurde der Streifen aber auch überall gnadenlos verrissen. Doch ist der Streifen wirklich so schlecht? Nun gut, was besonders Unterhaltsames ist dieser Unfug wirklich nicht, aber anschauen kann man ihn sich allemal, zumindest als Fan des Genre.

"Surviving Christmas" ist im Grunde nichts anderes, als eine absolut typische X-Mas-Klamotte, der es aber leider an sympathischen Figuren und guten Witzen fehlt. Die Story dazu ist zwar hanebüchen aber im Grunde doch ganz nett. Es geht um einen erfolgreichen, stinkreichen Typen, der zwar einen Haufen Kohle hat, aber keine Familie. Durch einen Zufall kommt er dabei auf die Idee, sich eine Familie zum Fest zu mieten. Die Valcos, die in seinem früheren Elternhaus leben, sind für eine 1/4 Million $ auch bereit diesen "Spaß" mitzumachen, doch schon bald merken sie, dass ihr neues "Familienmitglied" einfach unerträglich ist. Die Weihnachtstage zu überleben wird somit ein schwieriges Unterfangen. Ja, im großen und ganzen kann man die Idee mit der gemieteten Familie schon als "ganz nett" abstempeln. Logisch ist das ganze Treiben zwar nie und solche Details wie Tiefgang und wirkliche Innovationen sollte man erst recht nicht erwarten, für eine Weihnachtsklamotte reicht es aber allemal.

Doch wirklicher Spaß kann, trotz der netten Geschichte, nicht aufkommen. Das liegt zum einen daran, dass einem die Charaktere durch die Bank weg unsympathisch bleiben und in keinster Weise Tiefgang o. Ä. besitzen. Hauptfigur Drew ist ein Stinkstiefel durch und durch, der aber, bis kurz vor Schluss, auch dem Zuschauer mehr als ätzend rüberkommt, ohne dabei Spaß zu verbreiten. Seine ständigen Wünsche und Äußerungen sind bis ins Mark kindisch und völlig unglaubwürdig, für einen erwachsenen und stinkreichen Werbefuzzi. Aber auch die Familie Valco ist kaum besser und erweckt keine Sympathien. Und gerade bei einem Weihnachtsfilm sollten die Figuren schon ein wenig Charme besitzen. Selbst "Bad Santa" konnte mit einer unglaublich sympathischen Figurenzeichnung überzeugen, trotz der eigentlich bösartigen Charaktere. Bei diesem Spektakel hier, lassen einen die Figuren allerdings mehr als kalt.

Und auch die Jokes sind nicht immer von der besten Sorte. Zwar gibt es hier und da schon einige Brüller zu verzeichnen, z. Bsp. wenn Vater Valco und Drew zum ersten Mal aufeinander treffen, Mutter Valco ein Foto-Shooting als Vamp durchführt oder Drew seinen "Bruder" zu einer "ereignisreichen" Schlittenfahrt auf einem Mini-Hügel einlädt, doch mindestens genauso viele Witze gehen vollkommen ins Leere. Zudem wirken viele Jokes auch schon sehr abgegriffen oder einfach nur auf gezwungen Rüde getrimmt. Knackig bissige Jokes, wie man sie aus Filmen wie "Schöne Bescherung" oder eben "Bad Santa" kennt, findet man hier jedenfalls nur ab und an einmal. Schade eigentlich!

Was die Inszenierung angeht, so wurde natürlich auch hier alles wie in einem typischen Genre-Film aufgebaut. Sprich überall glitzert und funkelt es, Weihnachtmusik spielt und alle möglichen Weihnachtsklischees werden gnadenlos durchgekaut, leider ohne das sie dabei parodiert werden. Liebhaber von solchen Filmen kommen also wieder einmal auf ihre Kosten, während alle X-Mas-Gegner sicher nur mit dem Kopf schütteln werden.

Den größten Pluspunkt, und somit auch die Rettung ins knappe Mittelfeld, erreicht der Film aber durch seine Darsteller, wenn man einmal vom Hauptdarsteller absieht. Ben Affleck spielt das Arschloch Drew leider ziemlich witzlos und ohne größere Mühen, so das man sich in seinen Szenen größtenteils eher langweilt. Ganz anders sieht es da mit Soprano-Boss James Gandolfini und Kevin-Mutter Cathrine O'Hara aus, die beide eine absolute Spitzenleistung von sich geben. Vor allem Gandolfini überzeugt, trotz seines dünnen Charaktere, wirklich zu jedem Augenblick und gibt dem Streifen immer eine besondere Note, wenn er ab und an, ganz leicht, den Tony Soprano in seiner Rolle durchschimmern lässt. O'Hara ist dagegen als abgewrackte Mutter zu sehen, die aber ebenfalls vollkommen zu überzeugen weiss. Und als Sahnehäubchen Christina "Dumpfbacke" Applegate, als Schwesterchen. Kurzum, wenn man es schafft Ben Affleck zu übersehen, kann ein absolut grandioses Ensemble, den sonst eigentlich nur knapp unterdurchschnittlichen Streifen, noch aufs durchschnittliche Niveau retten.

Fazit: Recht mäßig ausgefallene X-Mas-Klamotte, die zwar durchaus mit einer netten Geschichte aufwarten kann, aber aufgrund der durchgehend unsympathischen Figuren, sowie den größtenteils recht müden, gezwungen rüden Witzen und der parodiefreien Ableistung sämtlicher Weihnachtsklischees, auch viel wieder einbüßt. Gott sei Dank kann der Streifen seinem Publikum aber fantastische Neben(!)darsteller bieten, die ihn dann doch noch ins Mittelfeld retten können. Ohne Affleck hätte es vielleicht sogar noch für ganz knapp darüber gereicht. Somit bleibt unterm Strich eine typische X-Mas-Klamotte übrig, die aber nur für Genre-Komplettisten geeignet ist. Alle anderen dürften Weihnachten auch ohne diesen Streifen überleben!

Wertung: 5/10 Punkte

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