Nach mehr oder weniger erfolgreichen Hollywood-Experimenten meldet sich Jackie Chan (Under Control) wieder in Hongkong zurück, und liefert gleich einen seiner besten Action-Kracher ab. Der gute Kung Fu-Clown macht in New Police Story Feierabend, denn Chan gibt sich hier härter, ernster, realistischer und kompromissloser als je zuvor. Seine Stunts macht er aber immer noch selbst, wenngleich allzu gefährliche Aktionen altersbedingt ausbleiben. Somit ist New Police Story kein reiner Martial Arts-Schinken, sondern ein düsterer Action-Thriller.
Inspektor Wing (Jackie Chan) ist ein höchst dekorierter und angesehener Polizist der Hongkonger Polizei. Eine lebende Legende, der Beste der Besten. Doch als eine brutale Bande Jugendlicher es auf alle Cops der Stadt abgesehen und Wings Einheit in einem Hinterhalt von der Gang gnadenlos hingerichtet wird, verliert er jeden Glauben an sich selbst. Der junge Cop Frank (Nicholas Tse) glaubt jedoch weiter an sein Idol und bringt Wing dazu, den Fall wieder aufzurollen. Gemeinsam treten sie den Kampf gegen die durchgeknallte Bande von Extremsport und Videogames begeisterten Rich-Kids an und diesmal kennt Wing keine Gnade...
Brutale und ernste Actionstreifen, wie sie Jet Li macht, waren bisher nicht so das Ding von Jackie Chan, da er stets viel Wert auf seine kleinen Fans gab. Darum gabs bisher auch keinerlei Erotikszenen in einem Jackie-Movie und die Action wurde überwiegend mit einem komödiantischen Touch versehen. Hier zieht Chan nun die Notbremse, um nicht für ewig als Martial Arts-Clown in Erinnerung zu bleiben. Schauspielerisch wurde er in seinen bisherigen Streifen nie großartig herausgefordert und auch Hollywood gab ihm diese Chance nie und stempelte ihn andauernd als prügelnden Komiker aus dem fernen Osten ab. New Police Story bietet Chan nun endlich die Gelegenheit, auch mal seine Fähigkeiten abseits des Martial Arts zu zeigen. Und das macht er garnicht schlecht, da man ihm sowohl den aufrichtigen Karriere-Bullen als auch das menschliche Wrack, das seinen Kummer in Alkohol ersäuft, jeder Zeit abkauft. Auch Nicholas Tse (Time & Tide) absolviert seinen Part recht gut und übernimmt für Jackie den Part des kämpferischen Comedians. Als lokaler Schurke und Obermacker der verzogenen Oberklasse-Bratzen haben wir dann noch Daniel Wu (Naked Weapon), der seine Sache auch zufriedenstellend macht.
An erster Stelle steht in New Police Story naturgemäß die Action. Und wenn Jackie Chan auf einem Film steht, dann ist diese auch naturgemäßg nicht von schlechten Eltern. So ist auch hier eniges los. Richteten sich die meisten von Jackies früheren Werke in erster Linie an die Kampfsport-Freaks, so hat man hier einen eher mainstreamigen Actioner, in dem auch mal allerlei Schusswaffen zum Einsatz kommen. Überraschend hart und blutig sind die lokalen Shoot-Outs und anderweitigen Actioneinlagen zudem auch noch. Hervorzuheben wäre an dieser Stelle natürlich die erste Konfrontation Wings mit den jugendlichen Cop-Killern in dem Lagerhaus-Labyrinth, wo er anschließend vergebens versucht seine Team-Mitglieder, darunter auch sein Schwager, zu retten und schmerzhaft ihren Tod mit ansehen muss. Hier sieht man Wing die inneren Qualen förmlich an. Weitere Actionhighlights sind der führerlose Bus in Hongkongs Straßen und das Finale. Aber ein bisschen Martial Arts wird einem dennoch serviert und vor allem das Duell im Legoland kann sich sehen lassen. Auch für ein paar tolle Explosionen wurde gesorgt. Die Handlung ist dabei zwar nicht immer logisch, aber streckenweise dennoch gut durchdacht worden. Hänger kommen kaum vor und desweiteren bedient man sich einiger Genre-Klischees. Somit ist Wing nach dem misslungenen Einsatz nach guter alter Genre-Regel erst einmal am Boden zerstört, entfremdet sich von Kollegen und Freundin, führt daheim einen Saustall, ehe Hoffnung in Form von Frank aufkreuzt, um ihm wieder auf den rechten Weg zu helfen. Auch die Zwischensequenzen mit Wings Verlobten gestalten sich, bis auf das Ende, wenig kitschig und unterstützt die Handlung noch in Form der Bomben-Szene vor dem Showdown. Allerdings fehlt es New Police Story an einem aktivieren, weiblichen Part wie Michelle Yeoh oder Shu Qi, der Wing und Frank tatkräftig zur Seite steht. Dafür bekommt man aber eine solide Schurkenriege geboten, der man mal wirklich die Pest an den Hals wünscht. Leider bekommen außer Daniel Wu's Charakter die reichen, verzogenen, extremsport- und videogamesüchtigen Bratzen, die aus Langeweile Cops abknallen, zu wenig Profil. Außerdem müssen nicht unbedingt alle ein Kindheitstrauma wie ihr Boss durchgemacht haben, das ihm erst den Antrieb für den Hass auf Cops gibt. Wahrscheinlicher ist, dass sie ihm aus purer Langeweile und Adrenalinantrieb blind folgen. Da hätte man eindeutig noch mehr heraus holen können. Für Spannung ist aber dennoch ständig gesorgt, und vor allem Wings Aufgaben zur Errettung seiner Einheit haben es spannungstechnisch in sich. Humor ist trotz des ernsten Plots durchaus vorhanden, und den Löwenanteil daran tragen diesmal nicht Jackies akrobatische Aktionen, sondern Franks Figur, die zudem mehr ist, als sie zu sein vorgibt. Schon allein an seiner Reaktion, nachdem er erstmals mit seiner Knarre geballert hat, sieht man, dass er eventuell doch keine Polizeiausbildung genossen hat. Mehr möchte ich aber nicht verraten. Zusätzlich aufgewertet wird das Szenario von dem recht passablen Score.
Im Endeffekt ist New Police Story einer von Jackie Chans besten Beiträgen und auch um einiges gelungener als seine Amerika-Ausflüge. Hoffentlich folgen noch ähnliche Werke, dann seien Jackie noch weitere von Erfolg gekrönte Jahre gegönnt, in denen er mal beweißen kann, dass in ihm ein Schauspieler steckt und er mehr als der stets gleiche Martial Arts-Clown ist, für den die Amis ihn gerne in ihren Filmen abstempeln.