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"The Killing of America" gehört zu der Sorte Film, die einen im Nachhinein noch tagelang beschäftigen. Im Gegensatz zu den anderen Vertretern des Mondo-Genres zu dieser Zeit beschränkt sich dieser Film nicht auf die Sensationsgeilheit und den Voyeurismus des Publikums, sondern stellt ernsthafte Fragen über amerikanische Waffengesetze und den Preis der Freiheit. Damit übertifft die Arbeit Sheldon Renans und Leonard Schraders (Bruder von Paul Schrader) beispielsweise den vier Jahre zuvor erschienenen "Faces of Death", da den beiden Machern von "KoA" die Vermittlung politischer Ideen wichtiger ist.

Was kriegt der Zuschauer zu sehen? Es werden sämtliche dunklen Facetten der U.S.A. in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts präsentiert. Das Material umfasst sowohl politische als auch soziale Ereignisse; von der Ermordung JFKs und Martin Luther Kings bis hin zum Vietnamkrieg. Ganz wichtig erscheint mir die Tatsache, dass keine Szene gestellt worden ist, sondern alles der Wahrheit entspricht und aus diversen Film- und Hobbyfilmaufnahmen hervorgeht. Dem versierten Medienkonsumenten werden einige Aufnahmen bekannt vorkommen. Ich denke da vor allem an die "Hinrichtung" - die in einem direkten Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg steht - oder an das JFK Material. Andere Szenen wurden speziell für den Film aufgenommen: In einem Interview erklärt ein Serienkiller wie es sich anfühlt einen abgetrennten Kopf in den Armen zu halten. Erschreckend einprägsam.

Killing of America - 1982 entstanden - beinhaltet meines Erachtens immer noch das Gedankengut der 1970er Jahre, der Entmystifizierung des "american way of life" und "american dream" in Folge des Vietnamskriegs und immer größer werdender sozialer Probleme. Somit ist der Film heute noch von großer Wichtigkeit; sollte jedoch von empfindlichen Zuschauern gemieden werden. Für Hartgesottene und Leute, die sich gerne Gedanken über die Welt in der wir leben machen, kann ich diesen Film uneingeschränkt empfehlen.

Ein oft gezogener Vergleich zwischen "KoA" und "Bowling for Columbine" von Michael Moore halte ich für unangebracht, da Renan und Schrader einen viel objektiveren Blick auf die Realität richten. 9/10 Punkten

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