Review
von Leimbacher-Mario
Balls to the Wall
Über die eigenen Lieblingsfilme zu schreiben, macht immer Spaß. Egal ob es eine lange Woche war, mitten in der Nacht ist oder den Film keiner kennt. Egal ob es ein Bestseller ist, egal wie oft man ihn schon gesehen hat oder das eigentlich schon alles geschrieben wurde. Manche Filme gehören einfach so zu unserem Leben, dass sie nicht alt werden & immer Spaß machen. "From Dusk Till Dawn" ist einer dieser Guilty Pleasures, vor denen man sich noch nichtmal mehr schämen braucht, der sich hervorragend gehalten hat & den ich mit am meisten überhaupt angesehen habe über die Jahre. Eben wieder. Kult im wahrsten Sinne des Wortes & gefühlt hier in Deutschland/Europa sogar noch etwas höher angesehen als in den Staaten. Keine Kunst aber ein verdammter Spaß; kein Heiliger, eher ein liebenswerter Perverser. Dieser zweigeteilte Film ist einfach so cool & unterhaltsam, es spricht so viel für ihn, dass man kaum weiß, wo man anfangen soll...
Bei der Story wohl am aller wenigsten, die kennt eh jeder: die bundesweit gesuchten Gangster, die Gecko-Brüder, kidnappen eine kleine Familie, überqueren die Grenze nach Mexiko & landen in einem abgefahren Saloon voller Vampire, dem Titty Twister. Ok, jetzt habe ich den Inhalt doch nochmal wiedergegeben - aber klingt das nicht jedes Mal wieder geil & seiner Zeit einfach voraus? Grindhouse ohne zu sehr darauf zu machen, spaßig ohne zu lebsch zu werden, über sich selbst & seinen Genremix bewusst ohne zu meta zu werden, Exploitation ohne erzwungen wirkenden Gore & ins Bild geschnittene Filmfehler. Gefällt mir immer noch besser als alle Machetes & Death Proofs dieser Welt 10 Jahre danach - auch wenn "Planet Terror" ihm verdammt nahe kommt. Tarantino (der seine Finger bestimmt mehr im Spiel hatte als nur als verrückter Ricky Gecko), Rodriguez & das gesamte Team hatten einfach Spaß & das merkt man in jedem Moment. Solche Filme werden so heute nicht mehr gemacht - und das grenzt an eine traurige Schande. Zeigt aber auch, dass er keineswegs nur Schund & Schmutz ist, wie ihn ein paar versnobbte Kritiker hinstellen wollen.
Auch wenn Rodriguez momentan oder in den letzten Jahren etwas abgebaut hat, werde ich ihm "Sin City", "Planet Terror" & vor allem "FDTD" nie vergessen. So macht man sich zu einem Kultregisseur & kleinen Genrelegende. Ein Fan-Gebliebener, der Film für Fans, Freaks & Verrückte macht. Tarantinos kleiner Bruder sozusagen... Zurück zum Titty Twister, heißen Tänzer & herausgerissenen Herzen. Um nur ein paar, immer wieder ein Schmunzeln auf meine Lippen zaubernde Dinge zu nennen: Clooney in seiner rohsten & coolsten Rolle, komplett gegen Strich & Image, ein absoluter BadAss & Antiheld. Tarantino in einer perversen Paraderolle & mit seinem wahrscheinlich besten Auftritt vor der Kamera überhaupt. Stilwechsel genau in der Mitte des Films, für jeden etwas dabei. Selma Hayeks Tanz. Ein kantiger Autokino-Soundtrack & ein abgeranzter Look. Kultige Sprüche wie: "Was gibt es in Mexiko?" - "Mexikaner". Genug Splatterfun um für Tage satt zu machen inklusive etlicher Einfälle & vieler praktischer Effekte. Gastauftritte von Savini & Co. (Sexmachine), die im Gedächtnis bleiben. Comicartige Charakter, die einem trotzdem menschlich erscheinen & ans Herz wachsen. Und von denen vor allem keiner einen Überlebensfreifahrtschein hat. Einfach schlechter Geschmack mit Stil. Ein Highlight der 90er.
Fazit: einer meiner absoluten Lieblingsfilme & Rodriguez Bester. Kultiger Roadtrip, spaßiger Vampirmovie, cooler Grindhouse-Style bevor er in wurde (eben durch die beiden Macher) - alles in einem rotzigen Komplettpaket. Fun & Gore galore, einfach nicht tot zu kriegen. Lang lebe der Titty Twister!