Lady Snowblood 2 – Love Song of Vengeance (Rapid Eye Movies)
Mit Love Song of Vengeance kommt nun der zweite Teil der genialen Lady Snowblood – Reihe auf den deutschen Markt. Die für unterhaltsame asiatische Filmkunst bekannten Rapid Eye Movies liefern hier wieder einmal ein Produkt von höchster Qualität ab. Nur ein Jahr nach dem Erfolg von Lady Snowblood kam 1974 die Fortsetzung in die Kinos. Wieder führt Toshiya Fujita sehr stilsicher Regie, widmet sich diesmal jedoch nicht nur dem Schicksal seine rächenden Lady, erneut verkörpert durch die damals sehr populäre Popsängerin Meiko Kaji, sondern versucht eine eigenständige Story mit seinem Drehbuchautoren Kazuo Koike zu kreieren, welches politische Verstrickungen und einen kritischen Blick auf die japanische Gesellschaft wirft. Dadurch tritt zwar die Geschichte der Lady Snowblood ein wenig in den Hintergrund, was meiner Meinung nach jedoch der Spannung keinen Abbruch tut, sondern die Geschichte, und vor allem dem Charakter Snowbloods eine neue Facette und mehr Tiefe gibt. Der Film knüpft nahtlos an den ersten Teil an. Snowblood wird wegen ihrer Verbrechen, etwa 37 Morden, von der Polizei gejagt. Jedoch schafft sie es immer, den Übergriffen durch ihre Kampfkunst zu entkommen (sehr zum Nachteil der jeweils örtlichen Polizisten, da deren Bestände ziemlich rigoros dezimiert werden.), wird jedoch eines Tages von einer sehr großen Gruppe gestellt, und gibt entkräftet auf. Sie soll zum Tode verurteilt werden, wird jedoch auf dem Weg zur Hinrichtung von einer Gruppe Männern mit albernen Masken entführt. Diese Gruppe gehört der japanischen Geheimpolizei an, die Snowblood für einen geheimen Undercovereinsatz haben wollen. Sie soll sich als Angestellte eines berüchtigten Revolutionärs und Anarchistenführers Zugang zu seinen Akten verschaffen, um diesen dann zu denunzieren. Beim Kontakt mit ihrer Zielperson sind ihre moralischen Werte jedoch nicht mehr klar zu definieren, wird der zukünftige Weg für alle Beteiligten immer undurchschaubarer. Was diesen Film auszeichnet, ist der Versuch, einen völlig neuen Aspekt des Themas zu beleuchten. Hier wird nicht nur die Rachegeschichte, sondern auch die moralisch verwirrende Stellung Snowbloods gezeigt. Hier wagt der Regisseur einen sehr kritischen Blick auf die Kultur und Politik der japanischen Gesellschaft. Immer deutlicher wird auch bei der Inszenierung, dass sich die Mischung aus realistischer, sehr ästhetischer Kampfkunst, und gleichzeitig viele Anleihen bei dem klassischen Western zeigen. Der Western eines Sergio Corbucci (Django) ähnelt vom Stil und Tempo sehr der Art einer Lady Snowblood. Interessant ist die Idee, einen Rächerfilm mit einer Frau in der Hauptrolle zu besetzen, da dies der damaligen Filmlandschaft einen völlig neuen Impuls gegeben hat. Die unglaublichen Schauwerte, die diese altmodischen, ohne irgendwelche Effekte aufpolierten Schwertkämpfe auch auf ein heutiges Publikum noch haben, zeigt deutlich, dass hier eine Reihe geschaffen wurde, und ähnlich ist es auch bei der Hanzo oder Okami – Serie, die es schafft, völlig zeitlos zu sein! Rapid Eye Movies liefern wir gewohnt eine sehr gute Bild und Tonqualität, als Bonusmaterial liegen eine Trailershow, ein Poster und eine Bildergalerie vor. Da das Thema auch in der heutigen Zeit noch einer bedauerlichen Aktualität besitzt, die Aufmachung nahezu perfekt und der Film neben einer fesselnden Spannung, einer brillanten Geschichte auch noch sehr atmosphärisch ist, kann er jedem Interessierten empfohlen werden.
CFS