Jackie Chan so ernsthaft wie nie zuvor in seiner gesamten Karriere. Für Hong Kongs neusten Actionhit "New Police Story" hat sich der grandiose Martial Arts-Star keinen geringeren als Regisseur Benny Chan geholt, der bereits bei "Who Am I?" das Zepter schwang und sich spätestens durch "Heroic Duo" einen Namen gemacht hat.
Zu Beginn sei gesagt, dass dieser Streifen trotz des gleichen Namens absolut nichts mit den vier vorherigen "Police Story"-Werken gemein hat. Jackie Chan spielt diesesmal einen harten Polizeihelden namens Wing, der seit einem fehlgeschlagenen Einsatz an der Flasche hängt und sich seine Existenz langsam aber sicher selbst zerstört. Auf der Jagd nach einer Bande geisteskranker und psychopathischer Jugendlicher wurde nämlich seine gesamte Einheit getötet. Erst als der Polizeifrischling Frank (Nicolas Tse) ihn überredet, zur Vernunft zu kommen und den Fall wieder aufzunehmen, beginnt Wing zu realisieren, dass er alles daran setzen muss, um die Wahnsinnigen zu stoppen und Gerechtigkeit walten zu lassen.
Ungewohnt brutal und ernsthaft gibt sich Jackie Chan in seinem neusten Werk. Er zeigt sich als verbitterter, aber dennoch kalter und abgebrühter Bulle, der höchstens mal in den Outtakes am Schluss lächelt, aber sonst immer eine böse oder deprimierte Miene auflegt. Der Einsatz von Waffen ist so exzessiv wie nie zuvor und die Zahl der Menschen, die auf brutalste Art und Weise ihr Leben lassen müssen, beinahe schon verhältnismäßig astronomisch hoch. Anders wie bei seinen letzten Hollywoodwerken à la "Tuxedo" wurde hier komplett auf Gags, Situationskomik oder Albernheiten verzichtet, und eine dramatische Entwicklung der Story angestrebt. Chan spielt dabei seine emotionale Rolle als zermürbter Polizist ohne Lebenswillen mindestens genauso gut wie seine Actionparts mit dem bekannten Kämpfergesicht. Zwar hätte die schauspielerische Leistung aller Beteiligten durchaus etwas besser ausfallen können, aber man nimmt den Protagonisten - allen voran Chan selbst - ihre Tränen und das Leid dennoch ab.
Diverse Ähnlichkeiten mit Benny Chans letztem Werk "Heroic Duo" sind leider nicht von der Hand zu weisen, was höchstwahrscheinlich auch daran liegt, dass beide Filme vom selben Drehbuchautor verfasst wurden. Darin liegt leider auch das einzig gravierende Manko von "New Police Story"; denn Schreiber Alan Yuen versteht es leider immer noch nicht, eine komplexe Story auf die Reihe zu bringen, die frei von absurden Plotlöchern oder Unplausibilitäten ist. Beinahe schon laienhaft muss sich die Erzählung in einigen Szenen seinen Fortlauf ermogeln, was beim Zuschauer sauer aufstößt. Immer wenn sich der Film in einer Sackgasse befindet, kommen da plötzlich Hinweise zur Auflösung des Falles ans Tageslicht, die schon seit Ewigkeiten bekannt waren, aber scheinbar niemanden vorher interessiert haben. Weiterhin prickelt die Geschichte auch nicht gerade vor Originalität, weshalb man sich manchmal durch obligatorische und vorhersehbare Szenen voller Klischees zwingen muss.
Allen Kritikpunkten zum Trotz schafft es Benny Chan dennoch, die eher dumpfe Story durchaus passabel zu inszenieren. Er bedient sich hierfür interessanter Kameraeinstellungen und Tricks, die zwar simpel erscheinen, aber effektive Wirkung erzielen. Ein allzu großer Effekte-Overkill wie in "Heroic Duo" wurde allerdings zum Glück vermieden.
