Wir erinnern uns: Im Jahre achtundneunzig landete die französische Filmindustrie zu Recht einen Superhit mit dem actionreichen Streifen Taxi. Der geschwindigkeitssüchtige Taxifahrer Daniel ging dabei mehr wider Willen einem Polizisten zur Hand, der hinter der Mercedes-Bande, einer Truppe deutscher Serienbankräuber, her war. Schnell fand der Film seinen Weg auch in die Kinos aller übrigen Länder und räumte an den Kassen ordentlich ab. - Aller Länder? Nein, ein Land auf der anderen Seite des Ozeans leistete dem Film erbittert Wiederstand. Beziehungsweise ignorierte das Werk völlig. Es war Amerika. Denn das dortige Publikum ist an Originaltonspuren gewöhnt (kommen doch die meisten Filme unleugbar aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten), mit passgenauen Lippenbewegungen, kompletter Hintergrundgeräuschkulisse usw. usf. mit Synchronfassungen fühlen sie sich befremdet und man kann sie mit solchen somit kaum hinter dem Ofen hervorlocken. Gängiges Vorgehen der Amis in solchen Fällen lautet also logischerweise wie folgt: Man drehe den Film einfach in Eigenregie noch einmal dem "American way" genehm nach und mache seinen eigenen Reibach mit der Sache. So erging es einst the ring und so sollte es schließlich auch Taxi blühen...
New York Taxi ist somit, wie der Titel schon unschwer erahnen läßt, eine bloße und kaum verhehlte Kopie des französischen Vorbilds. Und doch: Einige Unterschiede sind jedoch von Beginn an zu bemerken. Begeben wir uns schnell in die Eingansszene des Plagiats. Ein sportlicher Radler in voller Profimontur, die Umhängetasche weist ihn als Fahrer eines Kurierdienstes aus, wetzt mit Vollgas durch die New Yorker Innenstadt. Unter Anwendung zahlreicher Stunts meistert er die auftauchenden Hindernisse der Großstadt mit spielerischer Leichtigkeit, federt an der Seitenwand eines LKWs ab setzt gekonnt auf und rast weiter, bis er in der Toreinfahrt des Lieferdienstes verschwindet. In der Garage angekommen, wird der Fahrer ob seines neuen Rekordes frenetisch von den Kollegen bejubelt. Nun, das Ganze kommt cool rüber und mir als Kenner des Originals ist sofort bewußt "Hier haben wir offenbar das amerikanische Pendant des Kult-Taxlers Daniel vor uns." Villeicht haben die Amis diesmal ja doch ganz gute Arbeit mit ihrer Kopie abgeliefert . - Doch schon die nächste Szene läßt Unglaubliches Folgen. Mit einem Male scheint der Radler in seinem Anzug aufgegangen zu sein wie eine Dampfnudel. Fettige Rundungen spannen das Leder der Kombi. Und als der Fahrer dann schließlich den Helm abnimmt, sackt mir schlicht vor Fassungslosigkeit die Kinnlade herunter: Queen Latifah, ihres Zeichens amerikanische Molli-Wuchtbrumme und schwarze Sängerin, grinst uns da schweinsäugig entgegen und läßt sich für "ihre" Leistung von den Mitarbeitern feiern. - "Nein, das kann's nicht sein. Da kommt noch was. Die spielt bloß die Nebenrolle..." versuche ich mir wie mit einem Mantra immer wieder zu suggerieren. Doch ich werde eines Besseren belehrt. Als wenige Szenen später ein dümmlichst dreinblickender Cop zu der feisten Lady in's Taxi steigt und sie mit bedeutungsvoller Gestik das Lenkrad gegen eine Rennvariante ersetzt, wird die fürchterliche Vorahnung zur Gewißheit: Die Amerikaner haben Daniel gegen Queen Latifah ausgetauscht.
Und damit wäre der Film für mich eigentlich schon gegessen. Denn weder Latifah, noch ihr erbärmlicher Cop-Sideshow ( ein talentbefreit spielender Jimmy Fallon) passen auf ihre Rollen und sind nicht einmal als halbwegs tauglicher Abklatsch ihrer Vorbilder zu werten. Dass die Beiden auch schauspielerisch nun nicht unbedingt Meister vor dem Herrn sind, verschlimmert dieses Worst case-Szenario nur noch unwesentlich. Nur ob meiner Eigenschaft als pflichtbewußter Reviewer bleibe ich, mit schon jetzt mißbilligender Miene, vor diesem Übel sitzen und weiß: Es wird ein trashiger Abend. Und viel schlimmer kann es ja auch kaum noch kommen? Oder doch? Minuten später weiß ich: Es kann! Denn auch die bösen Deutschen wurden gegen Weibsvolk ausgetauscht. Mercedes fahren tun zwar auch die noch, sprechen aber jetzt Spanisch und wirken als furchteinflößende Villains ungefähr so überzeugend wie Biene Maja als Star eines Splatterfilms. Na, gut. Immerhin gibt's damit was zu gucken (die Anführerin des Gangstertrupps spielt immerhin Gisele Bündchen), dass rettet aber auch nicht mehr wirklich was. - Wer das original gesehen hat, der kann nun eigentlich schon abschalten, denn abgesehen von der casttechnischen Feminisierung und der Verlegung der Location verläuft der Plot fast identisch zu dem des Vorbildes. Er macht nur schlicht keinen Spaß mehr. Die träge Latifah als Motoren- und Geschwindigkeitsfreak? So cool wie ein Bausparvertrag und so ausstrahlungskräftig wie Val Kilmer auf Valium. Die Model-Mädels als Bankräuber? Ich hab schon mehr gelacht.
F A Z I T :
Wer hat sich denn das ausgedacht? War man seitens der Macher denn wirklich so verzweifelt bemüht, irgendeinen bekannten Namen in der Hauptrolle aufführen zu können, dass man diesen greulichen Fehlbesetzungs-Fauxpas billigend in Kauf nahm? Queen Latifah als Ersatz für Geschwindigkeitsjunkie Daniel? Offenkundig ja, so unfaßlich es klingen mag. Das Ergebnis läßt sich erahnen. Seiner sämtlichen charismatischen Figuren (und mit ihnen jeglichen Witzes) beraubt plätschert dieses fußlahme Plagiat eines französischen Erfolgsfilms unmotiviert vor sich hin, vermag nicht den Zuschauer nicht im Mindesten mitzureißen. Da hilft auch die durchdachte (und komplett bei den Franzmännern gelinkte) Storyline nicht mehr. Wer das Original nicht kennt, der mag in New York Taxi noch ein relativ kurzweiliges Actionkomödchen der unteren Mittelklasse vorfinden. - Nur: Warum sollte man sich das antun, wo es doch ein um Welten besseres Original gibt? Dieser U.S.-Neuaufguß bleibt somit im finalen Schluß überflüssig wie ein Kropf.