Mit einem lächerlichem Budget von nur 20 Millionen Dollar erschuf Regisseur Robert Rodriguez einen Kultfilm und gleichzeitig das beste Werk in seiner kompletten Filmographie, dicht gefolgt von " Sin City ". Nach einer Idee von Robert Kurtzman schrieb Quentin Tarantino das Drehbuch und übernahm selbst eine Hauptrolle. Tarantino und Rodriguez arbeiteten schon im Kinoerfolg " Desperado " zusammen, doch " From Dusk till Dawn " bleibt das Maß der Dinge. Heute schon als Kultfilm gehandelt, erziehlte man damals kommerzielle Erfolge in Hülle und Fülle, zudem lag Rodriguez Hollywood nun entgültig zu Füßen.
Die Brüder Seth (George Clooney) und Richard Gecko (Quentin Tarantino) ziehen nach einem brutalen Banküberfall eine blutige Spur durch Texas. Mehrerer Morde schuldig, versuchen sie nun über die mexikanische Grenze zu gelangen, da kommt ihnen der ehmalige Priester Jacob (Harvey Keitel), seine hübsche Tochter Kate (Juliette Lewis), inklusive Sohn Scott Fuller (Ernest Liu) gerade recht. Mit den Dreien als Geiseln, machen sich die Gebrüder Gecko auf den Weg nach Mexiko. Nach dem haarscharfen Passieren der Grenze, steigen sie in einer abgelegenen Bar, namens " The Titty Twister " ab. Eigentlich wollten Seth und Richard sich dort mit ihren Kontaktleuten treffen, um ein für allemal unterzutauchen, doch es kommt anders. Das Barpersonal verwandelt sich plötzlich in blutrünstige Vampire und fällt über die Gäste her. Den Fünf steht eine höllische und blutige Geisterbahnfahrt bevor.
Der Titel des Films " From Dusk till Dawn " heisst übersetzt " vom Abend bis zum Morgengrauen " und Dieser stammt auch von Robert Kurtzman. Wir haben hier eine einmalige Mischung aus Action, Roadmovie, Splatter und Horror, versetzt mit einem kräftigen Schuss schwarzem Humor. Man erkennt gleich an den bissigen, schimpfwortversetzten, aber teils auch klugen Dialoge, dass hier Tarantino am Werk war. Manchmal ist der Film ein bisschen zu geschwätzig und das Ganze könnte einen Tick spannender sein, trotzdem gehört er meiner Meinung nach in die Kategorie " Die besten Filme aller Zeiten ".
Vor allem fackelt man nicht lange mit der Einführung der Charaktere. Rodriguez gestaltet das immer Häppchenweise, über den ganzen Film verteilt und schafft es somit sogar in die Tiefe zu gehen. Jeder der einzelnen Charaktere hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Seth ist eindeutig der Befehlshaber, versucht immer cool zu bleiben, hat aber mit seinem, teils schon perversen und mordlustigen Burder Richard, eindeutig einen Klotz am Bein. Jacob ist gerade auf einer Erholungsreise mit seinen beiden Kindern. Kurz zuvor verlor er seine Frau bei einem Autounfall, das ist auch der Grund warum er sein Priesteramt aufgab. Einige Phrasen über das Thema Kirche und Gott, dürften Gläubigen oder der Kirche allgemein überhaupt nicht schmecken.
Nicht nur die Splattereinlagen waren schuld an der Indizierung des Films, hauptsächlich ein kleiner Dialog am Anfang, wo der Sheriff über einen geistig Zurückgebliebenen lästert. Und auch sonst bekommt man schwarzhumorige Onliner gerade zu ins Gesicht gedonnert. Man muss nicht nur Grinsen, sondern sich auch den Bauch vor Lachen halten.
Darüber hinaus haben Rodriguez und Tarantino genau die richtigen Darsteller gefunden. George Clooney agiert hier in der Rolle seines Lebens. Ich habe ihn in keinem anderen seiner Filme, so überzeugend gesehen. Tarantino hat bis jetzt eigentlich in jeder Rolle überzeugen können, so auch hier, er verkörpert den leicht verrückten Richard. Mit Harvey Keitel hat man einen weiteren Spitzendarsteller für sich gewonnen, aber auch die übliche Stammbesetzung mit Cheech Marin (hier gleich in drei kleinen Rollen zu sehen), Danny Trejo und Salma Hayek liefern ein gewohnt tolles Schauspiel. Weitere bekannte Gesichter sind Juliette Lewis, FX Meister Tom Savini, Fred Williamson, Michael Parks und John Saxon. Wieder mal eine Besetzung die fast nicht zu toppen ist.
Der einzige Kritikpunkt, den man anbringen kann, habe ich weiter oben schon erwähnt. Es geht um das Thema Spannung. Erst als die Vampire auftauchen wird es richtig gruselig. Auch wird dann kräftig gesplattert. Der erste Kampf in der Bar ist ein echter Eyecatcher. Blutig holen sich die Vampire ihre Opfer, doch im Gegenzug werden sie von Seth und Co. erschossen, verbrannt, oder aufgespießt. Das Blut und andere Substanzen dürfen in hohen Bögen suppen. Verschiedenste Körperteile werden abgerissen, fliegen durch die Räume, Herzen werden herausgerissen, oder man spielt mit einem abgetrennten Kopf Fußball. Die blutigen Effekte und großartigen Masken stammen natürlich von Tom Savini (Sexmachine). Der hatte hier eine Mordsarbeit, denn es sind Dutzende von Vampiren vor Ort und auch Dutzende müssen dran glauben. Absoluter Funsplatter ist hier angesagt.
Ein weiterer Höhepunkt ist der Score, welcher von Graeme Revell und seiner Band Tito & Tarantula kreiert wurde. Auch " Desperado " ein Jahr zuvor, untermalten sie schon mit den perfekten Melodien. Der Soundtrack hierzu ist sogar noch besser, den muss man einfach haben.
Für das äusserst geringe Budget hat man eine tolle Kulisse errichet. Nach dem großen Kinoerfolg hat man das " Titty Twister " tatsächlich in Mexiko eröffnet. Diese Kneipe gibt es jetzt wirklich.
Ein herrlicher Geniestreich mit schwarzem Humor, einem grandiosen Score, tollen Darstellern und Dialogen, die Mischung stimmt. Einmalig in der Filmgeschichte.