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Produzent Erwin C. Dietrich und Regisseur Jess Franco stehen nicht gerade für qualitativ hochwertige Filme. Während Ersterer in den 60er und 70er Jahren mit Titeln wie „Robin Hood und seine lüsternen Mädchen“ Erotik-Trash en masse produzierte, sorgte Enfant Terrible Jess Franco vor Allem mit seinen „Frauenknast“-Filmen im gleichen Zeitraum für erhitzte Gemüter, welche frauenfeindliche „Sexploitation“ in Reinkultur darstellten. Auch „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ kann man ebensolche Tendenzen unterstellen, allerdings ist dieser Film ungleich künstlerisch anspruchsvoller geraten.

Zur Story: Ein wohltätiger Arzt (perfekt besetzt: Klaus Kinski) tötet im London des 19. Jahrhunderts Prostituierte. Scotland Yard tappt lange Zeit im Dunkeln, bis sich die intelligente Frau des Inspektors (Josephine Chaplin) als Dirne „verkleidet“ und „Jack the Ripper“ aufstöbern will. Ein gefährliches Unterfangen…

„Jack the Ripper“ hat schon viele Filmemacher zu ihrer Version des mittlerweile klassischen Stoffes ermutigt. Zuletzt die Hughes-Brüder, welchen mit „From Hell“ wohl eine der stilistisch am meisten ausgeprägten Verfilmungen gelang. Natürlich kann sich „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ mit dieser Version nicht messen, liefert jedoch mit der originellen Spekulation um einen der ersten Serienmörder der Kriminalgeschichte eine interessante Interpretation ab. Jess Franco – welcher auch das Drehbuch schrieb – gelang ein größtenteils spannender und atmosphärischer Film, welcher von „Bad Boy“ Klaus Kinski („Aguirre – Der Zorn Gottes“) als Prostituiertenmörder souverän getragen wird. Wabernde Nebel in Londons dunklen Straßenschluchten und suggestive Spannung in authentisch wirkendem Zeitkolorit verleihen dem Film ebenso wie die ausgefeilte Optik eine schaurige sowie atmosphärisch düstere Note. Jedoch tritt bei aller Stilsicherheit dieses fesselnden und gruseligen Films ab und zu Francos nahezu zelebrierte Frauenfeindlichkeit allzu offensichtlich zu Tage. Wenn beispielsweise in harter Splatter-Manier den Frauen – in heute antiquierten Effekten - ihre Brüste abgeschnitten werden, gefällt das vielleicht dem Horrorfan, nicht jedoch dem Fan stilvoller und spannender Krimi-Unterhaltung. Auch auf einen einfallsreichen Showdown oder auf eine Pointe, die dieser raffinierte Thriller eigentlich verdient hätte, wartet man vergebens. Doch zumindest beweist Jess Franco mit seiner „Jack the Ripper“-Variante, dass er auch trotz einiger nackter Haut und derber Splattereffekte einen stilistisch anspruchsvollen und mitreißenden Film inszenieren kann.

Fazit: „Jack the Ripper“ ist bis heute einer der besten Filme aus dem Schaffen von Trash-Filmer Jess Franco. Obwohl die Dramaturgie einige Löcher aufweist, überzeugt der Film mit exquisiten Bildern und einer schaurigen Atmosphäre, welche ein hohes Maß an suggestiver Spannung generiert. Klaus Kinski spielt eindringlich und die Inszenierung ist weitgehend stilsicher; einige Splatter-Einlagen und rüde Trash-Elemente dürften jedoch das Publikum polarisieren.

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