2023 war die Emanzipation der Barbie, 2024 war die Emanzipation der Bella Baxter, aber was viele nicht wissen... 1976 war die Emanzipation der Annie Belle!
Annie Belle, man kennt sie aus Filmen wie Lips of Blood, Der Schlitzer, Absurd & Sklavin für einen Sommer, ist Annie Belle, die mit 13 von zu Hause ausgerissen ist & sich ein paar Jahre von Sugar-Daddy Michael (Charles Fawcett) aushalten hat lassen, der für eine gute Erziehung gesorgt & sie mit schicken Kleidern & Reisen in ferne Länder verwöhnt hat. Dennoch durfte der "Papa" nur mit Mund & Zunge ran, weshalb ihre Unschuld erhalten blieb. Als Michael im Zuge eines Hongkong-Trips verhaftet wird (was sie nicht groß stört, schließlich ist sie seiner längst überdrüssig geworden), steht sie plötzlich allein & ohne Geld da. Zum Glück kommt sie bei ihren guten Bekannten Linda (Felicity Devonshire) & Angelo (Ciro Ippolito) unter & lernt den feschen Philip (Al Cliver) kennen, in den sie sich verliebt. Allerdings merkt sie bald, dass sie von allen bloß ausgenutzt wird. Höchste Zeit also, diesen Umstand abzustellen.
Es ist (meist) eine Freude, der "Teenage Emanuelle" Annie dabei zuzuschauen, wie sie in Massimo Dallamanos Erotikfilm ihren Weg geht. Das "meist" bezieht sich auf die unschöne Szene im Keller, als sie ihrer Unschuld beraubt wird, was sie nicht daran zu hindern scheint, den erzwungenen Sex zu genießen. Der Streifen ist von Franco Delli Colli hübsch fotografiert, der Ton ist überwiegend locker & unbeschwert, der Schauplatz Hongkong (von dem es einiges zu sehen gibt) sorgt für ein exotisches Flair & Annie Belle, die übrigens auch die Idee für den Film hatte, zieht mit ihrem burschikosen Kurzhaarschnitt in Weißblond sämtliche Blicke spielerisch auf sich.
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass auch Ines Pellegrini, im Jahr zuvor in Lenzis Labyrinth des Schreckens noch mit süßem Afro, hier nun mit Glatze in einer kleinen, jedoch wichtigen Rolle, ein Blickfang ist. Die coole Mucke steuerten Fabio Frizzi, Franco Bixio & Vince Tempera bei, der Titeltrack wird von Linda Lee gesungen. Dass die meisten Darstellerinnen gelegentlich barbusig unterwegs sind & manchmal auch ihre Bären vorführen, versteht sich bei dieser Art Film von selbst, hat aber auf meine Wertung (selbstverständlich) keinen Einfluss. Die Originalfassung (auf der vorliegenden DVD leider ohne UT) läuft 85 Minuten, die dt. Fassung endet bereits acht Minuten früher, ohne dass Wesentliches zu fehlen scheint.