Dass Jackie Chan in seinen Filmen immer eine positive Message unterbringt, ist löblich und allseits bekannt, aber hier wird vereinzelt wirklich etwas zu dick aufgetragen. Plakativ wird zum Beispiel eine anscheinend verblödete Jugend angeklagt, deren Gewalt und soziales Fehlverhalten auf den allseits bösen Computerspielen beruht. Ehrlich gesagt wäre hier weniger mehr gewesen.
Bei den Stunts läßt sich nur eins sagen: Jackie Chan is back to the roots! Zwar finden wir eher weniger Szenen, in denen der talentierte Haudrauf sein Können unter Beweis stellen kann, diese sind dafür aber umso schöner anzusehen. Seien es Prügeleien in einer Bar oder in der Lego-Kinderabteilung, alle Martial Arts-Moves sind wie immer perfekt choreographiert, ausgeführt und festgehalten. Wie dieser Mann auf seine alten Tage noch solche tötlichen Stunts und Verrenkungen hinbekommt, ist mir schleierhaft - aber da heißt es einfach Respekt zollen und die Show genießen, vorallem wenn das gute alte Glas wieder ins Spiel kommt (Freunde von "Police Story" wissen, von was ich rede). Überraschenderweise darf auch Jungstar Nicolas Tse sein Können unter Beweis stellen und stiehlt dem Altmeister in einigen Szenen sogar gekonnt die Show. Absoluter Hammer ist dennoch Jackies Stuntsequenz mit einem außer Kontrolle geratenen Doppeldeckerbus, der durch die Straßen Hong Kongs brettert. Wer denkt, dass die Busszenen aus "Police Story" Teil 1 und 2 nicht zu übertreffen sind, wird sich nun eines Besseren belehren lassen müssen, denn was Jackie hier leistet, ist das Eintrittsgeld für den Streifen allein wert. Weitere Szenen beinhalten dann beispielsweise wieder todesmütige Kletteraktionen an Wolkenkratzerfassaden. Natürlich sind die Prügeleien und Showeffekte für den Spaßfaktor mal wieder ein bißchen überzogen dargestellt, aber was kümmert das einen Jackie Chan-Fan schon? Absolut gar nicht - und das ist auch gut so... Denn alleine die Tatsache, dass all dies ohne den Einsatz lahmer Effekte aus dem Computer entstand, ist nach Chans letzten Hollywoodprojekten erfrischend und außerdem mehr als beachtenswert.
Als Darsteller hat man sich eine Riege junger und frischer Persönlichkeiten geholt, dennoch ist es vor allem Jackie Chan, der mit der Absolvierung seiner ernsthaften Rolle beweist, dass er nicht nur für Albernheiten, sondern auch für durchaus sensible und emotionale Schauspielerei zu gebrauchen ist. Sein Partner Nicolas Tse gibt sich durchaus Mühe, das Beste aus seiner Rolle rauszuholen und bringt etwas Wind in die Geschichte. Der Rest des Casts spielt eher durchschnittlich, aber einen Grund zur Klage gibt es nicht. Dass einige Charaktere etwas oberflächlich und flach geschrieben wurden, ist da schon viel frustrierender.
Es ärgert gewaltig, dass bei "New Police Story" ingesammt gesehen leider viel Potential verschenkt wurde. Traurigerweise bedient sich der Film einer oberflächlichen, ausgelutschten und teilweise zu weit hergeholten Story voller Löcher und Ungereimtheiten, und versucht dies nicht einmal zu verstecken. Positiv anzumerken sind allerdings der ernste Grundton, der Verzicht auf CGI und die seit Jahren besten Stuntszenen vom Großmeister höchstpersönlich. Wer an Filmen wie "Heroic Duo" Gefallen findet, mit einigen storytechnischen Defiziten klarkommt und endlich einmal wieder einen Chan Film mit toller Action abseits der dumpfen Hollywood-Klamaukgülle sehen möchte, sollte "New Police Story" auf jeden Fall eine Chance geben. Denn der Mann hat wieder einmal mehr bewiesen, dass er's immer noch drauf hat, und so kann ich beruhigt ein begeisterter Fan bleiben.