Wer auf bisher unbekannte Weise langweilig ist, gilt als amüsant. - Sir Peter Ustinov
Mag in Zeiten magerer Einspielergebnisse auch die Arbeitsdevise von Autor, Produzent und Regisseur Joe Ma zu sein, der sich in kurzer Phase zu einer - leider ? - verlässlichen Grösse im HK Filmbusiness entwickelt hat und gerade heutzutage fast nicht mehr aus der Landschaft wegzudenken ist. Sein Erfolgsrezept hinsichtlich krisenfester Komödien ist beileibe nicht aussergewöhnlich und stellt mit seinem Wiederholungszwang quasi nichts anderes dar als was auch die Kollegen um Wong Jing, Gordon Chan, Clifton Ko, Vincent Kok und Wai Ka Fai vollführen und beherrschen. Dennoch vermochte er sich über die Jahre hinweg mit an die Spitze des Narrenhügels emporzuklimmen und wird diese Festung bei gleichbleibendem Output sicherlich so schnell auch nicht mehr aufgeben. Der Kreislauf des Erfolges dreht sich trotz eher herber Kritikerschelte ohne weitere Probleme; hat man sich einen Ruf vor allem bezüglich der bankability erarbeitet, kann man auch zukünftig mit Stars und Produktionsvolumen rechnen und auch das nächste Mal genug regenerative Anziehungskräfte fürs Publikum bereitstellen. Solange, bis auch der Letzte merkt, dass seine Filme trotz der formellen Zugehörigkeit zum Altar der Schenkelklopfer beileibe nicht lustig sind.
Als Polizist Ho Yoiji [ Ronald Cheng ] nach einer turbulenten Razzia mit dem Cyborg Robot Mei Ling [ Charlene Choi ] konfrontiert wird, traut er seinen Sinnen nicht. Diese eröffnet ihm, dass sie aus der Zukunft kommt, von seinem Bruder entwickelt wurde und er nur noch bis zum 15.08. zu leben hat. Ho Yoiji hat keinen Bruder und glaubt ihr auch sonst kein Wort und lässt sie in einem unbeobachteten Moment im Wassertank verschwinden. Als sich sein Vorgesetzter Willmark Cheng [ Raymond Wong ] als Krimineller entpuppt, den ahnungslosen Ho Yoiji als Polizistenmörder verleumdet und dieser mit Hilfe der Fälscherin Chan Mei Ling [ auch Charlene Choi ] das Land verlassen will, dämmert ihm so Einiges.
Die Handlung ist freilich noch um Manches runder als es die Inhaltsangabe andeuten vermag; gerade die Aufblähung über das klassisches Vokabular hinaus sorgt nach durchtriebenem Start aber auch dafür, dass sich die gefühlte Zeit zum Ende hin bis weit in die kommende Saison ausdehnt. Fast zwei Stunden veranschlagt Ma und sein Co - Autor Sunny Chan - der als absoluter Neuling in die Bresche sprang und ansonsten sein Gesicht zumeist in Fernsehserien verleiht -; viel zu viel für die zuerst anziehend-ausgefallene, aber bald zügellos-belehrende Geschichte, die das Verhältnis zwischen Interesse und Geduld zunehmend eintrübt. Dass man sich bei [weniger] RoboCop und [mehr] Terminator bedient und eine Art schrillen Travestie-Spinoff davon abliefert, merkt man nach einigen verbalen Hinweisen, der Einbeziehung bindend notwendiger Parodien und dem Entlanghangeln an entlarvenden Übereinstimmungen bald nicht mehr.
Zwar lebt man mehr von Selbstzitaten im Paillettenfummel als der eigenen Imagination und bringt auch hier diesselben Probleme bezüglich der Zeitreise-Paradoxien ein, legt aber trotz vorhandener Möglichkeiten keinerlei Wert auf die Kunst des Spannungsaufbaus. Nach einer Hintereinander- oder sogar Parallelschaltung von möglichen Konflikten werden die losen Enden gekappt und nur sporadisch durch dramaturgisch gelungene Gegensätze wieder aufgegriffen. Sowohl die Verfolgung durch den Androiden als auch den Inspector mitsamt einer aufgestachelten Polizeieinheit wird stark vernachlässigt. Weitausgreifende Konzeption erfasst Ho Yoijis 'Flucht' bzw. sein Verstecken und die aufkommende Problematik des überfüllten Liebeslebens: Chan Mei Ling hat schnell ein Auge auf ihn geworfen. Officer Zhang Kitt [ Qin Hailu ] hilft ihm mehrmals wegen egoistischem Herzklopfen aus der Bredouille. Er ist bereits mit der Japanerin Mayumi [ Asuka Higushi ] verbandelt.
