Regisseur-Ikone John Waters wird überall als der "Pope of Trash" gehandelt, doch ich muss, trotz eines gewissen Trash-Fetischs, zugeben, dass ich, mit Ausnahme des nicht ganz so trashigen "Serial Mom"-Streifens, noch keinen Film von ihm gesehen habe, obwohl so mancher wohl Kultstatus hat und selbst mit Stars wie Johnny Depp aufwarten kann. Nun ja, zumindest bis jetzt. Denn vor kurzem habe ich mir nun die neuste Regie-Arbeit von Waters angeschaut und traute meinen Augen nicht. Denn was Waters mit seinem Film "A Dirty Shame" da auf die Leinwand losgelassen hat, ist wirklich heftigster Trash. Ein Feuerwerk absoluten Schwachsinns. Aber im Gegensatz zu den meisten Trash-Werken von heute, eines bei dem man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt und bei dem man sich regelrecht verbeugen muss. Denn soviel genialer Unfug auf 90 Minuten, dass hat die Welt nur selten gesehen.
"A Dirty Shame" ist ein grellbuntes, lautes und durch und durch sexüberschüttetes Stück Zelluloid, dass wilder und verrückter kaum sein könnte. Schon die Story stimmt voll und ganz auf die geballte Ladung Blödsinn ein. Es geht um eine prüde US-Amerikanerin, die nach einer Kopfnuss plötzlich sexsüchtig wird. Dabei trifft sie auf den Sex-Guru Ray Ray Perkins, der, zusammen mit ihr und weiteren Sexsüchtigen (allesamt ebenfalls Opfer einer Kopfnuss), durch die Stadt ziehen will, um sich "durch zu sexen". Doch eine prüde Bande von Sexhassern stellt sich ihnen in den Weg... Wer nach diesen Zeilen nun noch einen anspruchsvollen Film erwartet, der gehört schleunigst eingeschlossen. Denn in "A Dirty Shame" regiert wirklich nur eins: Schwachsinn. Genauer gesagt sexistischer Schwachsinn und zwar von der geballtesten Sorte. Also alle Erwartungen auf 90 Minuten Sex-Fun der deftigsten Sorte einstellen und dabei das Gehirn am besten mit einem Bier nach dem anderen ertränken, denn dann macht "A Dirty Shame" ungemeine Laune.
Und das liegt natürlich an den Gags, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Was John Waters hier für ein Gagpotenzial auffährt, dass sprengt alle Grenzen des guten Geschmacks, ja eigentlich alle Grenzen die eine Komödie überhaupt haben kann. Eine sexistische Handlung jagt die nächste, ein Witz ferkeliger als der andere. Da wird über unterschiedlichste Sexpraktiken sinniert, wie die sexuelle Erregung durch das Einreiben mit Lebensmitteln. Es wird pure Geilheit verspürt wenn man sich als Baby verkleidet, es gibt hier Menschen die sich beim scheißen aufgeilen, Leute die vom Dreck essen rattig werden und Frauen die Brüste haben, bei denen selbst Busenwunder Lollo Ferrari noch eifersüchtig werden würde, wenn sie denn noch am Leben wäre. Kein Dialog ist hier sexfrei, alles dreht sich nur um das Eine und das auf eine derart freche, durchtriebene und wirklich so tabulose Art und Weise, dass man aus dem Lachen genauso nicht mehr herauskommt, wie aus dem Schütteln mit dem Kopf, über so eine derartig riesige Tonne von Witzeabfall, durch die man sich aber nur zu genüsslich durchgräbt. John Waters ist für mich jedenfalls einer der krankesten und dabei dennoch witzigsten Filmfreaks, die das Komödientrash-Genre je gesehen hat.
Doch wer jetzt denkt, dass dieser Film nach all den angesprochenen Handlungen einem (abgedrehten) Softporno gleichkommen könnte, der täuscht sich gewaltig. Denn Waters verzichtet durchgehend darauf, irgendwelche Sexualakte zu zeigen. Zwar gibt es durchaus nacktes (und eher häßliches) Fleisch zu sehen, aber wirklichen Sex gibt es nicht. Und das braucht es auch nicht. Denn es reicht schon vollkommen aus, sich all die abstrusen Perversitäten nur vorzustellen und die meisten Figuren von Waters finden ihre sexuelle Erfüllung, wie schon angesprochen, auch nicht unbedingt durch den Sexakt an sich, sondern eben durch verschiedenste Fetische, die diese Welt noch nicht gesehen hat.
