Beruhigend zu sehen, dass New Option 9: The Syndicate wieder auf die normale Länge knapp unter 90min zurückgestutzt und auch in der Lage ist, diese Zeit schicklich zu füllen. Trotz der Eröffnung mit einem neuem Faden wird keine weitere Geschichte begonnen, sondern nur feststehende Verbindungen weitergesponnen.
OCTB Inspector Hon Gin [ Raymond Wong ] wird von einer Reporterin während eines Treffens mit Triadenboss Fatso [ Wong Tin Lam ] gefilmt. Beide haben berechtigtes Interesse daran, dass dieses Material nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Fatsos Sohn Jason [ Benny Lai Chun ] bemächtigt sich indes allein der Bänder, um Hon Gin seinerseits erpressen zu können.
Als die Reporterin umgebracht wird und innerhalb der vierköpfigen Triade ein Machtkampf ausbricht, kommt auch die SDU unter Leitung von Stone [ Michael Wong ] zum Zuge.
Die Handlung ist ausnahmsweise mal gespickt mit Bezügen innerhalb von Polizei, Kriminalität und deren fliessenden Übergang und begeht dazu noch mehrere Umwege über den Generationenkonflikt auf beiden Seiten: Die SDU bekommt Verstärkung durch Stones alte Kameraden, die teilweise schon im Ruhestand waren; woran sich die in Ausbildung befindlichen Frischlinge natürlich stören. In den Triaden versucht man die Weitergabe vom Vater zum Sohn.
Die Einleitung erfolgt durch die Reporterin, die in Form einer dokumentierenden Reportage das boomende Geschäft mit Prostituierten in Mongkok und die gravierenden gesellschaftlicher Umwälzungen anspricht.
Ergänzend zu dieser konservativ - investigativen Perspektive kommen mit Cop Hon Gin und Gangster Fatso zwei tragende Figuren ins Blickfeld, die diese allgemeine Situation personifizieren. Der Wandel der Umstände betrifft beide selber. Wobei der Eine bald mit allen Mitteln versucht, nicht unter die Räder zu kommen und der Andere, auf seine alten Tage alle Schäfchen ins Trockene zu bringen. Die Frage von Legalität und Illegalität und nach Moral und Schuld wurde bereits in den Vorgängern vorangetrieben, so dass man sich einfach nur an die jeweiligen Ereignisse dranhängen muss. Da mittlerweile auch genug um die heissen Brei herumgeredet wurde und es eh dem Ende nahegeht, kann hier auch tatsächlich mal Entscheidendes in den zwischenmenschlichen Beziehungen passieren, ohne dass die Angst um entstehende Lücken jedwege Veränderung verhindert.
Diese wohltuende Tendenz vermeidet noch nicht die typenhafte Personenzeichnung, kann aber eine zielstrebig sinnbezogene Dramatik anwerfen; unrealistische Konventionen werden mittlerweile mit realistischer Motivierung überdeckt. Für Hon Gin ist es bereits zu spät, noch heile aus der Affäre zu gelangen. Der einzige Ausweg liegt in einem sich stetig erweiternden killing spree, um die Mitwisser zu beseitigen.
Ausserdem läuft der aufkommende Gangwar um das beste Territorium ebenfalls einer gesteigerten Eindringlichkeit sowie dem Unterhaltungsbedürfnis zugute. Das erhöhte Erlebnis der dramatischen Einheit beruht sowohl im Eingeweihtsein um Wissen und Wollen der Personen als auch im Erahnen und Mitvollziehen der kausalen Konsequenz.
Hierbei setzt man sich einfach auf die tradierten Kenntnisse des Bloodshed - Genres und formatiert das in einem extrem verkleinerten Maßstab. In einer isolierten Sondereinlage vollzieht man erst ein Blutballett der Marke extrabillig, um dann ganz aus dem Kontext eine für die Verhältnisse napoleonisch grössenwahnsinnige Strassenschlacht mit Handgranaten und Schnellfeuergewehren zu veranstalten. In der neben aller visueller Dynamisierung auch die Schnittfrequenz enorm beschleunigt und durch forciertes Tempo ein den Zuschauer mitreissender Sog erschaffen wird.
Da platzen endlich mal alle Knoten.
Ein reelles Budget ist natürlich immer noch nicht vorhanden, was man auch besonders an den furchtbaren Nebendarstellern sieht; wobei hier fünf Pakistanis als Mercenary - Kommando jeglichen Vogel abschiessen.
Die Aussen - Szenen sind alle recht peinlich gehalten, da man jedesmal die Reaktionen der verdatterten Passanten anhand der Kamera im Hintergrund sieht; eine Absperrung ist monetär unmöglich, wenn man die Deckungsbeiträge gewährleisten will. Manche der Unbeteiligten versuchen sich vorbeizuschleichen, andere machen schnell kehrt. Im Gegenzug kennt man bei vielen Innen - Szenen den Schauplatz, ja sogar die Kleidung der Darsteller bereits auswendig aus bestehenden Episoden. Entweder der Kostümfundus ist ebenso wie die Location sehr stark eingeschränkt, oder man hat alles in industrieller Abfertigung in den wenigsten Tagen heruntergedreht. Dafür würde auch sprechen, dass die Position von Kamera und Interieur kaum mal einen Zentimeter von der gängigen Einstellung abweicht und man auch materiell nur die bekannten Stichworte liefert. In teils viel zu ausführlicher Detailliertheit wohlgemerkt, was wohl eher psychologische als informationstechnische Gründe hat: Die Dialogautoren sind anscheinend alle Vielschreiber und beharren auf immer wiederkehrenden Redefluss mit Theatercharakter. Aussagedichte und wirkungsintensive Sprache sucht man vergeblich. Stattdessen bekommt man repetierende Alltagsrede, die die Handlung weitgehend nichtreflexiv führt und keine eigenen Impulse aussendet; aber immerhin die Chronologie prüft und so eine bruchlose Einheit herstellen kann.
Die minimalen Einflüsse auf Sujet und Inhalt als Arbeit mit harten Mustern bestärken das Gefühl, jedesmal nur geringfügig Unterschiedliches zu sehen, damit das Déjà-vu zu festigen und letztlich die treue, fast familiäre Bindung zu Figuren und Setting zu schaffen.
Das Stammpersonal wächst Einen sicherlich nicht ans Herz; aber Mitleid um die Darsteller und ihren prestigeniedrigen Aushilfsjob ist ja auch ein Gefühl. Und man ist zugegeben schon froh, wenigstens ein Paar bekannte Gesichter zuordnen zu können.
Nun kurz vorm abschliessenden Finale traut man sich sogar, einige wichtigere Charaktere trotz bisheriger Langatmigkeit ins Jenseits oder in die Nähe dessen zu schreiben und allgemein den Druck zu erhöhen.
Aus der Soap mit unterlegter Krimihandlung wird tatsächlich ein primetime Copthriller mit offener Täterführung. Und damit zumindest vorübergehend erfolgreiche Trivialkunst.