Also ein rapider Wurf mittenmang ins Geschehen, dass zwar dynamisch-schwungvoll eröffnet, aber aufgrund langsamen Tempos und des Ausbleibens fortgesetzter Drehungen alsbald anstrengend wird. Die Struktur besitzt kaum Taktik, sondern nur etwas Glück, Augenblicksgedächtnis und viel Interaktion, die aber unentschlossen zwischen den grundverschiedenen Stilen eines Cop Actioners, einer Science fiction Episode und einer Haudrauf-Sitcom laviert. Eine Zirkusnummer überkandidelter Kreationen, die mangels einer zielorientierten Verkettung zuwenig von dem zeigt, was man als gekonnte Verzierung aufgebaut hat und sich darüberhinaus zu stark auf Ronald Cheng als anregende Basisfigur verlässt. Cheng - der nach dem zurückgefahrenen Ausstoss von Stephen Chow zugunsten der Qualität dessen inoffizieller Nachfolger wurde - besitzt noch nicht die Gabe, sich als Alleinunterhalter über die Runden schlagen zu können und weist auch sonst im direkten Vergleich Schwächen bzw. Defizite auf, die ihn anders als sein Vorgänger abhängig von dem geschriebenen Text und dem Einfühlungsvermögen des Regisseurs machen.
So wirkt er nicht automatisch erfrischend drollig oder umwerfend sympathisch, sondern muss immer erst in Szene gesetzt werden. Er versprüht keine unbekümmerte, jugendliche Heiterkeit, sondern stellt eher den masochistisch-verkrampften Hofnarr dar, der sich durch eigenes, unabsichtliches Mißverhalten von der umgebenden Normalität ausgrenzt. Wo Chow auf den ersten Blick aus der Masse herausfällt, auch aufgrund der charismatisch-selbstsicheren Präsenz, würde der blassere Cheng unerkannt durchschlüpfen können. Weswegen er auch oft Verkleidungen oder zumindest markante technische Merkmale benötigt und sich hier mal als Drag Queen, Schuljunge oder "Village People" Bauarbeiter maskiert. Auch die Stimme oder die einfache physische Bewegung brauchen die jeweilig exakte Regulierung. Bar explosiver stand-up comedy und der harten Schule von Liveauftritten bedarf es bei ihm genauer Proportionspläne und sorgfältiger Vorbereitung, durch dessen relative Dienst nach Vorschrift - Starre man vorkommende Peinlichkeiten oder gar humoristische Blindgänger nicht einfach überspielen vermag. Das genaue Timing ist entscheidend. Sonst ist die ganze Mühe umsonst und die Reise ins Zwerchfell wird nicht angetreten.
Das wenige Vorhandensein an entsprechend tauglichen Pointen wird mit zunehmend abgedroschenen Ergebnissen abgenudelt bis zum Abwinken. Helfen tut da nur, dass das heillose Durcheinander eine eigentlich todsichere Geschichte und vor allem auch die ansprechende Optik vorzuweisen hat. Wie so oft in letzter Zeit scheint in der ehemaligen Kronkolonie gerade für den Hort der Witze das Geld richtig locker zu sitzen: Besonders die großsprecherischen establing shots glänzen in einer überaus aufwendig gehaltenen, stark auf Inszenierung angewiesenen Darbietung, die dem viel zu langen Geschehen zumindest eine metaphorische Bilderfülle samt der Aura einer Großtransaktion verleihen. [ Co-Regie führt Soi Cheang Pou-Soi, der im selben Jahr mit Love Battlefield so richtig durchstarten sollte und spätestens seit Dog Bite Dog als die neue Hoffnung gilt. Shamo folgt unlängst. ]
Hervorzuheben sind eine intensive Kameraästhetik, die besonders im und um das Polizeirevier eine handfeste Thrill-Atmosphäre plus mehrere facettenreiche Kompositionen erschaffen vermag und auch eigenständige Taktverläufe einbringen kann. Die erste Flucht von Ho Yoiji aus dem Metall- & Glasgebäude könnte auch aus einem gestylten Benny Chan - Werk stammen und trumpft wie dessen grünstichigen Divergence oder Heroic Duo ebenfalls durch polymetrische Bewegungsimpulse auf: Rhythmus gegen Rhythmus gesetzt und mit handlungsrelevanter Temposteigerung vollzogen. Laut krachen tut es nie, was schade und noch zusätzlich abträglich ist. Mehrmals hat man das Gefühl, um etwas kurz Bevorstehendes betrogen zu werden und statt einer richtigen Aktionseinlage mit visuellem Taumel und härterem Temperament nur mit der sparsamen Notlösung herkömmlicher Clownerie abgespeist zu werden. Selbst der Trashansatz ist bald vorbei und macht Kitschromantik, jammernden Streichern und Besserer Mensch - Unterricht Platz.