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Tobey Maguire spielt einen Jungen, der in einem Waisenhaus aufwächst, wo ihn der leitende Arzt, gespielt von Michael Caine, der illegalerweise Abtreibungen vornimmt, unter seine Fittiche nimmt und ihm sein gesamtes medizinisches Wissen vermittelt, da er ihn als seinen Nachfolger im Waisenhaus sieht. Der junge, der die weite Welt sehen möchte, beschließt jedoch das Waisenhaus zu verlassen und als Apfelpflücker auf einer Plantage zu arbeiten, wo er sich in die Frau des Besitzers, gespielt von Charlize Theron, verliebt.

In der Romanvorlage von James Irving stand die Determination des menschlichen Lebens im Vordergrund und wurde durchaus vielschichtig behandelt. Diese vielschichtigen Ansätze werden zugunsten einer ästhetischen Darstellung und einer glatter verlaufenden Handlung jedoch kaum auf die Leinwand gebracht, was den einen oder anderen sehr stören wird, aber ein ansehnliches, bewegendes Drama ist "Gottes Werk und Teufels Beitrag" dennoch geworden.

Die Charakterkonstruktion gelingt dabei sehr gut. Gut-Böse-Klischees werden gänzlich verhindert, jede Handlung der, alles in allem sehr realistisch gestrickten Figuren ist durchaus nachvollziehbar, die Identifikation mit den Charakteren ist damit möglich, sodass der emotionale Zugang des Zuschauers zum Film garantiert ist. Die Handlung ist ebenfalls realistisch, ist sehr dramatisch und ergreifend gestrickt, bleibt zu jedem Zeitpunkt unvorhersehbar und da fällt kaum noch ins Gewicht, dass die philosophische Tiefe der Vorlage nur noch in Bruchstücken zu finden ist. Wenn es um die Determination des menschlichen Lebens geht, äußert sich dies meist in ziemlich intelligenten Dialogen über die Abtreibung, die der Arzt des Waisenhauses vornimmt, obwohl er nicht darf, die sein Schüler aber nicht gut heißt. Zudem schließt sich der Kreis am relativ denkwürdigen Ende, das durchaus zur Interpretation des Stoffs anregt und damit hat der Film eine gewisse Tiefe, auch wenn mehr drin gewesen wäre.

Lasse Hallström leistet bei der Inszenierung enorm starke Arbeit und liefert einen bewegenden Film ab. Der Score, meist bestehend aus Klaviermusik, ist einfühlsam und rührend, allein durch diese hervorragende Musik ist "Gottes Werk & Teufels Beitrag" schon Gefühlskino der Extraklasse. Hinzu kommen die bildschöne Optik, die sehenswerte Apfelplantage, die wunderschöne Charlize Theron und andere optische Reize fängt Hallström hervorragend ein und baut so die enorm emotionale Atmosphäre noch weiter aus. Das Erzähltempo ist dabei angenehm ruhig, der Film wirkt nie überhastet, ist durch die Atmosphäre und die überragenden Darsteller aber dennoch rührend und baut zum Ende hin immer mehr Dramatik auf. Hallström leistet sich dabei keinen einzigen Fehler in der Dramaturgie und fesselt den Zuschauer so immer stärker. Auch wenn man dieses Attribut eher selten für Filme verwendet, aber dieses Werk ist einfach wunderschön.

Tobey Maguire, der zuletzt in "Pleasantville" eine starke Leistung ablieferte, zeigt hier die bis dato beste Darstellung seiner Karriere. Er ist enorm sympathisch und zieht so direkt das Mitgefühl des Zuschauers auf sich und spielt seine Rolle sehr intensiv und ehrlich, sodass alle Gefühlsregungen echt wirken. Michael Caine, der hier nach "Hannah und ihre Schwestern" seinen zweiten Oscar in Empfang nehmen durfte, überzeugt erneut mit seiner kantigen, britischen, aber doch ungemein sympathischen Art, mit der er perfekt in die Rolle des Waisenheimleiters passt. Seine Darstellung ist rührend und definitiv die beste im Film. Charlize Theron, die glücklicherweise auch diesmal keine Möglichkeit auslässt, um sich zu entblättern, darf mal wieder in die Rolle einer Verführerin schlüpfen, auch, wenn sie diesmal keinen verschlagenen, skrupellosen Charakter mimt, meistert die Rolle aber dennoch. Der restliche Cast ist vollkommen makellos, damit sind alle Darsteller über jeden Zweifel erhaben.

Fazit:
Auch wenn die Tiefe der Romanvorlage nicht ganz erreicht wird, ist "Gottes Werk & Teufels Beitrag" ein hervorragender Film, der mit seiner einfühlsamen Musik, der emotional mitreißenden Story, dem überragenden Cast und der rührenden Atmosphäre über die volle Laufzeit fesselt. Ein wirklich wunderschöner Film, den ich jedem ans Herz legen kann.

84%

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