Review

"AFTERMATH - der krass eindringliche Nekrophilie-Schocker aus Spanien" ..... oder wie war das noch gleich?

Die Story dürfte mittlerweile zwar bekannt sein, dennoch hier nochmals die Kurzform:
In einer Leichenhalle gehen seltsame Dinge vor sich: ein Pathologe bearbeitet vorschriftsmäßig den Leichnam einer hübschen jungen Frau: er entkleidet sie, öffnet sorgsam ihren Brustkorb, entnimmt Herz und Hirn und ... und dies ist jetzt nicht mehr so "vorschriftsmäßig" ... vergeht sich danach sexuell an ihr.
Tja, und das war's im Großen und Ganzen. Danach geht der anonym gebliebene Kittelträger nach Hause und serviert seinem Köter noch das pürierte Herz, welches er der Leiche entnommen hat, in einem Fressnapf.

... Ey, ich hab nicht den blassesten Schimmer was ich von AFTERMATH halten soll.
Weder hat sich mir irgendeine Art von Aussage oder Message eröffnet, noch nahm die dargestellte Perversion überirdisch abstoßende Formen an.

Und dies hat folgenden Grund:
Zwar kommt der Pathologe, der hier am Werke ist, wirklich krank und abartig rüber, wenn er den Leichnam der Frau sichtlich erregt streichelt, ihn dann aufschnibbelt, sich dann auf den offenen Corpus legt und mit diesem den Geschlechtsakt vollzieht.
Klar, das ist echt krank und so, .... aber dennoch kommt die dargestellte Abartigkeit keinen einzigen Moment lang "real", "authentisch"-wirkend oder "bedrückend" rüber.
Dafür fehlt hier einfach vollkommen der Bezug zu den Charakteren.
Über den namenlosen Pathologen und dessen Opfer erfährt man nämlich den ganzen Film über rein garnichts. Er is' halt einfach 'n "typischer" Perverser und Leichenschänder, wie er im Buche steht. Sie ist einfach irgendeine Tussi, die bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Das ist halt einfach so.
An Perversion und somit an Tiefgang und Wirkung hätte das ganze Treiben gewinnen können, wenn einem der Film mehr Infos über die Identität der beiden Unbekannten geliefert hätte:
Haben die beiden Familie? War sie eine lebenslustige Person? Kann er oft nachts nicht einschlafen, weil ihn ein innerer Drang nicht zur Ruhe kommen lässt? Hasst er sich wegen seiner Neigung? ...
Ihr seht, es fehlen einfach wichtige Indizien, welche die platten, seelenlosen Gestalten erstmal zu "Menschen" machen, und welche es ermöglichen eine Beziehung zu dem Gezeigten zu bekommen.
Ich weiß, das klingt jetzt alles sehr nebensächlich, aber ich bin der Meinung, wenn man dieses pikante Thema schon so ernst und sachlich angeht, wie es hier eindeutig versucht wird, dann sollte man es auch gründlich machen.
Aber nein: Die "Handlung" (...ich trau es mich fast nicht so zu nennen) setzt wortlos auf dem Seziertisch ein, ohne Worte wird dann auch die Leiche "bearbeitet" ... und Ende.
Über einige Ekeleffekte kommt AFTERMATH also nicht hinaus,
von downender, in die Magengrube tretender Atmosphäre und von nachhaltigen Stimmungstiefs hab' ich für meinen Teil nix gemerkt.

Der Gedankenanstoß (falls es einer sein sollte), was uns alle wohl nach dem Tod erwartet, wird uns zu Beginn als roher, unbearbeiteter Klumpen nach dem "Vogel-friss-oder-stirb"-Prinzip hingeschmissen, wie dem Hund am Schluss das Herz der Toten. Leider geht diese interesaante Frage aber dann schnell in all der Leichenschänderei unter.
Von intelligentem, zum Nachgrübeln anregendem Kopf-Kino kann hier also auch nicht die Rede sein.

Was bleibt also übrig:
Tja, was wirklich gut dargestellt wird, ist die routinierte, vollkommen gefühlskalte Arbeitsweise der beiden Pathologen am Anfang. Da werden völlig skrupel- und wie immer wortlos Eingeweide entnommen und eingetütet, Schädel aufgesägt und schließlich die toten Leiber in die berühmten schwarzen Säcke gepackt. Dies fand ich als so ziehmlich einzige Sache "realitätsnah" und gelungen umgesetzt.

Tja, das war's schon an Honig. Mehr Lob will mir einfach nicht über die Lippen kommen.

Zu den oft so hochgelobten Effekten: Ja, die Leichen schauen schon echt "echt" aus und auch das Sezieren wurde sehr gut umgesetzt.
Von Splatter, womit ich persönlich auch immer 'ne deftige Portion Spaß und Effethascherei verbinde, kann hier aber eigentlich nicht die Rede sein, da dafür der Kontext einfach zu "ernst" ist.
So richtig gorig geht's hier also nicht zur Sache...
Beim Sex mit der Leiche wurde Gott sei Dank nicht Pornografie als Stilmittel verwendet, ... aber wer weiß: vielleicht hätte das ganze Treiben dadurch ein bisschen an Intensität gewonnen...?

So, ich glaub' ich bin durch und deshalb fass' ich nochmal zusammen:
AFTERMATH = Leiche auf dem Tisch + Leiche wird mit dem Seziermesser und der Knochensäge bearbeitet + Leiche wird penetriert
... das war's. Nix tieferer Sinn, nix "What's this Life for"-Feeling, keine Buttgereit'sche Tristess und keine "Oh Gott, wie pervers! Ich kann das nicht länger mit anschauen!!!"-Gedanken.
Dass Nekrophilie, diese widerlich abstoßende "Sache", existiert, weiß doch mittlerweile jedes Kind.
Wer sich also lediglich davon schocken lässt, dass ihm diese "Sache" bildlich vor Augen geführt wird, der kann hier zugreifen.

Ihr merkt schon, bei mir überwiegt ein eher negativer Gesamteindruck und daher auch mein Rat:
Lieber nochmal NEKROMANTIK, SADO oder wenn's Hart auf Hart kommt auch mal LUCKER THE NECROPHAGUS einlegen, da gibt's nämlich noch was zu Lachen und 'ne ganze Ecke mehr Sinn und Story steckt bei Erstgenanntem zumindest auch dahinter.

AFTERMATH ist ein halbstündiges Kurzfilmchen und nur Schall und Rauch. Wer ihn nicht kennt, hat garantiert nix verpasst.
Und glaubt mir: ich empfehle den Film nicht nicht weiter, weil er zu pervers oder zu abstoßend ist.
Nein, im Gegenteil: von mir gibts keine Weiterempfehlung, weil der Streifen einfach völlig banal und unsehenswert ist.
Basta!

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