Mit „Aftermath“ hat Nacho Cerdà mal wieder in eine Kerbe von mir getroffen. Normalerweise denkt man ja, man hat im filmischen Bereich alles gesehen, aber es gibt wohl immer etwas, was einen Filmsammler noch schocken kann.
Alltag in einer spanischen Pathologie. Tote Menschen kommen, tote Menschen gehen. Auch heute sind zwei Pathologen im Einsatz, welche ihre Handwerkskunst (so muss man es ja schon wirklich nennen) ausüben. Organe werden entnommen, gewogen, wieder rein gesteckt, zugenäht, fertig, Feierabend. Feierabend macht zumindest nur einer der beiden Pathologen, der andere ist mit seiner Leiche noch nicht ganz fertig. Auch er könnte danach nach Hause gehen, aber er tut es nicht. Er holt sich noch die Leiche der jungen Marta, die gerade bei einem Autounfall gestorben ist. Was anfänglich noch wie normale Arbeit aussieht, steigert sich in ungeahnte perverse Gefilde, bis der Pathologe sich schließlich an der Leiche vergeht...
Man kann zwar immer schnell behaupten, ein Film ist nichts für die breite Masse, aber bei keinem Film wird es wohl so zutreffen wie bei „Aftermath“.
Es fällt schwer, überhaupt was dazu zu schreiben, erst mal muss man diesen Film irgendwie verarbeiten. Zunächst wird man mit der normalen Arbeiten der Pathologen „unterhalten“, dann kommt die riesige Keule, die erst zaghaft und dann immer stärker und stärker auf den Zuschauer einschlägt.
Wieder mal kommt Cerda ohne einen einzigen Dialog aus. Man fragt sich eh, was könnte man hier sagen. Es reichen die Bilder. Von den Pathologen sieht man eigentlich nur die Augen, aber man hat sofort im Gefühl, dass einer von beiden irgendwas an sich hat, was einem nicht gefällt. Später wird man auch 100%ig bestätigt.
Wo andere Horrorfilme lieber abblenden, hält Cerdà munter drauf. Natürlich kann man „Aftermath“ nicht in die Horrorecke drängen, doch die F/X könnten aus einem sein. Da wird geschnitten, gestemmt, gesägt etc. Und man muss zugeben, die Trick sehen wirklich ziemlich realistisch aus. Trotzdem ist „Aftermath“ auf keinen Fall etwas für den Horror- und/oder Splatterfan, auch wenn es hier derbe Szenen ohne Ende gibt. Der Schlag in den Magen kommt dann, wenn der oben beschriebene Pathologe alleine ist und sich seine ekelhaften und perversen Neigungen voll entladen. Man schaut nur unglaubwürdig in Richtung Fernseher und kann eigentlich nicht wirklich glauben, was man gerade sieht. Und wenn man glaubt, man hätte jetzt alles überstanden, so gibt es noch einen üblen Nachschlag, erst dann folgt endlich der Abspann und 30 Minuten sind um, die man nicht mehr vergessen wird.
Natürlich, alles ist fake, es ist ein Film, aber selten wirkte ein Film so echt, selten war ein Schauspieler ohne Text so überzeugend, so real. Gerade das macht „Aftermath“ so schrecklich aber gleichzeitig auch faszinierend (natürlich nicht das Thema Nekrophilie selber). Der Film könnte echt sein, zumindest dank der Tricks und der Schauspieler. Und gerade das macht einen so nachdenklich.
Fazit: Hammerharte Kost, die man vielleicht nur eine handvoll Leute empfehlen kann, wenn man überhaupt von einer Empfehlung sprechen kann. „Aftermath“ ist ein kalter, schrecklicher Film, der den Zuschauer eine Weile verfolgen wird und ihm zum nachdenken anregt. „Aftermath“ ist auf keinen Fall geeignet, um sich irgendwie an dem Gore zu erfreuen, dafür ist der Film einfach zu gut und zu ernst. Leute mit starken Mägen und starken Nerven können sich mal dran versuchen. Der Rest sollte einen weiten Bogen um „Aftermath“ machen. Nicht weil er schlecht ist, sondern einfach zu extrem und zu schrecklich für die meisten.