Zudem muss man auch noch John Waters Mut bewundern, denn so ein offenes, durchgeknalltes und respektloses Sexkomödchen hätte man aus dem Land der offenen Prüderie wohl nicht erwartet. Wer z. Bsp. "Orgazmo" kennt, der weiss wie eine abgedrehte Sexparodie aussehen kann. Doch "A Dirty Shame" ist, trotz des nahezu vollkommenen Ausgrenzen des Sexualaktes an sich, mindestens noch einmal so verrucht, verrückt und sexistisch wie "Orgazmo". Die FSK 16-Freigabe verwundert jedenfalls doch ein wenig, denn Jugendfrei ist das ganze Treiben wirklich zu keiner Sekunde.
Zur Inszenierung sei gesagt, dass Waters auch in diesem Punkt alles sprengt, was nicht Niet und Nagelfest ist. Grell, bunt und zu keinem Zeitpunkt ruhig, fordert er seine Zuschauer mit einem regelrechten Feuerwerk von durchgeknallten visuellen Doppeldeutigkeiten. Wenn seine Figuren z. Bsp. die angesprochenen Kopfnüsse erteilt kriegen, dann sieht der Zuschauer mal eben einen Zusammenschnitt aus einigen absurden Sexfilmchen aus der Schwarz/Weiß-Ära des Films. Dazu grelle Kostüme, genauso billige wie verrückte Special Effekts (poppende Eichhörnchen, glühende Geschlechtsteile und eine Schlange aus Johnny Knoxvilles Hose) und ein Soundtrack, der eine absolute Ohrenweide ist. Waters zeigt hier wirklich mustergültig, was es heißt brillanten und niemals billig wirkenden Trash zu produzieren, sowohl was die Geschichte als auch die Inszenierung angeht.
Abgerundet wird das Treiben dann noch von einem spielfreudigen Darstellerreigen, den man besser nicht hätte auswählen können. Da hätten wir zum einen Johnny Knoxville, der sich als Sex-Guru wirklich unverschämt gut tut. Dann Suzanne Shepherd als ungemein prüde Big Ethel, die ebenfalls absolut super agiert. Und Selma Blair ist mit ihren (künstlichen) Riesenmöpsen auch nicht zu verachten. Doch das größte Lob gebührt definitiv Tracey Ullman, die ihre verruchte Rolle mit soviel Elan und Spielfreude ausfüllt, dass es kaum zu fassen ist. Wer Ullman kennt der weiß, dass sie jetzt nicht gerade wie eine Sexgöttin aussieht, doch was sie hier für eine geniale Show abzieht, dürfte wirklich niemand von ihr erwartet haben. Für mich ist ihr Auftritt hier jedenfalls einer der besten und abgedrehtesten, die ich in einer Comedy je zu Gesicht bekommen habe. Bravo!
Fazit: "A Dirty Shame" dürfte wohl einer durchgeknalltesten, abgefucktesten und durch und durch schwachsinnigsten Filme sein, die ich je zu Gesicht bekommen habe. Eine Sexcomedy vom anderen Stern, die wirklich so viel geballten Schwachsinn zu bieten hat, dass man seine Filmansprüche schnell auf ein absolutes Minimum stellt und sich von diesem Feuerwerk an schweinischen, blödsinnigen und dennoch rasend witzigen Jokes nur so berieseln lässt. Sexistische Gags im Sekundentakt und dabei einer abgedreht und blöder als der andere, dass muss man Waters erst einmal nachmachen. Trash-Freaks werden diesen Film jedenfalls vergöttern, auch weil ihre Freunde der anspruchsvollen Unterhaltung wohl dabei so richtig abkotzen dürften. Ich jedenfalls werde jetzt mal zusehen wo ich mir eine Kopfnuss einfangen könnte, vielleicht hilft es ja.;)
Wertung: (völlig versaute) 7/10 Punkte