Nach dem sensationellen Spiel der Ivorer gegen Argentinien bei der diesjährigen WM gönnte ich mir noch diesen Geheimtipp. Zwar mit 2 Golden Globes und einem Oscar ausgezeichnet und von Alexander Payne, dem Regisseur von "About Schmidt", auf die Beine gestellt, doch irgendwie ging dieser Film vollkommen an mir vorbei.
Es heißt zwar, dass man Bier nicht auf Wein trinken solle, dennoch begab ich mich mit ein paar Fläschen aufs Sofa und widmete mich den 2 Weinliebhabern Jack und Miles. Jack ist auf Abschiedstournee seines Junggesellendaseins. In einer Woche soll die Hochzeit mit seiner Verlobten Christine steigen. Die beiden Kumpels machen sich auf einen Trip quer durch Carolina, um sich abzulenken und zu feiern. Jack ist hierbei der Lebenslustige, der Optimistische und der Aufreißer. Miles hingegen ist seit 2 Jahren von seiner Ex-Frau geschieden, erfreut sich nicht gerade des Lebens und ist eigentlich allgemein das krasse Gegenteil von Jack. Und eigentlich wollten sie nur feiern. Doch der Trip endet nicht nur in endlosen Weinproben und Besäufnissen, sondern auch in neuen Freundschaften mit anderen Frauen. Das stellt so Einiges auf die Probe.
Wie auch schon "About Schmidt" ist "Sideways" ein Film über Erwachsenenprobleme, der jedoch auch ohne Weiteres von Jugendlichen oder Adoleszenten konsumiert werden kann. Man sollte sich nur nicht auf eine Blödel-Komödie ala "American Pie" einstellen, in der eine Nummer nach der anderen geschoben wird und der Humor in ganz tiefen Gefilden schwebt. "Sideways" ist voll von stillem Humor und passender Situationskomik. Also irgendwie schon wieder etwas für die Älteren unter uns.
Miles hat Torschlusspanik. Er ist depressiv, schüchtern und glaubt nicht an sich. Er möchte sich nur etwas mit seinem Freund Jack ablenken. Und sich sinnlos herschütten. Vordergründig ist er keineswegs an irgendwelchen Frauen interessiert. Zu sehr macht ihm noch die Trennung von seiner Ex zu schaffen. Innerlich jedoch sehnt er sich schon nach einer Beziehung. Jack ist da anders. Er hat seine Frau bereits gefunden, dennoch möchte er gerne noch einen "wegstecken", wie er Miles liebevoll beichtet. Bei diesem einen Mal bleibt es dann nicht, die liebe Stephanie muss da schon öfters herhalten. Jack ist auch sofort übermannt von ihr. Er hat scheinbar keine Verpflichtungen, der Sex ist seiner Meinung nach animalisch gut, sie lässt ihm viel Freiraum und so weiter. Sogar seine bervorstehende Ehe zweifelt er an. Das wiederum kann Miles überhaupt nicht verstehen. Er ist enttäuscht von Jack.
Miles sieht nämlich Alles etwas tiefgründiger. Auch er lernt jemand kennen. Maya. Seine Beziehung zu ihr ist um Längen intensiver, anspruchsvoller und romantischer als dass dies bei Jack und Stephanie wohl je sein würde. Nur langsam kommen sich Maya und er näher, auch in einer sehr stimmungsvollen Szene auf der Veranda weicht der schüchterne Miles einer für ihn recht unangenehmen Situation aus. Er und Maya unterhalten sich über einen 61er Pinot. Was an ihm so besonders ist und weshalb er sich von anderen Weinen unterscheidet. Wer interpretationswillig ist, merkt, dass es nicht nur um diesen einen Wein geht. Es geht um Miles selbst, um sein Wesen und seine Position momentan. Miles ist geknickt, da er trotz seines mittlerweile stattlichen Alters (er dürfte um die 40 sein), immer noch (wieder) ohne Frau dasteht und nicht unbedingt von Selbstvertrauen strotz. Torschlusspanik eben. Doch ein Wein wird eben von Jahr zu Jahr besser. Umso älter, desto besser schmeckt er auch. Doch es gibt da auch einen Zeitpunkt, an dem der Wein dann eben auch zu verfallen beginnt. Miles merkt, was Maya damit meint. Und verschwindet auf der Toilette.
Jack jedoch hat wiederum Panik, sich schon endgültig zu binden. Stephanie öffnet ihm anscheinend die Augen. Sie sieht alles locker, fährt ein Motorrad, ist offen und aufgeschlossen und ihr gegenüber scheint er weniger Verpflichtungen zu haben. Jack ist hin und hergerissen, will sich die Hochzeit letztendlich sogar noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Und riskiert sogar den ein oder anderen Streit mit Miles.
"Sideways" ist ein Film über zwei Männer, die mitten in der Midlife-Crisis stecken, aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Der eine hat Angst vor einer Bindung, der andere ist unglücklich solo. Und gemeinsam erleben sie auf ihre "alten" Tage noch so einige Abenteuer. Die nicht ganz frei von Szenen sind, die den Zuschauer zum Schmunzeln, wenn nicht sogar zum Lachen bringen.
Man muss jedoch auch sagen, trotz aller Sympathie des Films, dass "Sideways" jetzt nicht einen Überfilm darstellt. Er ist nett und gut genug, um sich ihn anzusehen und ihn sich vielleicht sogar im Gedächtnis zu behalten. Doch die Story spricht sicherlich nicht jedermann an, ist es meines Erachtens doch ein wenig die Frage des Alters. Ich mit meinen 22 kann mich jetzt weder mit Jack noch mit Miles identifizieren. Das muss auch nicht sein. Für mehr als einen reinen Unterhaltungsfilm mit der ein oder anderen tiefgründigeren und innovativeren Szene reicht es aber für mich persönlich nicht.
7,5/10 Punkte