Rosie Perez spielt eine junge Frau, der bei einem Überfall das Gesicht zerschnitten wird. Dabei will sie einen vorbestraften Arbeitslosen, gespielt von Forest Whitaker erkannt haben, der von der übereifrigen Staatsanwältin trotz einiger Ungereimtheiten verklagt wird. Sein Anwalt, gespielt von Anthony LaPagila, macht ihm klar, dass er entweder nach Absprache mit der Staatsanwältin für 2-4 Jahre ins Gefängnis muss und dass er bei einem möglichen Verfahren für bis zu zwölf Jahre verurteilt werden könnte. Whitaker steht nun vor einer schwierigen Entscheidung.
In "Criminal Justice" hätte unheimlich viel Potential gesteckt, da er weit über das Niveau anderer Justiz-Thriller und Justiz-Dramen hinausgeht. Bei anderen Filmen des Genres gibt es am Ende meist ein klares Urteil und einen fest gelegten Gewinner, bzw. einen Verlierer, aber hier, bei "Criminal Justice" endet der Fall nicht mal bei einer Verhandlung und fällt für alle Parteien suboptimal aus und so gibt Andy Wolk, der als Autor und Regisseur fungierte, ein paar wichtige Denkanstöße und hebt sich deutlich von anderen Filmen des Genres ab.
Wolk konstruiert die Charaktere solide und lässt sich von Anfang an auf keinerlei Gut-Böse-Klischees ein und ordnet die Täter- und Opferrollen nicht eindeutig zu. Damit verhindert er, dass der Zuschauer mit einer der Seiten sympathisiert und kann seinen Kriminalfall so objektiv abspielen und das amerikanische Justiz-System des Öfteren aufs Korn nehmen und zeigt so deutlich auf, wie oft und wie schnell jemand verurteilt werden kann, ohne ein gerechtes Verfahren gehabt zu haben. Mit fast dokumentarischer Authentizität wird der rundum realistische Fall geschildert und damit ist "Criminal Justice" auf jeden Fall empfehlenswert, schade nur, dass der interessante und außergewöhnliche Stoff nicht so gut verpackt wurde, wie er es verdient gehabt hätte.
Wolk bleibt bei seiner Inszenierung komplett im konventionellen Rahmen und bietet damit nicht mehr als solide Unterhaltung. Die Filmmusik ist absolut unauffällig und sowohl die Dialoge, als auch die Wendungen im Mittelteil entsprechen voll den Stereotypen durchschnittlicher Justiz-Thriller und so bewegt sich "Criminal Justice" trotz einiger interessanter Einblicke in das amerikanische Rechtssystem leider sehr lang auf Richter-Alexander-Hold-Niveau. Das Umfeld der Charakter und die Figuren an sich entsprechen ebenfalls den üblichen Mustern und leider nimmt sich Wolk bei seinem mit 87 Minuten ziemlich kurz gewordenen Justiz-Thriller nicht die Zeit, um die Figuren weiter zu vertiefen und verschenkt das Potential der Grundidee. Das Ende ist absolut unvorhersehbar und erschütternd in Szene gesetzt und gibt so einige wichtige Denkanstöße, womit "Criminal Justice" doch recht deutlich über das Mittelmaß gehoben wird.
Forest Whitaker ist nach Nebenrollen in "Platoon" und "Good mornig Vietnam" erstmals in einer Hauptrolle mit Potential zu sehen und nutzt die Chance um mit einer sympathischen und rundum überzeugenden Vorstellung zu glänzen. Erstmals zeigt der spätere Oscar-Gewinner, was wirklich in ihm steckt. Anthony LaPagila überzeugt in seiner ersten größeren Rolle ebenfalls voll und ganz, genauso wie der übrige Cast.
Fazit:
Mit einem starken Cast und einer deutlichen Kritik am amerikanischen Rechtssystem gibt "Criminal Justice" ein paar wichtige Denkanstösse und ist mit einer realistischen Handlung durchaus interessant, auch wenn die Inszenierung nicht sonderlich fesselnd geworden ist.
64%