Eigentlich wollte ich gar keine Besprechung schreiben, denn dieser FIlm wäre wieder eine Enttäuschung, wenn ich nicht schon längst begriffen hätte, daß es keinen guten Erotikfilm mit Annie Brilland / Belle gibt, die trotzdem - der Optik wegen - zu meinen Lieblingsdarstellerinnen in diesem Genre gehört (einen gibt es schon, hätte ich jetzt fast vergessen: "Sklavin für einen Sommer", aber da hat gerade sie die wenigsten erotischen Auftritte).
Zum Inhalt: Annie (Annie Belle) ist noch Jungfrau, darauf hat ihr "Vater", der gar nicht ihr Vater ist, geachtet. Doch in Hongkong, wo dieser (krumme) Geschäfte abzuwickeln hat, erlebt sie das "Ende der Unschuld" (so der ital. Originaltitel), nicht nur in sexueller Hinsicht, sondern auch der Naivität ihres Vertrauens in die Menschen. Sie wird vergewaltigt, verkauft, verspielt und schließlich von einer buddhistischen Nonne mit der Weisheit "Erkenne dich selbst" in die Heimat wieder entlassen.
Alle Liebhaber(innen) von Annie sind unsympathische Typen, die sie als bloßes Objekt betrachten, nicht einmal von Leidenschaft getrieben, sondern von einem durchaus bürgerlichen Besitzstreben. Dies trotz aller aufgesetzten Libertinage dieser Reichen und Schönen, die sich etwa darin zeigt daß sie oft nackt herumlaufen, allerdings ist diese beliäufige Nacktheit das Gegenteil von Erotik. Die Sexszenen selbst sind sehr kurz - was immerhin vielleicht daraufhinweist daß es eine längere Fassung gibt - , in manchen Fällen äußerst kitschig wie in einem billigen Liebesfilm, vielleicht ironisch zu dem sonstigen Verhalten der Typen gemeint. Von der brutaleren Vergewaltigung ist im Dunkeln praktisch nichts zu sehen. Aus der Hongkong-Exotik wird wenig gemacht, da wird in der "Black Emanuelle"-Serie, ganz zu schweigen von "Emmanuelle", aber auch in Annie Belles zweitem bekannten Erotikfilm "Laura" weit mehr aus Landschaft und Stadtgewimmel ostasiatischen Gepräges herausgeholt. Die ersten halbe Stunde ist pure Langeweile, bis auf eine Szene, die allerdings zum Abspulen der Credits verwendet wird: Annie wird von ihrem "Vater" mit dem Auto aus einem schweizer Internat abgeholt, auf dem Rücksitz zieht sie sich um, was einen flotten Radler animiert, in das Fenster zu spechteln. Das sieht nach typischer D´Amato-Voyeurserotik aus, die im Softcore immer noch am besten funktioniert. Aber leider ist davon später nicht mehr viel übrig. Wenn Annie nackt auf dem Motorrad mitgenommen wird, ist das z.B. vielleicht witzig, aber sicher nicht erotisch. Annie Belle ist schön, aber eine wenig überzeugende Schauspielerin, ihr "Vater", das Paar, in deren Villa sie unterkommt, und der Chinese, der sie beim Spiel "gewinnt" geben die unsympathischen Besitzstrebenden zwar überzeugend, aber ob das in einem Erotikfilm wirklich das so toll ist? Al Cliver, der während des Drehs eine Beziehung mit Annie Brilland angefangen hat, die bis zu "Laura" angehalten hat, gefällt mir ohne Bart ein bißchen besser, als "Künstler" steht er etwas zwischen den reichen Schnöseln und der naiven Schülerin, entfaltet aber auch kein erotisches Potential.