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Ein brutales Gangsterduo, der coole, besonnene Seth und der komplett verrückte Richard Gecko, zieht mordend durch den Bundesstaat Texas und beabsichtigt, sich nach Mexiko abzusetzen, um sich dort eine neue Identität aufzubauen. Dazu sind Geiseln vonnöten, die sie in Form einer dreiköpfigen Familie auch finden. Mit deren Wohnwagen kommen sie tatsächlich unversehrt über die Grenze und stoßen in einer kleinen Tanzbar, "Titty Twister", auf ihr Glück an. Doch sobald sie erneut Streit anfangen und der erste Tropfen Blut vergossen wird, sehen sich die Fünf plötzlich mit einer hohen Anzahl von Vampiren konfrontiert. Fortan müssen sie einen Trip durch die Hölle beschreiten, den bis zum Morgengrauen nicht alle überlebt haben werden...
"From Dusk Till Dawn" gehört zu einem der Filme, die man sich immer und immer wieder anschauen kann, ohne daß dem Betrachter langweilig wird. Hier wird ein Feuerwerk an originellen Ideen und hochkarätigen Effekten abgeschossen, dem sich wohl niemand entziehen kann. Dabei liegt es nahe, daß es nicht das Ziel des Regisseurtandems Rodriguez/Tarantino war, eine komplexe Geschichte zu erzählen, sondern den Spaßfaktor vom Anfang bis zum Ende ganz oben zu halten - und dieses Ziel wurde ganz und gar erfüllt.
Einen großen Teil des z.T. schwarzen Humors machen dabei die herrlich schrägen und lockeren Sprüche aus. So geht am Anfang des Films das Spirituosengeschäft "Benny's World Of Liquor" in die Luft, während Seth seinem debilen Bruder die Bedeutung der Worte "Nicht auffallen" definiert, ohne sich zur Explosion umzudrehen, geschweige denn zu erschrecken. Quentin Tarantino (neben Co-Regisseur und Drehbuchautor auch einer der Hauptdarsteller) darf als Richard sogar einen der banalsten und aberwitzigsten Dialoge der Filmgeschichte mit Juliette Lewis (alias Kate) wechseln.
Kate: "Wohin geht die Reise?" - Richard: "Mexiko." - Kate: "Was gibt es in Mexiko?" - Richard: "Mexikaner."
Auch in den aussichtslosesten Situationen hat Seth stets einen seiner üblich trocken geratenen Sprüche auf den Lippen, "Kate, kämpfe! Wein' später!"
Besonders der Aufbau der Story ist ausgesprochen unkonventionell gegenüber anderen Produktionen: Der Film beginnt als hartes Gangster-Roadmovie, das zunächst nicht einmal erahnen läßt, was dem Zuschauer im weiteren Verlauf noch bevorstehen soll. Dieser erste Teil trägt ganz deutlich die Handschrift Tarantinos. Sein Wortwitz ist unverkennbar. Von der einen auf die andere Sekunde springt "From Dusk Till Dawn" jedoch in ein völlig anderes Genre. Ohne Vorankündigung fließt plötzlich das Blut in Strömen, und alle möglichen Körperteile fliegen durch die Luft - kurz: Wir befinden uns im sogenannten Splatterfilm, in dem sich der eigentliche Regisseur Robert Rodriguez nach Herzenslust austoben durfte. Die Bilder und Effekte sind so verspielt farbenfroh, daß sie an einen Comic erinnern.
So hart einzelne Szenen aber auch sein mögen, jede einzelne macht Spaß, was auch daran liegt, daß die Protagonisten sich nicht nur nach 08-15-Schema der Vampire erwehren, sondern sich größte Mühe geben, die Zahl der Untoten in unterschiedlichsten Varianten zu reduzieren. So dienen nicht nur Pflöcke - der übliche Tötungsgegenstand gegen Vampire - als Waffe, sondern auch eine Armbrust, eine Kette oder gar ein Bleistift.
Beide Filmhälften haben ihre Qualitäten. Im ersten Teil sind es die Sprüche, im zweiten die grellen Effekte, die einen vom Hocker reißen - und immer steht der Humor im Vordergrund, nicht etwa die zugegeben auch vorhandene Spannung, weshalb nur die logische Konsequenz ist, daß es den Regisseuren auch nicht um den Aufbau einer gruseligen Atmosphäre geht. Der Zuschauer ist sofort mitten im Geschehen - sowohl am Anfang beim Spirituosenladenüberfall als auch in der Mitte des Films. Wirklich schade, daß es durch die große Popularität von „From Dusk Till Dawn“ und die dadurch betriebene Mundpropaganda keinen Zuschauer mehr geben dürfte, der den groben Handlungsverlauf vor dem ersten Ansehen des vorliegenden Spektakels noch nicht kennt. So geht der Überraschungseffekt in der Mitte des Films, das Umspringen von Gangster- zu Splatterfilm, leider vollständig verloren.
Jedem der Darsteller ist der Spaß an den Dreharbeiten anzusehen, allen voran natürlich George Clooney, den man sich nach dieser gemeinen Rolle gar nicht mehr im Arztkittel bei "Emergency Room" vorstellen kann, aber auch Juliette Lewis, die die nötige Erfahrung aus vorangegangenen Thrillern wie "Kap der Angst" oder "Kalifornia" und der Satire "Natural Born Killers" mitbringt. Harvey Keitel überrascht in der ungewöhnlichen Rolle des Priesters Jakob.
Zugegeben, die Handlung ist wirklich simpel und läßt sich in einem Satz zusammenfassen. In der zweiten Hälfte geht es natürlich nur noch um die Zurschaustellung diverser Effekte, deren Kreativität die Einfachheit der inhaltlichen Struktur nahezu ausgleichen.
Der Film ist sicherlich Geschmackssache und für sensible Gemüter nicht geeignet, aber jeder Horrorfan sollte diesen Film gesehen haben und jeder, der sich als Horrorfan bezeichnet, sollte ihn einfach lieben. Wer nicht, ist selber schuld...
Das Resultat bleibt innovativ genug, um es sein Leben lang nicht zu vergessen.

Kurzfazit: "From Dusk Till Dawn" ist ein Musterbeispiel für einen modernen und herausragenden Horrorfilm. Er besitzt alles: Spannung, Action, Schrecken, zahlreiche Effekte, fetzige Musik, eine grandiose, spielfreudige Schauspielriege (auch Tom Savini sei nicht vergessen) und natürlich jede Menge Spaß. In der Kategorie des Subgenres „Splatter“ sicherlich im höchsten Bereich anzusiedeln.
GESAMT: 9/10 (Unterhaltungswert: 10 - Handlung: 6 - Schauspielerische Leistungen: 8 - Kameraführung/Atmosphäre: 7 - Musik: 9)

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