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„Gehen Sie doch mal in medias res!“ – „Wohin soll ich gehen?!“

Drehbuchautor Danilo Bach hatte bereits im Jahre 1977 das ursprüngliche Drehbuch zu diesem Film vorgelegt. Konzipiert war es als ernster US-Actionreißer für einen ernsten Schauspieler in der Hauptrolle. Nach einigem Hin und Her wollte Sylvester Stallone diese bekleiden, der jedoch weitaus mehr Actionszenen zu drehen verlangte und damit das Budget gesprengt hätte. Nur zwei Wochen vor Drehstart wurde er durch den jungen Schwarzen Eddie Murphy ersetzt, der sich nach erfolgreicher Karriere als Stand-up-Comedian einen guten Namen als Schauspieler in den Filmen „Nur 48 Stunden“ und „Die Glücksritter“ gemacht hatte, wo er jeweils als Teil eines Duos agierte. Im 1984 veröffentlichten „Beverly Hills Cop“ hatte er schließlich seine erste alleinige Hauptrolle inne und bekam unter der Regie Martin Brests („Die Rentner-Gang“) viel Raum zur Improvisation innerhalb der nun zur Action-/Cop-Komödie umfunktionierten Handlung.

„Ich piss‘ Ihnen gleich an die Birne!“

Polizist Axel Foley (Eddie Murphy) ermittelt verdeckt in seiner Heimat Detroit und will einen Zigarettenschmuggler auffliegen lassen. Doch die Aktion misslingt gründlich und bereitet eine Menge Blechschäden. In ihrem Anschluss wird Foleys Freund Victor Mikey Tandino (James Russo, „Unheimlich“), gerade zu Besuch aus Beverly Hills, bei Foley zu Hause von einem Profikiller erschossen. Foley möchte die Spur des Mörders nach Beverly Hills verfolgen, wovon sein Vorgesetzter Inspector Todd (Gilbert R. Hill) rein gar nichts hält. Kurzerhand nimmt Foley Urlaub, möchte angeblich nur seine Freundin Jenny (Lisa Eilbacher, „Der Millionen-Dollar-Junge“) dort besuchen. Natürlich verfolgt er seinen eigentlichen Plan, doch die Kollegen an der Westküste zeigen sich nicht sonderlich kooperativ – vielmehr sollen die Detectives John Taggart (John Ashton, „Weißer Haß“) und Billy Rosewood (Judge Reinhold, „Gremlins – Kleine Monster“) Foley beschatten, wodurch sich jedoch die Wege immer wieder kreuzen…

„In Beverly Hills pflegen wir uns genau nach den Vorschriften zu richten.“

Die Exposition eröffnet direkt mit einer Verfolgungsjagd und Autocrashs, bevor es, von einem coolen ‘80er-Pop/Rock-Soundtrack begleitet, nach Beverly Hills geht, wo Axel Foley mit seiner proletarischen Herkunft, seiner Hautfarbe, seinem losen Mundwerk und seinen unkonventionellen Ermittlungsmethoden einen starken Kontrast zum noblen Umfeld darstellt. Und dies lässt man ihn deutlich spüren; so muss er sich erst echauffieren, bevor er als Schwarzer überhaupt ein Zimmer im Nobelhotel bekommt. Als er dem verdächtigen Schurken Victor Maitland (Steven Berkoff, „A Clockwork Orange“) unangenehme Fragen stellt, wird er durch eine Glasscheibe geworfen, verhaftet und auf dem Polizeirevier misshandelt.

Zwar wird aus den Themen Rassismus und Polizeibrutalität bedauernswerterweise nicht mehr gemacht, doch aus dem Detroiter-Bulle-versus-kalifornische-Schickimicki-Cops-Sujet entwickelt sich eine reizvoll absurde Situation, die in Kombination mit Foleys Spruchfeuerwerken die Handlung mehr als passabel schultert. Foley ist letztlich immer einen Tick schlauer und mischt schließlich die örtliche Polizei so lange kräftig auf, bis sie endlich mit ihm zu kooperieren bereit ist. Diesen gegenseitigen Annäherungsprozess zu beobachten, hält den Film spannend und unterhaltsam. Inwieweit Polizeichef Lieutenant Andrew Bogomil korrupt ist und deshalb so lange wie möglich etwaige Ermittlungserfolge zu verhindert versucht, bleibt hingegen leider ungeklärt. Dies hätte den Film um eine interessante Komponente erweitert.

Murphy legt seine Rolle übercool an, was etwas arg übertrieben ist und zulasten jeglichen Anflugs von Realismus geht. Sein pfeilschnelles, überdrehtes Gequatsche kann zuweilen auch nerven. Dass niemand angesichts ausufernder Schießereien mit Maschinenpistolen und anderem schweren Gerät im Showdown Todesangst verspürt, sondern mitunter noch immer zu frechen Sprüchen aufgelegt ist, nimmt ihm einigen Nervenkitzel. Doch der Humor mit seinem politisch unkorrekten Sprachwitz weiß überwiegend zu gefallen. Letztlich handelt es sich bei „Beverly Hills Cop“ um die Geschichte eines Underdogs, der erfolgreich gegen die verbrecherische Oberschicht revoltiert und sich gegenüber manch Lackaffen, ignoranten Schnöseln und Dienst-nach-Vorschrift-Bürokraten zu behaupten weiß –Seitenhiebe gegen eine snobistische Gesellschaft Los Angeles‘ inklusive.

Der Film kommt trotz Andeutungen in diese Richtung – immerhin trifft Foley seine alte Freundin Jenny wieder – ohne Romanze aus, dafür spielen Frauen aber auch generell nur eine untergeordnete Rolle. Ungeachtet diverser inhaltlicher Härten bleibt der Anteil visueller Gewalt überschaubar, Erschießungen finden fast sämtlich offscreen statt. Die Schauspieler hatten sichtlich Spaß an ihren karikierend überzeichneten Rollen, was sich aufs Publikum überträgt. „Beverly Hills Cop“ traf seinerzeit den populärkulturellen Nerv der Zeit, bereicherte die Musiklandschaft um Harold Faltermeyers „Axel F.“-Synthie-Ohrwurm, avancierte zu einem Kassenschlager, zog zwei Fortsetzungen nach sich – und lässt sich nicht nur innerhalb von ‘80er-Retrospektiven noch immer gut gucken.

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