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Dracula vs. Frankenstein ist ein Film der schmerzt. Der Streifen ist furchtbar schlecht, keine Frage, aber das ist nicht der Hauptgrund für das Übel. Es tut einfach weh mit anzusehen, wie zwei todkranke Schauspiellegenden ihre unwürdigen Abschiedsvorstellungen geben.

Lon The Wolf Man Chaney Jr. (10.2.1906 – 12.7.1973) war bei den Dreharbeiten bereits stark vom Kehlkopfkrebs gezeichnet und quälte sich mehr schlecht als recht durchs Geschehen. Er mußte sich oft übergeben, war ständig müde, und war nicht mehr imstande, verständlich zu sprechen, weshalb sein Charakter Groton gezwungenermaßen stumm ist. Der zweifach Oscar-nominierte Schauspieler J. Carrol Naish (21.1.1896 – 24.1.1973) hingegen hatte, gesundheitlich schwer angeschlagen, vor allem mit seinen Dialogen zu kämpfen; er konnte sich kaum etwas einprägen und mußte seine Sätze immer wieder von Tafeln ablesen. Wenn man als Zuseher diesen Hintergrund ausblenden kann (oder er einem schlichtweg egal ist), macht Dracula vs. Frankenstein bis zu einem gewissen Grad vielleicht sogar Spaß, wenn auch nur für Freunde von lupenreinem Trash.

Die wirre Geschichte ergibt sich aus einer losen Aneinanderreihung von Szenen, zusammengesetzt ohne jegliches Gespür für Spannung, Atmosphäre oder Dramaturgie. Dr. Duryea (J. Carrol Naish) ist der letzte der einst so berühmt-berüchtigten Familie Frankenstein, der in einem heruntergekommenen Horrorkabinett in einem Vergnügungspark seine Zelte aufgeschlagen hat, an den Rollstuhl gefesselt ist und haarsträubend blödes Zeug brabbelt. Unterstützt wird der Wissenschaftler von Groton (Lon Chaney Jr), den er bei Gelegenheit mittels eines Serums in einen monströsen Killer verwandelt und der dann mit einer Axt durch die Gegend wütet. Außerdem mit an Bord ist Grazbo (Angelo Rossitto aus Freaks), ein Giftzwerg, wie er im Buche steht. Und dann taucht auch noch Graf Dracula (Zandor Vorkov) auf, der das Frankenstein'sche Monster (John Bloom) ausbuddelt und sich mit dessen Schöpfer zusammentut, da er in Besitz des wundersamen Serums gelangen will, um die Weltherrschaft an sich zu reißen. Ins Geschehen involviert sind dann noch einige Hippies (u. a. Anthony Eisley), Bikers (u. a. Russ Tamblyn, Anführer der Sadisten Satans und später als Dr. Jacoby in der TV-Kultserie Twin Peaks zu sehen), ein konkurrierender Arzt (Famous Monsters of Filmland-Schöpfer Forrest J. Ackerman) und eine Las Vegas-Showtänzerin (Regina Carrol, die den Regisseur im darauffolgenden Jahr heiraten wird). Und am Ende heißt es dann Dracula vs. Frankenstein, oder genauer: Dracula vs. Frankensteins Monster.

Der Besetzungscoup des Jahrzehnts (das ist bitteschön sarkastisch gemeint!) ist Al Adamson mit Zandor Vorkov geglückt. Nach Bela Lugosi und Christopher Lee nun... Zandor Vorkov. Der Mann heißt eigentlich Roger Engel, war von Beruf Börsenmakler, hat so viel Charisma wie ein Eiszapfen, und hat die Rolle nur bekommen, weil John Carradine zu viel Geld verlangte und Adamson fand, er sähe aus wie Dracula. So kann's gehen: eben noch an der Wall Street, im nächsten Moment auf den Leinwänden der amerikanischen Kinos (sein zweiter und letzter Filmauftritt erfolgte in Brain of Blood, einem weiteren Al Adamson-"Meisterwerk"). Passenderweise wird sein Kontrahent im Kampf der Titanen, Frankensteins Monster, von John Bloom gespielt, und der war Steuerberater. Immerhin darf er sein Gesicht hinter einem der erbärmlichsten Monster-Make-Ups der Filmgeschichte verstecken. In einer Nebenrolle ist Greydon Clark zu sehen, der Genrefans kein Unbekannter sein sollte; er hat bei Filmen wie Satan's Cheerleaders und Without Warning (Das Geheimnis der fliegenden Teufel) das Regiezepter geschwungen.

Daß es Dracula vs. Frankenstein in dieser Form überhaupt gibt, ist Produzent Sam Sherman zu verdanken, der Aussagen wie "diesen Scheiß kann man unmöglich veröffentlichen" nicht gelten läßt und meint. "I feel you can always fix something. It's all montage and cut." Dracula vs. Frankenstein begann sein unseliges Leben als Blood Freaks (ein Quasi-Sequel zum Adamson-Hit Satan's Sadists), bevor diverse Horrorelemente in das Drehbuch integriert wurden und der Film unter dem Titel The Blood Seekers heruntergekurbelt wurde. Das Ergebnis war grauenhaft und endete damit, daß Dracula von einem Auto erfaßt, gegen eine Wand geschleudert und von einem Rohr aufgespießt wurde. Angesichts dieses Desasters kam man auf die glorreiche Idee, die beiden Kreaturen gegeneinander kämpfen zu lassen, ein neues Ende zu drehen und den Streifen umzubenennen. Und der Erfolg gab den Machern recht. Da spielt es auch keine Rolle, daß der stümperhaft inszenierte Film regelmäßig in "Die schlechtesten Filme aller Zeiten"-Listen vertreten ist.

Dracula vs. Frankenstein
ist ein Film, bei dem man als Zuschauer nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Al Adamson wird oft als Schlockmeister bezeichnet (selbst das von David Konow verfaßte Buch über ihn heißt Schlock-O-Rama!). Wer sich einige seiner Filme zu Gemüte führt, weiß auch, warum das so ist. Ich ziehe vor jedem den Hut, der einen Al Adamson-Marathon mit Blood of Ghastly Horror, Brain of Blood, Satan's Sadists, Cinderella 2000, Horror of the Blood Monsters, Dracula vs. Frankenstein und Nurse Sherri unbeschadet über- bzw. durchsteht. Adamson wurde am 2. August 1995 in seinem kalifornischen Anwesen ermordet und einbetoniert. Wie auch immer man zu seinem filmischen Auswurf stehen mag, das hat er ganz gewiß nicht verdient.

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