Klaas Donkers sieht nett aus. Zottelige Haare, ein bißchen verkifft, Strohhut auf dem Köpfchen. Kumpel Arie sieht nicht nett aus. Bullig, verschroben, kurze Haare, Kampfsportler. Doch der Schein trügt. Klaas hat den unbändigen Willen Millionen zu verdienen - und mit ehrlicher Arbeit funktioniert das nicht so ganz. Was tun?
Ganz einfach: Groß ins Drogengeschäft einsteigen. "Preacher" zeichnet Aufstieg und Fall des Haschpapstes nach - doch im Gegensatz zur Realität erleben wir hier ein fast lächerlich wirkendes Pseudo-Epos eines kleinen Buben, der durch Zufall und Glück die ganz großen Bosse aus dem Geschäft vertreiben kann und es mit der gesamten Drogenmafia aufnimmt. So unrealistisch der Film wirkt, so sehr beruht er allerdings auf Tatsachen - nur leider ziemlich unprofessionell umgesetzt.
"De Dominee" hat seinerzeit unbestritten eine steile Karriere im Milieu hingelegt, doch keineswegs so klischeehaft wie im Film nun dargestellt. Fast wie ein Stümper wirkt Klaas, sein Kumpel Arie von Gewissensbissen geplagt. Die eingeflochtene Lovestory um Blondchen Annet wirkt wie der Versuch dieses holländische B-Movie auf Hollywood-Niveau zu hieven, versagt aber bereits im Ansatz. Nicht mal Holländerinnen, und wenn sie noch so blond sind, gestehen vor dem ersten Kuß einem dahergelaufenen Haschdealer ihre "unheimliche Liebe".
Schade, daß so wenig auf das sagenhafte Beziehungsmanagement eingegangen wird, das "de Dominee" auszeichnete. Sein Geschick im Umgang mit Menschen, sein Feingespür für Chancen und Risiken, seine menschliche Art waren es letztlich, die ihm zum großen Erfolg verhalfen. Er verstand es, Menschen an sich zu binden, letztlich auch abhängig zu machen und damit ein internationales Geflecht von "Freundschaft" zu schaffen, das ihm den Machterhalt sicherte. Im Film kommt dies lediglich in einer Nebenszene zum Ausdruck, als Arie aussteigen will und Klaas ihn anschreit, daß er in Marokko "staatsmännischer empfangen wird als der eigene Ministerpräsident".
Eine etwas zu schnell entstehende Liebesgeschichte (Blondchen umringt von Männern, aber selbstverständlich brav und artig, verliebt sich auf den ersten Blick in Klaas), wenig Wert auf Klaas' Geschäftssinn, zu starke Fokussierung auf das typisch klischeehafte Milieu der Straßenkriminalität, Ferraris und Schlösser, Geld und Sektempfang, Auftragsmorde und Schiessereien - all dies wird der wahren Lebensgeschichte des Haschpapstes in keinster Weise gerecht.
Aber auch eigenständig betrachtet bleibt der Film langweilig. Gewollt gestaltete Gedankensprünge, Andeutungen, getragene Filmmusik, harte Schnitte - all das mag das Tüpfelchen auf dem "i" sein um aus einem guten Film ein Highlight zu machen, aber wenn es an der Basis fehlt reicht das als Substanz letztlich nicht aus. Der Zuschauer mag dem Film teilweise schwer folgen, eine wirkliche Beziehung zu den Protagonisten lässt sich so nicht aufbauen.
Die Schauspieler sind indes nicht ganz unschuldig an der Misere: Weder Peter Paul Muller (als Klaas Donkers) noch Frank Lammers (als Adrie Slotemaker) können als Sympathieträger dienen - zum einen wegen Mängel am Drehbuch was keine Ausarbeitung der Charaktere zuliess, zum anderen aber auch wegen hingeschlurt wirkender Mimik und Gestik. Chantal Janzen (als Annet) sieht wenigstens gut aus - aber Attraktivität alleine bringt nunmal auch keine Lorbeeren.
Handwerkliche Fehler, durchschnittliche Schauspieler, ein unbefriedigender Plot, klischeeüberladene Szenen - "Preacher" wirkt wie gewollt aber nicht gekonnt. Schade, denn wer sich mit dem "Dominee" beschäftigt findet unglaublich spannende Literatur oder Dokumentationen. Dieser Spielfilm wird der Erwartungshaltung leider in keinster Weise gerecht.
(3/10)