Dieser halbstündige spanische Film zeigt vordergründig Ärzte in einem Leichenschauhaus bei der Arbeit. Das Sein nach dem irdischen Leben ist hier allgegenwärtig das Thema. Die Verbindung von lebenden und toten Menschen ist wohl kaum irgendwo so zusammenhängend erzählt, wie hier. Allerdings sollte man auf einen schonungslosen Umgang der Ärzte mit den Leichen während und nach Obduktionen vorbereitet sein. Besonders die sadistische körperliche Liebe eines Arztes zu einer Leiche überschreitet nicht nur die Grenze des körperlichen Seins, sondern sicher auch die des Verkraftbaren für Mainstreamgucker. Das Tabuthema Nekrophilie funktioniert hervorragend, um den Werdegang und verschiedene Stadien des menschlichen Lebens sehr explizit zu verdeutlichen, als Abschluss wird ganz unscheinbar dieser Kreis geschlossen, großartig! Anders als in "Nekromantik" verpackt Nacho Cerda seinen Kurzfilm in eine klinische, blaue Atmosphäre, wer OP-Räume mag, wird "Aftermath" lieben. Als Untermalung für diesen Film, der übrigens ohne Dialoge auskommt, dient teils klassische Musik und teils düstere Drones. Regisseur Nacho Cerda plättet den Zuschauer mit ungeheuren Geschehnissen in einem Krankenhaus, die wiederum ästhetisch genug dargestellt sind, um tatsächlich Gefallen an Obduktionen als Augenweide im künstlerischen Sinne zu bekommen, ohne selbst solche besagten Neigungen zu haben. Das u.a. Jelinski & Buttgereit neben "Nekromantik" diese Filmperle vertreiben, verwundert kaum.
Fazit: Ausgenommen ästhetischer Film mit ausgenommen nachdenklich stimmender Thematik. Kein platter Splatter aber schon gar nicht für jedermann anschaubar. Eher für die philosophische Nekro/Splatterfraktion. 10/10 Punkten