Ist einem der Einstieg in die Welt der Trash-Movies einmal erfolgreich gelungen scheint der Fundus an Filmen schier unerschöpflich und zwangsläufig führt dabei auch kein Weg an philippinschen Filmen der Handelsklasse B vorbei.
Diese Produktionen standen den europäischen und amerikanischen Pendant in nichts nach und der geneigte Fan bekam auch in diesen Produktionen eine Menge Gewalt, nackte Haut und kohärente Plots geboten.
"Liebling, ich habe den Agenten geschrumpft"
würde einen schönen Alternativtitel für dieses philipinsche James Bond Rip-Off abgeben.
AGENT 003½ bildet mit AGENT 00 und THE IMPOSSIBLE KID eine Trilogie um den Mini-Agenten, der von Weng Weng verkörpert wird und hat nun auch endlich eine deutsche DVD-Veröffentlichung bekommen.
Allein schon durch die körperliche Präsenz von Weng Weng ist AGENT 003½ als Kuriosum zu bezeichnen, welches dem großen Vorbild James Bond aber in nichts nachsteht.
Sichtlich macht sich auch bei den Gadgets mit denen der Agent ausgestattet wird mehr als bemerkbar und der hier vorkommenden Hut mit scharfer Überraschung in der Krempe war ja auch schon in einem James Bond Film zu bewundern.
Aber auch bei der Charakterzeichnung steht Weng Weng dem höher gewachsenem Briten in nichts nach - in bester Ladykiller Manier wickelt auch der grade mal 83 Centimeter große Haudegen die Frau um den Finger.
Beim musikalischen Titelthema hat man sich für AGENT 003½ auch von James Bond inspirieren lassen und bevor Weng Weng in der Opening-Sequenz das erste mal in Erscheinung tritt, sieht alles noch nach dem britischen Original aus.
Interessant ist, das AGENT 003½ eigentlich nicht als Parodie auf die James Bond Filme gedacht war und auch keine Komödie darstellen sollte.
Dies kam erst durch die Synchronisationen - im englischen als auch im deutschen - zu Stande, was dem Film aber eine charmante Note verpasst und in meinen Augen nicht schadet - man könnte schon fast behaupten das diese Synchro den Film in seinem wahren Bestreben sabotiert.
Der Betrachter bekommt hier durch diese Synchro einiges an Schenkelklopfern geboten, wie man sie sonst nur in Filmen wie DAS SÖLDNERKOMMANDO, DJANGO NUDO oder 3 ENGEL AUF DER TODESINSEL vorfindet - man könnte fast meinen Rainer Brandt wäre hier für die zotige Synchro zuständig gewesen.
Sprüche vom Kaliber wie"
Mein Affe trägt 'nen Colt. Dir haben sie wohl ins Gehirn geschissen!" oder „
Deine Zähne sind schon ganz braun vom Scheiße labbern!" gehören hier zum guten Ton und stehen selbstredend für das was der Zuschauer hier um die Ohren gehauen bekommt - das dabei kein Auge trocken bleiben dürfte versteht sich von selbst.
Genau diese launig-markante Synchro macht den Film auch wesentlich gourtierbarer als er im O-Ton wahrscheinlich wäre - denn immer wenn sich eine narrative Durststrecke bemerkbar macht, hängen sich die Sprücheklopfer mit ihrer gesamten, hahnebüchener Ideenvielfalt voll rein um den Zuschauer bei Laune zu halten.
In AGENT 003½ kommt aber auch der Action-Fan voll auf seine Kosten und bekommt handfeste Keilereien und Schußwechsel im Minutentakt geboten.
Wirklich genial ist dabei Weng Weng's Lieblingsmove, bei dem er seinen Gegnern in die Weichteile tritt, durch ihre Beine hindurchschlüpft um ihnen dann den finalen Handkantenschlag zu verpassen - etwas das erst durch die Kleinwüchsigkeit des Hauptdarstellers möglich gemacht wird.
Bei den Schußwechseln profitiert der Film auch wieder von dieser Körpergröße, da Weng Weng prädestiniert ist auch in engen Räumen über den Boden zu rutschen und die Gangster mit seiner 25er Spezial auszuschalten.
Insgesamt gesehen kann man zweifelsohne behaupten, das etwas in dieser Art nur in den Agentenfilmen mit Weng Weng vorzufinden ist.
Von den hier agierenden Protagonisten darf man nicht zuviel erwarten, da sich diese alle auf Laienniveau bewegen und Weng Weng die Hauptattraktion ist.
Der Mini-Agent gibt aber wirklich alles und fliegt wie ein geölter Blitz die Treppen hinunter und verteilt Tritte und Schläge das die Schwarte kracht - alle Stunts und Kampfchoreographien wurden übrigens von ihm selbst performt und kein Double war dafür zuständig.
Die restliche Riege der Darsteller aber als Knallchargen zu bewerten, wäre ihnen nicht wirklich fair gegenüber.
Um ihre darstellerischen Qualitäten objektiv bewerten zu können, sollte man den Film nämlich im O-Ton mit sinngemäßen Untertiteln schauen.
Zu Eingang der Bewertung wurde schon die musikalische Untermalung des Films erwähnt und diese ist wirklich gelungen und lobenswert.
Neben dem verwursten des James Bond Titelthemas gibt es hier unter anderem auch eine instrumentale Philipino-Version von Earth, Wind and Fire's "Boogie Wonderland" zu hören, zu dem Weng Weng sogar in der Disko das kurze Tanzbeinchen schwingt.
Beindruckend in AGENT 003½ sind wahrlich die Gadgets die hier aufgefahren werden - Pistolen-Kugelschreiber, Flugregenschirm, Jetpack, Röntgenbrille oder fliegende Hutwaffen sind nur einige der Gimmicks, die selbst "Q" für den britischen Agenten nicht besser hätte entwerfen können.
Das der Film storytechnisch nicht viel hergibt, sollte beim Lesen dieser Rezension jedem klar sein.
So hangelt sich unser Agent eigentlich von einer Klopperei bzw. Schießerei zur anderen um sich im Finale mit Mr. Giant in einem Kung Fu Duell gegenüber stehen zu können.
In diesem Finale - wenn Mr. Giant in seiner vollen Größe präsent ist - gibt es sogar nochmal eine im wahrsten Sinne des Wortes kleine Überraschung.
Gesamt gesehen bekommt der Trash-Fan hier einen leicht kuriosen, kurzweiligen Actionklopper der erst durch die launisch-markante, deutsche Synchro voll zur Geltung kommt.
8,5 von 10 Mini-Agenten