Review

ACHTUNG! SPOILER!

Die Inspirationsquellen für Produzenten von Trash-Filmen sind wahrlich mannigfaltig, wie das Beispiel BRAIN OF BLOOD deutlich macht. Sam Sherman, der 1969 zusammen mit dem Regisseur Al Adamson die Produktionsgesellschaft Independent International Pictures (IIP) gegründet hatte, wurde nach eigener Aussage durch den Tod des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser im Jahre 1970 dazu inspiriert, folgende absonderliche Geschichte zu ersinnen:
Amir (Reed Hadley), der Präsident des fiktiven Staates Kalid, ist gestorben. Seine beiden treuen Untergebenen Mohammed (Zandor Vorkov) und Dr. Nigserian (Grant Williams) transportieren, wie zuvor abgesprochen, die Leiche in das geheime Labor eines gewissen Dr. Lloyd Trenton (Kent Taylor). Trenton hat eine revolutionäre Methode zur Gehirntransplantation entwickelt und will Amirs Gehirn in einen gesunden Körper verpflanzen. Dabei verfolgt er jedoch sehr eigennützige Ziele, denn er will selbst die Macht in Kalid an sich reißen, indem er Amir zu seinem willenlosen Sklaven macht. Unterstützt wir er bei diesen Plänen von seinen beiden Handlangern, dem riesigen, leicht einfältigen, und im Gesicht schwer entstellten Gor (John Bloom) und dem Zwerg Dorro (Angelo Rossitto). Als lebende Blutbank für seine medizinischen Experimente dienen ihm einige junge Mädels, die der gewissenlose Arzt in seinem Keller angekettet hat und die bei jeder sich bietenden Gelegenheit von Dorro gepeinigt werden. Trenton beauftragt Gor, einen brauchbaren Körper für die Operation zu besorgen, doch leider verbockt Gor diese Aufgabe, und da Trenton die Zeit davonläuft, muss schließlich Gor selbst als Wirtskörper für Amirs Gehirn herhalten. Als Gor mit dem Gehirn von Amir nach überstandener Operation aus der Narkose erwacht, ist Amir bestürzt über den Körper, der nun sein eigener ist. Rasend vor Wut geht er Trenton an den Hals, doch Dorro hindert ihn daran den Arzt zu töten. Inzwischen ist auch Trentons verbündete Tracy (Regina Carrol), die Sekretärin von Amir, am Ort der Geschehnisse eingetroffen und sie überredet Gor/Amir mit ihr aus dem Labor zu flüchten. Als der ebenfalls anwesende Dr. Nigserian versucht, die beiden aufzuhalten, wird er von Gor/Amir niedergeschlagen. Unterdessen hat sich Katherine (Vicki Volante), eines der Mädchen die im Keller angekettet sind, befreien können und sie tötet Dorro in Notwehr. Zusammen mit Katherine verfolgt Dr. Nigserian die geflüchteten. Unterdessen hat Trenton diese bereits aufgespürt und gestellt. Kurz darauf kommt auch Dr. Nigserian hinzu, nachdem er Katherine in Sicherheit gebracht hat. Dr. Nigserian will die ganze Sache nun beenden und er feuert einen Schuss auf Gor/Amir ab, doch er trifft diesen nicht richtig. Trenton, der mit Hilfe einer speziellen Apparatur Amirs Gehirn beeinflussen kann, hetzt Gor/Amir auf Tracy und Nigserian. Tracy stürzt in Panik von einem Felsen in den Tod und Dr. Nigserian wird von Gor/Amir erwürgt. Trenton bringt den Leichnam von Dr. Nigserian in sein Labor, transplantiert das Gehirn von Amir in dessen Körper und mit Hilfe von etwas plastischer Chirurgie wird aus Dr. Nigserian das Ebenbild von Amir. Am Ende sieht man, wie der neue Amir in seinem Heimatland eine Fernsehansprache hält, kontrolliert von dem im Hintergrund sitzenden Dr. Trenton, der zum Gesundheitsminister ernannt wird...

