Genmanipulation ist auch vierzig Jahre nach dem Erscheinen von "Labor des Grauens" ein brisantes Thema, nur dass seinerzeit viel hanebüchener Umfug verzapft wurde und heute konkrete Vorstellungen vorliegen. Aber auch die dazugehörige Freakshow ist ein Thema, welches arg von Brownings Klassiker "Freaks" abkupfert, indem echte Missgebildete zur Show gestellt werden, was zwielichtige Eindrücke hinterlässt.
Professor Nolter (Donald Pleasance) experimentiert seit Jahrzehnten innerhalb der Genforschung und versucht nun, Pflanzen mit Menschen zu kreuzen. Dafür lässt er junge Menschen entführen, was sein entstellter Kollege Lynch übernimmt, der eine Freakshow leitet. Als die Freunde eines entführten Opfers einigen Spuren nachgehen, wird die Luft dünn für Nolter und sein Gefolge...
Regisseur Jack Cardiff hatte seinerzeit offenbar einen Narren an Zeitrafferaufnahmen gefressen, denn diese gibt es in Hülle und Fülle und gleich während des Intros werden einem schnell wachsende Pilze und Lilien unter die Nase gerieben. Zugegeben: Die Entwicklung einiger Blüten hat so seinen Reiz, doch nach gefühlten zehn Minuten sind auch irgendwann alle Pflanzen durch, während der Score zwischen Jazz und LSD-Trip auch nicht gerade vertrauenerweckend rüberkommt.
Derweil gibt Pleasance den irren Wissenschaftler solide, jedoch unauffällig, während sich ansonsten kaum ein Sympathieträger hervortun kann, was das Mitfiebern nicht sonderlich erleichtert. Ein paar nackte Tatsachen am Rande bringen rein gar nichts, nur Teile der Freakshow schüren für eine Weile Atmosphäre, auch wenn sie deutlich vom Kern der eigentlichen Geschichte abweichen.
Wie schon anno 1932 sollten die echten Missgebildeten für mehr Toleranz sorgen, doch sie werden auf der Bühne dermaßen vordergründig präsentiert, dass das Ganze eher einem Kuriositätenkabinett gleicht, auch wenn einige Maskeneffekte reichlich nach Billiglatex aussehen. Immerhin dürfte so manchem Zuschauer "Pop-Eye" Willie Ingram bekannt vorkommen, denn der kann auf Kommando seine Augäpfel hervorstehen lassen, was grundlegend eine Mischung aus Faszination und Ekel hervorruft.
Ansonsten kommt im Labor nicht viel mehr herum, als dass Kaninchen an überdimensionale Fleisch fressende Pflanzen verfüttert werden, etwaige Experimente kaum zu sehen sind und lediglich eine Mutation gegen Ende für kleinere Horroreinlagen sorgt. Blut fließt derweil gar nicht und auch wenn die Kostüme und das Make-up überwiegend okay gestaltet sind, wirkt die Aufmachung stellenweise recht schrill und bunt, was zuweilen ins unfreiwillig Komische abdriftet.
Die Mischung aus "Freaks", dem üblichen Gedöns um einen Mad Scientist, ein wenig "Augen ohne Gesicht" und etwas mehr "Frankenstein" liefert im Endeffekt kaum spannende Momente, stimmungsvolle Szenen schöpft die Erzählung aus dem Verhalten der "guten" Freaks und wenn am Ende mal wieder das Labor brennt, stellt dies fast schon den Höhepunkt des ansonsten eher ereignislosen Treibens dar.
Okay für Nostalgiker, zu lahm für die breite Masse an Genrefans.
5 von 10