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Bei aller (berechtigten) Euphorie über so großartige, Filmgeschichte schreibende Werke wie The Terminator, Aliens, Terminator 2, Titanic & Avatar sollte man nicht vergessen, dass Al Bundy 1966 vier Touchdowns in einem Spiel gemacht hat & den Polk High School Panthers damit zur Stadtmeisterschaft verholfen hat... äh, nein, sorry... sollte man nicht vergessen, dass James Cameron auch einen großartigen, Filmgeschichte schreibenden Fischfolm gemacht hat! Und selbst wenn Produzent Ovidio G. Assonitis mal wieder Regie spielen wollte & Cameron nach zweieinhalb Wochen feuerte, trägt der Streifen immer noch die Handschrift des Meisters (glaubhafte Figuren, eine starke Heldin, druckvolle Action) & gottlob nicht die öde Klaue (Stichwort: Tentacoli) des in Ägypten geborenen Regie-Stümpers. Cameron hat schon Recht, wenn er sagt: "I believe The Spawning was the finest flying piranha movie ever made."

Bereits der Unterwasser-Auftakt in der Nähe eines gesunkenen Schiffes lässt Großes erahnen, serviert uns der Mann da doch gleich mal eine Unterwasser-Nacktszene, eine Unterwasser-Kussszene, eine Unterwasser-Fummelszene, eine Unterwasser-Fressszene & eine Unterwasser-Sterbeszene. Kurz darauf wird Anne Kimbrough (Tricia O'Neil), die Heldin des Streifens, von ihrem Sohn Chris (Ricky Paull Goldin) geweckt, der sie im Bett mit einem glitschigen Fisch überrascht. Er ist ein "weird boy", sagt die Mama & wenn man nicht wüsste, dass dies hier Piranha II ist, dann könnte man glatt denken, dies sei der Beginn eines Mama-Sohn-Rollenspiel-Pornos. Zum Glück heuert der Kleine bei einem exzentrischen Captain an, um ihm & seiner Backfisch-Tochter die Gegend zu zeigen. Ihr scheint besonders die "blaue Lagune" zu gefallen.

Lance Henriksen gibt den knorrigen Polizeichef, der noch mit Anne verheiratet, aber von ihr getrennt ist, Steve Marachuk spielt einen Touristen mit Geheimnissen, der sich an Anne ranmacht & Ted Richert brilliert als Hotel-Manager, der die Gefahr konsequent ignoriert & seine Gäste damit in den Tod schickt. Das passiert im großen Set-Piece, als die Fackel-tragenden Gäste "in traditioneller Weise & im altertümlichen Rhythmus" die Fische aus dem Meer locken, indem sie über den Strand stapfen & dabei lautstark skandieren: "We want fish! We want fish!" Auf Deutsch klingt es so: "Wir wollen Fisch! Wir wollen Fisch!" Und was soll ich sagen... sie bekommen Fisch, auch wenn es nicht der ist, den sie wollten. Die Spezialeffekte, meist in Form von übel zugerichteten Leichen, steuerte Giannetto De Rossi bei & für die passenden musikalischen Klänge sorgte Stelvio Cipriani.

Die Fische sind super! Was die alles können! Dass sie fliegen können, verrät ja schon der Titel. Dass sie dabei aber auch herzallerliebst zwitschern, überrascht dann doch. Außerdem können sie anscheinend Luft atmen, sie können sich heimtückisch von der Seite anschleichen & zubeißen, sie können wie der gemeine Zombie Hälse zerfleischen, sie können durch Scheiben springen & ein ganz aufgewecktes Exemplar spielt doch glatt die Alien-Geburt nach! Übrigens werden die Flügel, mit denen sie fröhlich rumschwirren, im Wasser unsichtbar. Also, entweder das oder sie können sie in den Körper einziehen. Unbedingt erwähnt werden müssen noch die beiden oben ohne sonnenbadenden Mädels, die einen sprachbehinderten Koch verarschen. Und Cameron wäre nicht Cameron, wenn er sie mit ihrer Untat davonkommen lassen würde. Piranha II mag vielleicht nicht so gut wie Avatar 2 sein, aber er hat (mir) definitiv mehr Spaß gemacht.

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