„American Samurai“ ist ein derbes Actionspektakel aus der Cannon-Schmiede, auch wenn die Story noch weniger Beachtung erhält als in anderen Werken aus diesem Hause.
Andrew 'Drew' Collins (David Bradley) stürzte als Baby mit seinen Eltern in einem Kleinflugzeug ab, überlebte als einziger und wurde von dem alten Meister Tatsuya (John Fujioka) wie ein eigener Sohn großgezogen. Das schmeckt dessen leiblichem Sohn Kenjiro (Mark Dacascos) gar nicht, er wird Yakuza und als Drew auch noch das Familienschwert erbt, wendet er sich vollkommen von seinem Vater ab. Damit hätte man dann den üblichen Bruderzwist; eine Story, die seit Kain und Abel immer wieder gern genommen wird.
5 Jahre später ist Drew Journalist. Irgendwie scheint Sam Firstenberg nach dieser Einführung der Gedanke gekommen zu sein, dass schon zu lange niemand was auf die Fresse bekommen hat und so klauen einige fiese Schergen das geerbte Schwert. Drew wehrt sich tapfer, aber wird verletzt. Sieht alles aber ziemlich schick aus und Bradley bricht hier auch Seagal-mäßig einige Knochen, sodass sich der Actionfan freut.
Dann wird in der Türkei ein befreundeter Journalist ermordet und Drew fliegt dorthin, um den Fall zu untersuchen und gegebenenfalls eine Story draus zu stricken, weshalb man ihm die Fotografin Samantha (Melissa Hellman) mitschickt. Doch vor Ort stellt sich dies als Falle Kenjiros heraus, der seinen Bruder zur Teilnahme an tödlichen Gladiatorenkämpfen zwingen will…
Mit der Story hält sich B-Action-Spezi nicht lange auf, denn in der zweiten Hälfte wandelt sich der Film in ein reinen Arenafilm der Marke „Bloodsport“ inklusive Waffeneinsatz – ein Zug, auf den auch Filme wie „Gladiator Cop“ und „Ring of Steel“ aufsprangen, doch „American Samurai“ ist neben „Fire Force“ der beste Vertreter dieses Subgenres. Vor allem die Location der unterirdischen Arena ist wirklich nett gestaltet worden und die Regie von Sam Firstenberg ist mal wieder top.
Da stört es auch nur etwas, dass man sich mit der Geschichte wenig Mühe gegeben hat. Die Hinweise, welche Drew sammelt, sind eh kaum von Bedeutung, auch wenn es recht wzitzig ist, dass er bei der Polizei mit Verweis auf „Midnight Express“ vor türkischen Gefängnissen gewarnt wird. Natürlich finden sich Drew und Samantha alsbald knutschend im nächsten Hauseingang wieder, obwohl sie sich Minuten vorher noch angegiftet haben – und zerwühlen alsbald die Laken. Auch der Bruderzwist wird nach der Eingangsszene nicht weiter ausgearbeitet: Kenjiro ist angepisst und will Blut sehen, dass ist es ganz einfach. „Bloodsport“-mäßig freundet sich Drew auch mit einem bärigen Ami an, der das Pech hat Kenjiro zu unterliegen (gesteigerter Zorn Drews ist danach natürlich obligatorisch).
Dafür entschädigt der Film mit einer ordentlichen Menge harter Action, die ausschließlich aus Nahkämpfen besteht: In der ersten halben Stunde muss Drew zwei nette Schlägereien überstehen, danach folgen nur noch Duelle in der Arena. Aber die Fights sind sehr schick choreographiert und bieten in der unrated Fassung auch einen gehoben Härtegrad. Durch die verschiedenen Waffen und Kampfstile kommt auch Abwechslung rein, auch wenn man die Riege der Kämpfer noch mehr hätte beleuchten können (außer den Hauptcharakteren kämpft nur scheinbar aus Barbarenfilmen entlaufene Prügelmasse). Lediglich das finale Duell hätte man packender machen sollen, da es nicht ganz so spektakulär und auch ein wenig kurz ist.
David Bradley gehört zu den eher hölzernen und uncharismatischen B-Darstellern, aber hier bringt er doch eine seiner besten Leistungen. Mark Dacascos ist etwas schwächer, übertreibt es aber ein wenig mit dem psychopathisch Dreingucken und seine Fights sind leider immer recht kurz (mit einen Hieb niederstrecken wirkt zwar cool, aber beraubt der Zuschauer einer Demonstration von Marcs Fähigkeiten). Die Nebendarsteller sind für Cannon-Verhältnisse OK.
Die Story ist bloß Alibi, aber dafür entschädigt „American Samurai“ mit gut gemachten Kampfszenen. Macht eine Wertung von 6,5 meinerseits.