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WARNUNG: Dies ist die Kritik eines John Waters-Filmes!

Sylvia Stickles und ihr Mann Vaughn leben in einer ruhigen kleinen Straße in Baltimore, und ihr Leben könnte so schön und friedlich sein, wäre da nicht ihre Tochter Caprice: Die möchte nämlich nichts sehnlicher, als abend für abend ihren XXXXL-Atombusen im örtlichen Bikertreff zu präsentieren und sich von den Kerlen ab und an mal... naja, um dieses Verhalten zu unterbinden, wird Caprice kurzerhand in ihrem Zimmer eingeschlossen, denn Moral und Anstand wird sehr groß geschrieben in diesem Viertel von Baltimore, insbesondere im Hause Stickles. Vor allem Big Ethel, Sylvias Mutter, hat sich dem Kampf gegen den Verfall der Sitten verschrieben und wettert in einem fort gegen Lesben, Schwule und Sex ganz allgemein.
All das ändert sich jedoch schlagartig:
Durch einen Schlag auf den Kopf wird Sylvia ohnmächtig, und als sie wieder zu sich kommt, findet sie sich in den Armen von Ray Ray, einem selbsternannten Sexheiler, der ihr eröffnet: Sie, Sylvia, ist "sex-addict" und erst durch den Schlag auf den Kopf wurde diese ihre wahre Natur freigesetzt. Mehr noch: Sie ist die 12. im apostolischen Bund der Sex-Süchtigen und dazu bestimmt, gemeinsam mit Ray Ray einen neuen "sex-act" zu finden...

Er kann's noch!! Nach seinen letzten Filmen, die allen Trashigkeiten zum Trotz fast schon familienfreundlich waren, demonstriert John Waters mit "A Dirty Shame" noch einmal, daß er die Krone des King of Puke nicht umsonst trägt! Obwohl nicht zu vergleichen mit frühen Meisterwerken wie "Desperate Living" oder (seufz) "Pink Flamingos", knüpft dieser Streifen in puncto Skurrilität, Trash und Bad Taste deutlich an alte Zeiten an und ist dazu um einiges professioneller produziert - ein "richtiger" Film eben.
In den Hauptrollen überzeugen absolute Legenden wie Tracey Ulman, Johnny "Jackass" Knoxville, Chris "Wicked Game" Isaac (!!!!!) und Suzanne Shepherd, dazu Selma Blair, deren Oberweite eine tiefe Verbeugung vor der seligen Divine scheint. Doch auch die üblichen Verdächtigen wie Mink Stole, Ricki Lake und Patricia Hearst dürfen natürlich nicht fehlen. Sie alle spielen sich ganz grandios durch diese 90-Minuten-Version einer Enzyklopädie der Perversitäten und Fetische: Hier geben sich Mysophile (Schmutzfetischisten), Bären (warum gibt's solche lustigen Archetypen nicht auch auf der Hetero-Seite) und unzählige andere unglaubliche Ausformungen sexueller Begierde die Klinke in die Hand. Das klingt zuerst nach einer albernen Sexklamotte zwischen "Flotte Teens..." und "American Pie". Wäre es bestimmt auch geworden - wenn der Regisseur nicht John Waters hieße! Nur er bringt es fertig, den Stuhlgang von David Hasselhoff (jawoll, er ist es selbst!!!) in einen Film zu packen mit Johnny Knoxville's Hosenschlange (wörtlich!), dazu korpulierende Eichhörnchen, obszön gewachsene Bäumen, eine Bar voll waschechter Biker und einen lap-dance mit Mineralwasserflasche im Altersheim. Doch trotz aller Schlüpfrigkeiten gleitet der Film nie ins wirklich obszöne ab, nicht mal ein sexueller Akt wird wirklich gezeigt. Daß der Film in Amerika "nur" ab 17 ist, sagt einiges.

John Waters wird alt, das merkt man bei "A Dirty Shame". Aber mit dem Alter wird er keineswegs langweilig!
Verneigt euch, Bewohner von Tromaville! Kniet nieder, Trey Parker und Matt Stone! Der König hat gesprochen!

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