Wiederaufnahme des Heimatfim-Genres durch Harald Reinl Anfang der Siebziger; ein Regisseur, der damals und vor allem auch heute eher durch seine Adaptionen von Karl May, Edgar Wallace und Norbert Jacques und so auf vielmehr physische Arbeiten wie Abenteuer und Crime bekannt, aber auch eingeschränkt ist. Reinl, ein Routinier des Gewerbes, der schon Ende der Dreißiger und da auch mit seinem ersten Gehversuch Osterskitour in Tirol (1939) als eigentlich inoffizieller Nachfolger von Bergspezialist Arnold Fanck tätig und in den folgenden 20 Jahren auch fest mit der Natur, der Menschen in der Provinz und ihrem Leben und Leiden auf dem Lande verbunden ist, zeigt hier auch keine Müh und Scheu, sich dieser Erfahrung ausreichend zu bedienen. Almenrausch und Edelweiß (1957), Titel eines der vormals letzten Ausflüge in das heutzutage vielbelächelte bis ignorierte Groschenheft-Sujet, zeigt er quasi nicht erneuert, sondern bloß erneut und mit alt gewordenen Augen, was man je nach Sichtweise wie so Vieles auch im Film selber mit positiven Argumenten sehen oder eifrig bestreiten kann:
Eigentlich mehr oder minder mit der Millionärstochter Monique Kersten [ Dagmar Hanauer ] verbandelt, hat dessen Vater, Konsul Kersten [ Carl Lange ] auch noch andere Pläne mit seinem Schwiegersohn in spe, dem jungen und mittellosen Architekten Stefan Hellwig [ Hans-Jürgen Bäumler ] vor. Inkognito soll dieser nach Tirol reisen und dort bei Kitzbühel erstmal geheim die Erweiterung eines Hartsteinwerks planen; ein Auftrag, der nur zu gerne ausgeführt wird und zu dessen Erfüllung man gleich aufbricht. Zusammen mit seinem Vermieter Christian Meier [ Georg Thomalla ], dessen Frau Marie [ Erni Singerl ] und ihrer kleinen Tochter Babsi [ Darja Müssiggang ], die wegen ihrer Urlaubsreise quer durch die Welt hin zum Kilimandscharo in Innsbruck Zwischenstopp machen wollen, fährt Stefan los. Aus dem kurzen Aufenthalt wird durch unerwartete Krankheit des Kindes eine längere Rast, die nicht bloß das Denken der Städter, sondern bei Stefan nach seinem Treff mit der ortsansässigen Tierärztin Karin Rothe [ Uschi Glas ] die Gefühle verändert.
Der Gegensatz von Stadt und Land, von Tradition und Fortschritt, von Alter und Jugend und Mann und Frau; alles drin in der heiteren Film-Muse, die hier als Trivialfilm ebenso daherkommt wie als Volksfilm. Dramaturgisch ist das schon ein recht dünnes Gestrick, dass ein Gutteil seiner Probleme, die noch Warten und definitiv noch Kommen werden, bereits in den ersten Minuten der Einleitung und spätestens bei der Ankunft in Tirol schon erzählt. Alles Andere ab danach ist schlichtweg nur das Hinauszögern der finalen Diskussion(en), wenn es denn eine oder mehrere geben soll oder wie so vieles im Film einfach die Augen geschlossen oder sie endlich geöffnet werden. Denn theoretisch sagt der Unterschied der Bildern, falls man sie sieht und nicht mit Scheuklappen oder ganz blind oder naiv oder mit Geldscheinen auf den Lidern durch die Welt geht, schon in den credits eigentlich Alles und dies auch definitiv aus. Denn eingefangen wird dort und dies auch wirklich gruselig die Jetztzeit im Deutschland der Industrie, ein anonymer Hort voll Abgasschloten, grauen Stahlmonstren, ebenso grauen Brodem, der die Gegend, welches das ehemalige Ruhrgebiet präsentieren sollte, und auch die Moral der Menschen in ihr vernebelt. Vollgestopfte Parkplätze, selbst im Inneren der Fabrikgebäude herrscht hektischer Umgangston, viel Arbeit und Stress und ein Kontakt zum Mitmenschen nur beruflicher Ein-Satz-Mentalität.
Natürlich freut man sich da auf Ferien und Urlaub, der hier halt letztlich nur Anders aussieht als eigentlich geplant und gebucht und deswegen auch letztlich anders ausfällt. Reisen tut man nicht in einen anderen Kontinent, sondern in eine andere Zeit mit anderer Gesinnung, Interpretation und Ideologie. Weg von dem Fortschritt, der hier verbal zwar noch als notwendig 'gepriesen' wird, aber inszenatorisch eindeutig dämonisiert, hin zu einer Aura und Ära in eigentlich schon fast Vorkriegs-Lesart. Schwer einzuschätzen, ob das Dorf hier bzw. seine weit auseinander in aller Ruhe und Frieden und Abgeschiedenheit hier platzierten Holzhäuser und Blockhütten nun die Fünfziger, die zweite Hochzeit des Genres oder doch die Dreißiger, der erste absolute Höhepunkte und beides Erfahrungswerte von Reinl präsentiert.
Denn altbacken, schon sehr und weit gestrig wirkt Vieles hier in dieser Erzählung und seiner eigens dafür aufgerichteten Welt. Rückblickend wird man zwar erst Mal weiter von der Kulisse von Alm und Alp und Bergen stolz aufragend im Horizont, schneebedeckten Hügeln, Wiesen und Feldern soweit das Auge reicht beglückt, scheint dies aber bald wie gemalt und so als (Natur)Kulisse, wie die abgepauste Postkartenidylle und ab und an wie die Parodie verzerrt. Da springen Gämse, Geißen, Küken durch die Bildern, wird sich auch tierärztlich mit aller Liebe und Fürsorglichkeit darum gekümmert, läuft irgendwann selbst die kleine Ausgabe des Geißenpeters und dann ernsthaft das unbefangene Gewissen durch das Bild. Was in anderen Werken aus der Spätphase 1968 - 1974 und auch in den noch folgenden Klassikerremakes wie z.b. Der Jäger von Fall (1974), Schloss Hubertus (1973) oder (nur dem Namen nach) Grün ist die Heide (1972) vielleicht auch, aber wesentlich abgeschwächter und integriert und nicht als theaterhaft und unfreiwillig amüsant auffällt, ist die Liebhaberei von Flora, Fauna und allgemein auch dem Lokalpatriotismus samt Mundartliebhaberei. Aus der Präzision gefällt zusätzlich die musikalische Untermalung vom Garanten Martin Böttcher, die das Geschehen droben auf der Alm zu einem heimlichen Epos voll Kitsch, Elegie, Schönheit und Einsamkeit mit zwei überraschend starken Frauenfiguren macht.
Deren Verkörperung durch Uschi Glas ist ja sowieso anwesend, mit einer der Stützen des sicherlich gutmeinenden, tatsächlich nostalgisch und beschaulich wirkenden Filmes; auch Zweitkarrierist Hans-Jürgen Bäumler macht die passend gute Figur, vor allem im Gegensatz zu Thomalla, der nun wirklich von Sekunde Eins an nervt und es grundsätzlich überreißt.