Der Soldat Paul (Pierre Clementi) kehrt traumatisiert und nur physisch genesen in seine Heimatstadt in Österreich nach dem 1.Weltkrieg zurück. Er ist depressiv, impotent (wie man später erfährt) und macht es seiner Umwelt nicht leicht, Zugang zu ihm zu finden. Den hat dann schließlich nur die 12jährige Nichte seines Dieners namens Eva (Katya Berger). Doch auch diese „Beziehung“ droht schließlich bald zu scheitern...
Um es vorwegzunehmen (und ich mag sleazige 70er-Jahre-Filme sehr!): ich fand Mimmo Cattarinichs Film geradezu beklemmend schmierig und z.T. unangenehm zu sehen, v.a. in den Szenen, in denen Paul von der nackten Eva fantasiert und ihr sogar ein Buch widmet, „Die Geschichte der Eva“. In diesem Tagebuch (was aus dem Off manchmal vorgelesen wird) zeigt sich, wie ich finde, die Tragik dieses Films: einerseits ist Eva ein „Venus“ mit den Augen einer erwachsenen Frau, andererseits steckt sie im Körper eines kleinen Mädchens und spielt doch unbewusst-bewusst mit ihren Reizen. Der Film versucht irgendwie, dem allen eine Tiefe zu geben und endet doch oft in der Schmuddelecke. Dazu eine Weichzeichneroptik in Reinkultur (David Hamilton hätte seine Freude gehabt), Softporno-Musik und eine oft nackte 13jährige Katya Berger, die in leichten Sommerkleidchen herumläuft und mit lasziv „zufällig“ gespreizten Beinen herumsitzt.
Ich würde den Film auch nicht mit, dem meiner Meinung nach, wesentlich gelungeneren Maladolescenza aus dem Jahr 1976 vergleichen, der eine düstere Dreiecksgeschichte erzählt, sondern definitiv mit David-Hamilton-Filmen. Aber wobei diese eine fast naive Unbekümmertheit im Umgang mit erotischer Weichzeichneroptik hatten, so torpediert Little Lips seine bemühte und vermeintlich tiefgehende Story durch die Anzüglichkeit oder sogar Peinlichkeit des Ganzen. Nie erfährt man, was Paul an Eva wirklich gefällt: ist es ihre Unbekümmertheit, ihre Naivität, ihr Körper? Mal behandelt er sie wie ein Dame (was grotesk wirkt), mal wie ein ungezogenes Schulmädchen. So bleibt am Ende ein fader Nachgeschmack und die Erkenntnis, dass nicht jeder kontrovers diskutierte Film der 70er eine Entdeckung ist.