Weitere Ausgabe der von Fabrizio De Angelis gewohnten Geschichte vom Kampf des Underdogs gegen das Establishment, bzw. gegen die widrigen Umstände und (sozialen) Ungerechtigkeiten, die der Moral und dem Anstand widersprechen, von der restlichen Bevölkerung aber ignoriert oder geduldet werden. Hierbei sind die Veränderungen gegenüber vorherigen Geschehen wie beim Karate Warrior (1987) oder dem Karate Rock (1990) allerdings gleich in der Prämisse vorliegend, ist der Held der Geschichte nicht neu in der Umgebung, sondern schon seit längerem dort befindlich. Vergleichsmöglichkeiten zu den anderen Erzählungen, wie auch speziell der Thunder – Trilogie (1983/87/88) oder Sag nie wieder Indio (1984) ergeben sich dennoch ebenso wie auch Veränderungen genug sind:
Arizona. Der lokale Geschäftsmann McDonaldson [ Lou Castel ] hat es auf die Prostituierte Aurora [ Teresa Leopardi, mit hartnäckigen Sexappeal ] abgesehen, der aber der integre junge Emiliano [ Antonio Sabato Jr. ] unabhängig ihrer Profession zur Hilfe eilt. Emiliano zieht auch zukünftig den Ärger des in der Gegend herrschenden und auch den Sheriff Baker [ Franco Diogene ] klüngelnden Geschäftsmannes an, steht er doch an der Seite des Goldgräbers Ben Morris [ Donald Hodson ], der gerade doch tatsächlich auf Ertrag gestoßen ist und Emiliano gar als gleichberechtigten Partner eingesetzt hat. McDonaldson plant nun, den alten Goldgräber umzubringen und das Ganze dem Jungspund in die Schuhe zu schieben, wobei dieser allerdings bald wehrhaft wird und auch noch ein mysteriöser Fremder [ David Warbeck ] die Nase in die Angelegenheit steckt.
Die erste und einzige Überraschung kommt dabei gleich zu Beginn, entpuppt sich die Damsel in Disstress hier nur als Nonne in Verkleidung, die keine richtige zu Gott gefundene oder diesen suchende Frau, sondern eine Dame des horizontalen Gewerbes ist. Das Kostüm war dabei mit ein Grund, warum der Held der Geschichte erst eingegriffen hat – ein schaler Tritt in die Klöten und ein Kopfstoß ins Gesicht – , und den Ärger danach auch weiterhin anzieht. Die Maskerade und die Wahrheit dahinter sind auch im weiteren Verlauf der Handlung wichtig, wird die Erkenntnis des eigentlichen Berufes, nicht der Berufung für das weitere Verhalten der beiden Leute zueinander und die erst abgelehnte Annäherung und dann doch die wachsende Verbindung wichtig.
Beides auch Personen, die hier, im Weißen Westen und mitten in Amerika zu einer Form der ‚Minderheit‘ gehören, vor allem dadurch, dass die Obrigkeit und die Macht in den (korrupten oder sonst wie schmierigen) Händen eben der ‚reinrassigen‘ Herren liegen. Der Sheriff als weitergeschaltetes Instrument der Kontrolle, als Werkzeug des Geldes, der nicht nach dem Lehrbuch und auch nicht nach dem Gesetz lebt, sondern wie als Privatarmee im Auftrag agiert. Befehle werden erteilt und ausgeführt und sprechen die Fäuste und die Waffen nicht gesetzlich, sondern vom eigenen Gutdünken aus legitimiert.
Ein natürlich unhaltbarer (und filmisch dröger, mit darstellerisch miesen Leistungen erwirtschafteter) Zustand, der in diesem 'modernen' Western für entsprechende (arg späte) Antwort und den erwarteten Zwist samt seiner Auflösung in Gewalt sorgt; irgendwann jedenfalls, kurz vor Ende quasi, mit etwas Zielübungen auf einen Kleiderschrank und eine Hausfassade vorher passiert erstmal: nichts. Wie in den früheren Werken De Angelis ist dabei auffällig, dass trotz jeweils unterschiedlicher Drehbuchautoren jeweils mehr das Setup aufgebaut als tatsächlich zur Tat geschritten wird. Vieles ist Zustandsbeschreibung, was übrigens so schlecht wie oft gemacht gar nicht gehalten, bloß recht redundant und rezidiv ist. Hilfreich ist hier vor allem die Natur selber, die imposante Landschaft Arizonas, in dem die urwüchsigen Berge im Hintergrund den perfekten Kontrast zur Wüste davor und das Panorama für Salon und Kakteen im Vordergrund geben. Derart gesetzt hat der Film kein Problem, den Staub und die Hitze, die in den Nacken brennt zu visualisieren und die Bilder von Tradition, Freiheit und Zivilisationsferne als Unterstützung für die Handlung zu nehmen.
Auch der Plot mit der Goldmine stammt aus einer anderen, einer fernen Zeit zwischen den Fuzzy-Western von Gestern und Ein Duke kommt selten allein, im Grunde auch ähnlich harmlos behandelt, dazu kommen Holz- und Wellblechbauten, in denen es im Gebälk knarzt und ächzt, verrauchte Hinterzimmer, in denen sich in illegalen Boxkämpfen vor der Amerikafahne und johlender Meute geprügelt und anderweitig das bisschen Geld verdient oder ergaunert wird. Die Männer tragen meist Karo, auch die Tischdecken sind abgegriffen und kariert, der Alkohol fließt angesichts der Einöde und Trockenheit der Umgebung (und des Geschehens) wie von selbst, während zumindest der originale Soundtrack zu Beginn etwas Schwung in die Szenerie verspritzt und ein absichtlich installiertes Feuer in der Gefängniszelle, wo man den Latino schmoren lassen und grillen will doch tatsächlich echtes Feuer und damit in heutigen CGI-Tagen schon ein Novum an sich und Unding sowieso ist.