Natürlich ist diese Frankenstein-Variation völliger (aber großartiger) Blödsinn, doch handwerklich ist BRAIN OF BLOOD sicher einer der besseren Filme von Al Adamson. Dieser Eindruck ist vor allem zurückzuführen auf die professionelle Kameraführung, auf die sorgfältige Arbeit des Cutters und die exakte Ausleuchtung der Sets. Der ganze Film wirkt insgesamt wesentlich homogener als andere Werke des Regisseurs, zumal hier keine Szenen aus anderen Filmen eingearbeitet wurden. Allerdings ist das Make-up für John Bloom in der Rolle des Gor zumindest in einigen Szenen wirklich dilettantisch. Das liegt zum einen daran, dass "Amateure für das Make-up verantwortlich waren" (Sam Sherman), und zum anderen daran, dass Bloom sich weigerte, seine üppige Haarpracht stutzen zu lassen, weshalb die für ihn gefertigte Maske nicht richtig über seinen Kopf passte. Die Gehirnoperation, die mit der Unterstützung einer elektrischen Höllenmaschinerie durchgeführt wird, ist recht blutig geraten und es kam laut Sherman u.a. ein Schafshirn vom örtlichen Schlachter zum Einsatz. Da vor der Kamera solche Altstars wie "Mr.C." Grant Williams, der Independent-International erprobten Haudegen Kent Taylor (zuvor in "Brides of Blood") und der erstaunliche "Kleindarsteller" (Verzeihung!) Angelo Rossitto agieren, ist der Film Darstellerisch eine Spur besser als das Gros der Produktionen, an denen Adamson beteiligt war. Allein Regina Carrol, bestens bekannt aus anderen Filmen ihres Mannes Al Adamson, kann in ihrer etwas eindimensionalen Rolle keine besonderen Akzente setzen. Der winzige Angelo Rossitto, der eine Golfkappe mit lächerlichem roten Bommel trägt, gibt dagegen alles und legt eine geradezu übermenschliche Performance hin, wenn er z.B. den mehr als doppelt so großen, bewusstlosen Grant Williams in den Keller bugsiert oder Gor daran hindert, Kent Taylor zu töten. Reed Hadley, B-Movie-Star der 40er Jahre, absolviert in seinem letzten Film im Grunde nur einen Cameo-Auftritt und wird in den Credits entsprechend als "Guest-Star" angekündigt. Weitere kleine Rollen gingen an Adamson-Regular Vicky Volante, an Margo Hope, der Tochter des Trash-Produzenten Harry Hope, an den grobschlächtigen Sleaze-Film-Regular Bruce Kimball aka Bruce Kemp, an Zandor Vorkov aka Roger Engel, der finanziell an IIP beteiligt war und auch in Adamson's "Dracula vs Frankenstein" zu sehen ist (als Dracula), und an Sean Graver, den Sohn des umtriebigen Kameramannes Gary Graver, der aber nach eigenem bekunden nichts mit diesem Film zu tun hatte. Independent-International Hausregisseur Al Adamson stellte den Film laut Sam Sherman mit sehr geringem Budget innerhalb von acht Tagen fertig. Da die Story praktisch nichts hergab, wurden etlichen Szenen des Films extrem in die Länge gezogen, um Zeit zu schinden. So gibt es eine lange aber wenig aufregende Verfolgungsjagd per Auto, eine breit ausgewalzte und sinnlose Szene, in der Vicki Volante nach ihrer Befreiung minutenlang im Keller herumirrt, eine Rückblende, die über das Schicksal von Gor aufklärt (Kimball übergießt sein Gesicht mit Säure) und eine schier endlose Fluch- und Verfolgungsszene am Ende. Dazu kommen ausgedehnte Dialogpassagen, frei nach dem bei IIP sehr beliebten Motto: "Talk is cheaper than action." Insgesamt ist der Film eine bescheidene und anspruchslose Produktion, die aber, mit Abstrichen, durchaus unterhaltsam ausgefallen ist.

Kritikern seiner billigen Filme hielt Adamson in einem Interview entgegen: "Wenn man heute ins Kino geht, sieht man eine Menge wirklich schlechter Filme. Die meisten sind vielleicht technisch gut und haben tolle Explosionen, aber die Filme sind schlecht. Sie sind nicht mal unterhaltsam und kosten 20 oder 30 Millionen Dollar. Einen in diesem Sinne schlechten Film haben wir nie gemacht."
Der Produzent des Films war mit BRAIN OF BLOOD dann auch ziemlich zufrieden, da er sich "über die Jahre als sehr gewinnbringend erwies." (Sam Sherman)
Entgegen anders lautenden Angaben wurde der Film nicht auf den Philippinen gedreht, sondern im Topanga Canyon bei Los Angeles.
Dieses Review basiert auf einer VHS-Version, die 1988 in Holland bei "Neon Video" veröffentlicht wurde. Die Laufzeit dieser Version beträgt 77:58 Minuten (PAL), die in den USA bei "Image Entertainment" erschienene DVD hat eine Laufzeit von 85:33 Minuten (NTSC).

