Bereits zuvor hatte Abel Ferrara Neo-Noirs gedreht, besonders deutlich wurde seine Vorliebe für das Genre in „Cat Chaser“, einer Adaption des Hard-Boiled-Autoren Elmore Leonard, bei welcher der Pulpschreiber auch als Co-Drehbuchautor fungierte.
Protagonist George Moran (Peter Weller) ist eine klassische Film-Noir-Figur, nämlich ein von der Vergangenheit geplagter Veteran. Als Fallschirmjäger bei der Invasion der Dominikanischen Republik in Gefangenschaft geraten, träumt er Jahre später immer noch von jener jungen Frau, die ihm damals das Leben rettete und ihm den Namen „Cat Chaser“ gab. Einen Traum von jenen Tagen bebildert Ferrara in der Auftaktsequenz auch entsprechend noirig, ehe wir Georges gegenwärtiges Dasein als Betreiber eines Hotels in Miami sehen, wo er immer noch über die Vergangenheit nachdenkt – nicht ganz zu Unrecht, wohnt doch der ehemalige Chef der Geheimpolizei der Dominikanischen Republik, Andres DeBoya (Tomas Milian), ebenfalls vor Ort.
Bei einer Reise in die DomRep, auf der Suche nach seiner Lebensretterin von einst, trifft George seine frühere Geliebte, DeBoyas Ehefrau Mary (Kelly McGillis), wieder, woraufhin die alten Gefühle aufflammen und sie eine verhängnisvolle Affäre beginnen, die natürlich auch purer Noir-Stoff ist, wenn es um Leidenschaft, Geld und Macht geht, mit einem Underdog wie George in der männlichen Hauptrolle.
Denn die Affäre macht George angreifbar, als einige Verschwörer, allen voran DeBoyas Vertrauter Jiggs Scully (Charles Durning), den zwielichtigen Ex-Geheimpolizisten um seine Notgroschen bringen wollen – 2 Millionen Dollar, die für den Fall einer Flucht in seiner Villa gebunkert sind. George wehrt sich dagegen, doch er wird trotzdem in den Strudel aus Betrug und Gewalt mit hineingezogen…
Bei „Cat Chaser“ verkrachten sich die gerade in den Bankrott abrutschende Produktionsfirma Vestron und Abel Ferrara, weshalb die Kinofassung (auch in der Unrated-Version) nicht wirklich Ferraras Vorstellungen entspricht, der gerüchteweise noch einen deutlich längeren Rohschnitt in seinen Privatarchiven besitzen soll. Man merkt dem Film die Probleme an, nicht zuletzt, dass Peter Weller sich weigerte den Off-Kommentar einzusprechen, weshalb Vestron Reni Santoni als Erzähler anheuerte. Viele Plotlines verharren in bloßen Ansätzen, gerade die Suche nach Georges Retterin, die dem Film ja immerhin seinen Originaltitel verschafft, wird so stiefmütterlich behandelt, dass sie beinahe problemlos aus dem Film herausfallen könnte. Einige Nebenfiguren, wie der versoffene Veteran Nolen Tyner (Frederic Forrest) und der schmierige Rafi (Juan Fernández), haben kaum etwas zu tun und kommen dementsprechend kaum im Film an.
So ist „Cat Chaser“ dann ein fast schon enttäuschend geradliniger Neo-Noir, bei dem es kaum eine Überraschung gibt, da quasi jede Figur das ist, was sie auch zu sein scheint: DeBoya ist der schurkisch-mächtige Folterknecht a.D., George der rechtschaffene Underdog und Mary die unglücklich verheiratete Frau, die den Gatten verlassen will, während Nolen und Rafi zwei glücklose Verlierer sind, die Partners in Crime werden, aber auch da wenig Erfolg haben. Der einzige, der groß intrigiert und falschspielt, ist Jiggs, aber der tritt von Anfang an als Unsympath und Schmierlappen deluxe auf, sodass es weder für den Zuschauer noch für George eine Überraschung ist, dass er Menschen wie Schachfiguren bewegt und andere zum eigenen Vorteil in die Pfanne haut. Dass diese Ränkespiele die Aufdeckung der Affäre und entsprechendes Leiden für die Hauptfiguren zur Folge haben werden, ist ebenso klar wie der restliche Verlauf des Ganzen.
So ist „Cat Chaser“ dann am überzeugendsten, wenn er weniger auf den Plot und mehr auf eine unbarmherzige Noir-Stimmung setzt, gefiltert durch den Ferrara-typischen Faible für Sleaze: Die Demütigung einer Frau durch ihr Arschloch von einem Ehemann, die erniedrigende Behandlung von Männern, die gleich tot sein werden – in diesen Momenten bebildert „Cat Chaser“ (vor allem in der Unrated-Version) eine gnadenlose Dog-Eat-Dog-Welt, in der Stärkere hemmungslos ihre Macht über Schwächere ausspielen. Diese Momente brennen sich ein, ebenso die Bilder des Loners Moran, der in seinem Hotel sitzt und nach Wegen sucht dem Netz zu entgehen, in das er sich verstrickt hat. Trotz Sonnenscheins in Miami und der Dominikanischen Republik ist „Cat Chaser“ ein fatalistischer Noir, dessen einfache Geschichte nicht der Klasse seiner bedrückenden Atmosphäre entspricht.
Ebenfalls hilfreich ist die Besetzung der mal archetypischen, mal leicht skurrilen Figuren, allen voran Charles Durning als Ekel vom Dienst, der Jiggs mit einer Verschlagenheit ausstattet, gegen welche die anderen Figuren keine Schnitte sehen – es sei denn, sie lassen sich auf sein Niveau herab. Frederic Forrest und Juan Fernández setzen als Möchtegerngangster Akzente, während ausgerechnet die Hauptdarsteller nicht ganz mithalten können. Peter Weller ist okay als geplagter Veteran, aber mehr auch nicht, ähnlich wie Kelly McGillis, deren Rolle bis auf wenige Ausnahmen eh nur Spielball der männlichen Figuren ist, was man immerhin als eine ungewohnte Abkehr von Femme-Fatale-Klischees sehen kann. Und dann ist da noch Italo-Star Tomas Milian, der allerdings sehr zurückgenommen als grausiger Machtmensch auftritt, das Fiebrige und Energetische seiner Western- und Poliziotteschi-Rollen nur noch unterschwellig anklingen lässt und seinen DeBoya so zu einem Standardschurken werden lässt.
Doch Darsteller und Atmosphäre helfen „Cat Chaser“ dann noch über die Runden, wo ansonsten Thriller- und Noir-Standards herrschen, wo das Drehbuch diverse Handlungsstränge und Figuren sträflich vernachlässigt, wo man die späten Eingriffe in den Film merkt. „Cat Chaser“ hat seine interessanten Seiten, ist aber alles andere als perfekt, vor allem auf erzählerischer Ebene – schade drum.