Review

Sideways…

…ist ein zwar ein insgesamt unterhaltendes, aber doch etwas langatmiges Roadmovie, dass meines Erachtens nach deutlich überbewertet wird.
Natürlich gibt es einige wirklich witzige Szenen, wie den gestellten Autounfall, das etwas andere Golfspiel, ein Besuch bei der Mutter oder das Weinflache exen, während man einen Hang hinunter läuft, aber zwischendurch gibt es einfach viel zu viel Leerlauf.
Nicht dass ich die Erwartungshaltung hatte, dass ich am laufenden Band lachen müsste, aber auch die Geschichte selbst müsste einfach mehr hergeben, um den einzelnen Szenen mehr Bedeutung zu verleihen.
Dabei ist das Problem nicht, dass es dem Film an Authentizität fehlen würde, im Gegenteil. Die Alltäglichkeit des Gesehenen und die absolut überzeugenden schauspielerischen Leistungen aller Akteure schaffen es sogar, ein wahres Abziehbild der Realität zu erzeugen - nur kann das wahre Leben eben auch langweilig sein.
Schade also, dass sich der Hauptstrang des Filmes um das Leben von Miles (Paul Giamatti) dreht, denn sein Leben ist nur zu typisch für den mittelständischen Durchschnittsbürger - durchschnittlich erfolgreich, durchschnittlich wohlhabend, durchschnittlich sympathisch. Des Weitern wird, anders als noch bei „About Schmidt“, dem Zuschauer nicht gerade ein spannendungsgeladener Teil des Lebens des Protagonisten präsentiert und zu guter Letzt verpasst es Regisseur Alexander Payne auch noch das Potential dieses Lebensabschnitts voll auszuschöpfen. Anstatt Miles einer wahren Metamorphose vom pessimistischen Eigenbrödler hin zu einem zuversichtlichen Sympathieträger zu unterziehen, begrenzt sich die Geschichte darauf, ihn am Ende nicht ganz so hoffnungslos zurückzulassen. Das mag realistischer sein, aber es unterhält eben nur sehr begrenzt.
Hinzu kommt, dass das Ganze dann auch noch mit zwar schönen, aber zu vielen Landschaftsaufnahmen weiter gestreckt wird. Und als wäre ihm die selbstgeschaffene Trägheit, die daraus resultiert, bewusst, versucht Payne die Sache durch Splitscreens und andere kleinere bildtechnische Spielereien etwas aufzupeppen. Leider hat er dabei übersehen, dass solche Elmente überhaupt nicht zu der Geschichte bzw. der Art Film passen, die er gerade erzählt bzw. den er gerade gedreht hat.
Umso mehr war ich über jede Szene froh, in der Jack (Thomas Haden Church) sein Unwesen getrieben hat. Egal, ob er es selbst war oder ob er Miles nur solange provoziert hat, bis dieser ausgetickt ist, war jedes meiner persönlichen Highlights des Films von Jack initiiert. Nahezu jeglicher Unterhaltungswert hatte seinen Ursprung in ihm. Er ist ein Lebemann, voll übersprudelnder Energie und die verleiht er auch seinen Szenen. Wie viel lieber hätte ich seiner emotionalen Achterbahnfahrt zugesehen, als dem seichten Geplätscher, das wir mit Miles erleben durften. Mit ihm haben wir teilweise und hätten wir noch mehr Dinge erleben können, die den eigenen Erfahrungen doch deutlich fremder sein sollten, so aber habe ich nur einen Auszug einer anderen Variante eines ganz alltäglichen Daseins beigewohnt.
Auch wenn viele allein deshalb schon wieder von hohem intellektuellem Anspruch reden, so muss ich sagen, dass ein solcher Film für mich mehr braucht. Ich muss eine tiefgehende Erfahrung machen. Mich bei entscheidenden Dingen des Lebens bestätigt, verwirrt oder vor den Kopf gestoßen fühlen. Das alles bietet „Sideways“ mir aber nicht oder nur in Auszügen, weshalb er für mich nicht mehr als eine etwas zu lang geratene Sommerkomödie ist.

Das macht in der Summe glatte 6/10 Punkte

Wem der Film gefallen hat, könnte auch Freude an den Folgenden haben:

- About Schmidt
- Smoke
- Elizabethtown

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