REGINA CARROL (1943 - 1992) wurde als Regina Gelfan geboren. Sie stand schon als Teenager auf Theaterbühnen und trat später als Sängerin und Tänzerin u.a. in Las Vegas auf. Erste kleine Filmauftritte (ohne Credit) hatte sie u.a. in "The Beat Generation" (1959), „Von der Terrasse“ (1960), „Zwei Ritten Zusammen“ (1961), „Viva Las Vegas“ (1964) und „Spion in Spitzenhöschen“ (1966). Schließlich lernte sie den Regisseur Al Adamson kennen und heiratete ihn. Von nun an wirkte sie ausschließlich in de Filmen ihre Mannes mit, angefangen mit „Satan’s Sadists“ (1969). „Carnival Magic“ von 1981 war der letzte Film, in dem sie zu sehen war. Mit nur 49 Jahren starb sie 1992 an Krebs. Ihr Vater Barney Gelfan spielte ebenfalls hin und wieder kleine Rollen in Adamsons Filmen.

ANGELO ROSSITTO (1908 – 1991), der nur knapp 90 Zentimeter große Darsteller, war in seiner unglaublichen Karriere in etwa 70 Filmen zu sehen, darunter einige renommierte Werke, aber vor allem in B-Filmen, häufig in sehr kleinen Rollen, für die er in den Credits gar nicht genannt wurde. Er begann bereits in der Stummfilmzeit und hatte seine letzte Rolle 1987 in „Die Nacht der Schreie.“ Zu den interessantesten Filmen, in denen er mitwirkte gehören „Freaks“ (1932), „Mr. Wong in Chinatown“ (1939), „Doomed to Die“ (1940), „Hellzapoppin“ (1941), „The Corpse Vanishes“ (1942), „Scared to Death“ (1947), „Mesa of Lost Women“ (1953), „Invasion of the Saucer Men“ (1957), „The Story of Mankind“ (1957), „Draculas vs Frankenstein“ (1971), „Galaxina“ (1980), „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“. Auch in einigen TV-Serien war er zu sehen, so z.B. in „Auf der Flucht“, „Rauchende Colts“, „Solo für O.N.K.E.L.“, „Kung Fu“ und in mehreren Episoden von „Baretta“. Obwohl er in Hollywood recht gut beschäftig war, konnte Rossitto nie von seine Arbeit als Schauspieler leben und musste nebenbei Geld mit einem Zeitungsstand verdienen.

Im Gegensatz zu Angelo Rossitto war JOHN BLOOM (1944 –1999) ein Riese von (laut IMDb) 2,24 Metern Größe. Al Adamson „entdeckte“ ihn 1971 für seinen Film „Dracula vs. Frankenstein“, in dem er Frankensteins Monster verkörperte. Er wirkte danach noch in einigen anderen Filmen von Adamson mit, hatte aber auch kleinere (!?) Rollen in Hollywood-Produktionen und TV-Serien. Er war u.a. zu sehen in: „The Incredible Two-Headed Transplant“ (1971), „Angel’s Wild Women“ (1972), „Im Todestal der Wölfe“ (1984), „Runaway Train“ (1985), „Bigfoot und die Hendersons“ (1987) und „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ (1991).

BRUCE KIMBALL aka BRUCE KEMP (geb. 1930) war ein stämmiger Darsteller mit Baby-Face, der in rund 40 Filmen mitwirkte, zumeist in kleineren Rollen als Biker, Gangster, Redneck oder sonstige unsympathische und niederträchtige Gestalten. Er war in drei Filmen des großartigen David L. Hewitt zu sehen, und zwar in „Die rasenden Rocker vom Thunder Strip“ (1969), als „Witchdoctor“ in „The Mighty Gorga“ (1969), und als Neonazi in „The Tormentors“ (1971). Er gab den „Sgt. Klaus Müller“ in „Love Camp 7“ (1969), spielte einen Polizisten in dem wunderbaren „Das Ding mit den 2 Köpfen“ (1972), wirkte in einigen Sexfilmen mit, hatte aber auch kleine Rollen in TV-Serien und in einigen Mainstream-Filmen. Laut IMDb war er zuletzt 1989 in dem Film „Crime of Crimes“ als Tankwart zu sehen (ungenannt).

„The Film was not registered for copyright at the time of ist release. In 1996 BRAIN OF BLOOD was registered for copyright by Phil-Am Enterprises, Ltd., at which time it was assigned the number PA-833-817.“
(American Film Institute)

Aus der Werbung:

A Blood-dripping Brain Transplant turns a Maniac into a Monster...

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