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Bei einigen Filmen sind die Funfact dahinter ja durchaus spannender als der jeweilige Film selbst: "American Cannibal", "Snuff". "Big Snuff" oder wie auch immer betitelt entstand bereits 1971, kam aber erst 5 Jahre später in die Kinos: aufgekauft von Produzentenpärchen Roberta & Michael Findlay und kostengünstig um eine echte Streitkeule von Epilog erweitert gab der Film titelseitig einem mysteriösen wie fiesen Phänomen einen Namen und brüstete sich damit, das Interesse des FBIs geweckt zu haben.

Selbstverständlich entpuppte sich das Gerücht als Werbekappes der Findlays, der aber durchaus Wirkung zeigte. Scheint ja funktioniert zu haben, meine Aufmerksamkeit hat er mit 19 geweckt, wobei es mir weniger um den Mythos als um die Umsetzung des Ganzen ging: entgegen des US-Trailers, der einem den Film mit epileptisch blinkender Schmilzeschrift und harten Synthklängen als Ballade eines Haufen gescheiterter Schauspielerinnen verkaufen will, die ihr Ende im Folterfilm fanden, ist das Dargebotene eher dem Sektenhorror mit Softsexversatzstücken und Rockerfilmelementen zuzurechnen. Mansonsploitation ohne Charlies Rassismus und Hellter Skelter- Gelaber also.

Der Verein, mit dem wir es hier zu tun haben kommt aber auch zahlenmäßig nicht an die Family ran: der Verein um Guru "Satan" besteht aus einer handvoll Hippen (oder wie auch immer die weibliche Form von Hippie lautet), deren munteres Treiben - Sex, Mord, Beleidigung der Zuschauerintelligenz - sich der spirituellen Attitüde zum Trotz um ein ganz irdische Promlem dreht: Geld! Ohne jenes kann sich auch der schlauste Guru keinen Lebensstil aus Sex, Drogen und Faulenzerei leisten.

Wenn also nicht gerade Neumitglieder gefoltert werden, weil sie beim Drogenkaufen beschmuht haben oder man Leute zu Strafattentaten auf Senatoren verdonnert werden zwischen den Orgien auch schon mal gerne die eigenen Glaubensschwestern auf reiche Industriellensöhnchen angesetzt, die gegen Sex auch gerne mal etwas Luxus springen lassen. Aber wehe, da mischt irgendein fremdes Luder - in diesem Falle ein Pornostar - von außen mit, dann ist Schicht im Schacht!

Da wird ja gleich mal klar, was die Macher von Sharon Tate hielten, wenn sie sie mit einer Pornodarstellerin gleichsetzen. Aber auch die Hippiechickas um Satan kommen nicht gut weg, ebenso wenig wie Berufserbe Hernandez (der im O-Ton Deutscher ist und Horst heißt!) und dessen achso feine Gesellschaft. Gut, dass es den Tod als großen Gleichmacher gibt, der mit eisernen Besen durch den Film kehren darf. Na gut, wohl eher mit dem Handfeger, aber für damalige Verhältnisse dürfte es allemal gereicht haben.

Abgesehen von Satans philosophischen Monologen am Glitzersee und einigen artsy Schwarzweißsequenzen, die sehr nett aussehen sticht der Film durch nichts außer der blöden Mimik seiner DarstellerInnen und seiner Gewalt heraus. Nicht, dass ich was gegen eine zünftige Leimwandmetzelei hätte. Aber wo ist der Sinn darin, wenn man in der Unmenge an Schnitzelfilmenn nicht nennenswert auffällt außer durch den Gimmickepilog am Ende, den der Trailer auch schon fast in Gänze vorweg nimmt? Jepp, die deutsche Kinofassung kastriert sich die saftigen Momente gen Ende zu einem kaumnachvollziehbaren Akt zusammen, wo auf einmal Blut fließt und keiner weiß so recht warum.

Gimmickkino also. Und dann noch nicht mal um das Gimmick herumgeschrieben. Das wäre doch ein Aufhänger gewesen, die Sekte in die Snufffalle eines pervers en Produzenten laufen zu lassen. Die entsprechenden Figuren hat der Film ja schon alle im Drehbuch, es hat nur keiner die passenden Stellschrauben gefunden. Also: Hippiehorror!!!

Kann man sich ja mal geben, wobei man sich da preislich Grenzen setzen und nicht allzu viel erwarten sollte. Zum Klugscheißen bei geselligen Kneipenabenden mit anderen Filmfreaks rechts allemalund wenn man einem Genreneuling einen möglichst sanften Einstieg ins Splattergefilde ermöglichen will kann man hier auch nichts falsch machen. Vom "Must have" - Titel ist das ganze aber so weit entfernt wie "Rasierte Pissfotzen 9" von "The Devil in Miss Jones". 

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