Wie nicht anders erwartet, bestätigt auch „Jungleground“, dass Profi-Wrestler Roddy Piper („Back in Action“, „Tough and Deadly“) Mitte der Neunziger über Jahre hinweg für kurzweilige B-Action der gehobenen Kategorie stand, auf deren Qualität man sich stets verlassen konnte. Sein stets ironischer Umgang mit diesen anspruchslosen Rollen brachte ihm schnell Sympathien und eine nicht zu verachtende Fanschar ein, obwohl der nie zu den Ikonen des Genres zählte. Seine Anhänger kommen dank guter Actioneinlagen, einer flotten Story und Pipers vorlauten Kommentaren auch hier wieder auf ihre Kosten.
Das urbane Szenario von „Jungleground“ erinnert natürlich unweigerlich an „Escape from New York“ oder „The Warriors“ und die Story wurde von diesen Vorbildern ebenso abgekupfert. Ein heruntergekommenes, isoliertes Viertel, mit dem Rest der Stadt nur durch eine Brücke verbunden, wird hier zum Schauplatz für eine nächtliche Hetzjagd auserkoren.
In dem Ghetto werden momentan unzählige Drogendealer Opfer tödlicher Anschläge. Eigentlich eine gute Sache, aber eine nähere Untersuchung seitens der Polizei ist dennoch erforderlich. Der erfahrene Cop Jake Cornell (Piper) nimmt den schwellenden Bandenkrieg undercover unter die Lupe, wird jedoch enttarnt und muss als Gejagter in einem tödlichen Spiel bis zum Sonnenaufgang zur Wohnung seiner Freundin Sammy (Torri Higginson, „Airborne“, „Stargate: Atlantis“) zurückfinden, da sie sonst getötet wird.
Das Simpelszenario erfreut nicht nur mit seiner enormen Kurzweiligkeit, sondern vor allem auch mit seinem düsteren Flair. Regisseur Don Allan, der über dieses Debüt leider nie hinauskam, entfacht mit einfachsten Mitteln ein sehr atmosphärisches B-Movie, das sich vor den Klassikern des Genres gar nicht einmal zu verstecken braucht. Die dunklen Seitengassen und lediglich von brennenden Tonnen erhellten Straßenzüge machen einen sehr maroden Eindruck, überall stehen ausgebrannte Autowracks herum und säumt Müll die Straße. Das gesamte Viertel generiert einen wenig einladenden Eindruck und wird dementsprechend auch entweder von zwielichtigen Figuren oder Obdachlosen behaust. Die Aussage, dass sich die Polizei schon längst nicht mehr hierhin traut, sagt schon genug aus. Die daraus entstehende latent postapokalyptische Stimmung ergänzt sich dabei prima mit den Actioneinlagen.
Roddy Piper fühlt darin wie gewohnt ganz in seinem Element pudelwohl. Nach seiner fehlgeschlagenen Undercover-Operation in den Fängen Odins (JR Bourne, „Futuresport“, „The Butterfly Effect 2“) kommentiert er seine Situation lakonisch und wird von ihm dann als Freiwild eingestuft, auf das es eine Handvoll ausgewählte Jäger abgesehen hat.
Während dieser Jagd kommt Piper nebenher natürlich auch auf den Trichter, dass Odin, der vorgibt den Bandenkrieg nur zu führen, um das Viertel von Drogen zu befreien, in Wirklichkeit ganz andere Absichten hegt, hat aber vorwiegend alle Hände voll zu tun, sich seine Widersacher vom Leib zu halten.
Dies geschieht dann auch mit dem von Piper patentierten Humor. Staubtrockene Reaktionen („Miau“ Hehe...) folgen auf sarkastische Oneliner, die dann jeweils mit seiner spontanen „Mit dem Kopf durch die Wand“ – Mentalität garniert wird. Einen ganz so entnervten Eindruck hinterlässt er dieses Mal allerdings leider nicht, weil er sich mit seiner gefährlichen Situation ganz gut arrangieren kann, Action gibt es aber dennoch in ausreichendem Maß.
Von beeindruckenden Explosionen und toll gefilmten Autostunts (Das Übliche: Abheben, überschlagen, explodieren), denen man eine gewisse Ästhetik sicher nicht absprechen kann, gibt es noch die gewohnten Prügelorgien und blutige Shootouts zu sehen. „Jungleground“ bedient also die volle B-Action-Palette und die Qualität der Stunts überzeugt zudem auch (u.a. der Sprung durch die Glasscheibe in Slowmotion)
Positiv fallen neben Piper vor allem die durch die Bank weg sehr ordentlich spielenden Akteure ohne Ausfälle auf. JR Bourne könnte als Bösewicht noch etwas mehr Charisma vertragen, aber Torri Higginson als seine Freundin und Rachel Wilson („Sonny by Dawn“) als Nutte Posie, die ihn als Einzige unterstützt, hinterlassen einen durchweg guten Eindruck.
Obwohl sich das Drehbuch von Michael Stokes („Sabotage“, „Max Havoc: Ring of Fire“) zwischenzeitlich Auszeiten gönnt (der aufdringliche Galerist macht kaum Sinn) und sich Überraschungen wie Innovationen ebenso verbittet, kann „Jungleground“ sich seiner Sympathien immer sicher sein, weil man sich auf das Wesentliche konzentriert. Das sind in diesem Genre nun einmal Action und Kurzweiligkeit. Davon hat der Film auch dank seiner stimmigen Kulissenauswahl bis zum Schluss mehr als genug.
Jeder Fan von Roddy Piper und speziell seinen Filmauftritten kann hier also ruhigen Gewissens zugreifen, zumal er in den Prügeleien auch wieder diverse Wrestling-Moves zum Besten gibt und in diesem düsteren Szenario wie gewohnt aufgeht.
Dass ausgerechnet der leider kurz danach verstorbene Blockbuster-Produzent Don Simpson („Bad Boys“, „The Rock“) im Hintergrund fungierte, mag darüber hinaus etwas kurios erscheinen, vermutlich hat er den Film aber mit in die richtige Richtung beeinflusst.
Fazit:
Guter B-Actioner im urbanen Ambiente, der durch die Bank weg den Genrefan überzeugt. Vornehmlich mit den atmosphärischen Kulissen glänzend, platziert Don Allan souverän gut inszenierte Actionszenen der kompletten Bandbreite und kann sich voll und ganz auf Roddy Piper verlassen, der wie gewohnt eine gute Figur abgibt. Dass er darüber hinaus wieder mit Humor glänzt, bringt noch einen weiteren Vorteil mit sich. Dank der zweckmäßigen Direktheit der Geschichte und eines soliden Spannungsbogens wird man letztlich rundum bedient. Macht definitiv Spaß.