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Nach dem riesigen Erfolg von „Bloodsport“ hatte sich Jean-Claude Van Damme als Actionstar etabliert und lieferte nach „Leon“ die zweite Regiearbeit mit Sheldon Lettich ab. Insgesamt haben die beiden bis heute vier Filme zusammen gedreht, aber nur „Leon“ und „Geballte Ladung - Double Impact“ konnten wirklich überzeugen. Auch haben beide hier zusammen am Drehbuch mitgeschrieben und man kann die Story als durchaus gelungen bezeichnen. Van Damme produzierte den Film auch und er hatte ein US-Einspielergebnis von 30 Mio. $.

Kurz nach der Eröffnungsfeier eines neuen Tunnels werden die Eltern von Chad (Jean-Claude Van Damme) und Alex (ebenfalls: Jean-Claude Van Damme) von Nigel Griffith (Alan Scarfe) und seinem Partner Raymond Zhang (Philip Chan) ermordet. Als der Bodyguard Frank Avery (Geoffrey Lewis) bei der Familie auftaucht findet er neben den Leichen die beiden Zwillingsbrüder vor. Während die Haushälterin Alex mitnimmt und in einem Waisenhaus unterbringt, nimmt sich Frank Chad´s an und beschließt ihn selbst in L.A. groß zu ziehen.
25 Jahre später erfährt Chad von Frank die Wahrheit über die damaligen Geschehnisse und teilt ihm mit, dass beide unbedingt nach Hongkong fliegen müssen. Dort trifft Chad auf seinen Zwillingsbruder Alex und nach anfänglichen Raufereien werden beide von Frank überzeugt, die Mörder ihrer Eltern zu rächen und ihr rechtmäßiges Erbe anzutreten.

Ganz klar beschränkt sich die Story nur auf das Nötigste, vor allem um dem Zuschauer die ersten Minuten des Films zu erläutern. Dabei ist die Idee mit den Zwillingen gar nicht mal so übel. Denn da beide in verschiedenen Metropolen aufgewachsen sind und jeder einen anderen Lebensstil führt, gibt es reichlich Humor und einige Sprüche. Vor allem könnten beide unterschiedlicher kaum sein. Während Alex ein zigarrenrauchender, krimineller Bad Boy, mit Drei-Tage-Bart ist, hat Chad eher die Sonnenseite des Lebens kennen gelernt und arbeitet in einem Fitnessstudio, das er zusammen mit seinem angeblichen Onkel Frank führt. Hier treffen zwei Welten aufeinander, der eine hart, der andere smart. Da sich beide nicht besonders riechen können, nutzen beide jede Situation aus um den anderen lächerlich zu machen (Stichwort: Mr. Seidenunterwäsche). Zwischendurch gibt es noch eine Liebesgeschichte mit Alex Frau Danielle (Alonna Shaw). Dabei passt es ihm natürlich gar nicht wenn sein Bruder Chad die Zeit alleine mit seiner Frau verbringt. Also gibt es hier den typischen Machtkampf ums andere Geschlecht und jeder will zeigen das sein Machotum das Größere ist. Doch mit solchen Szenen hält sich Regisseur Sheldon Lettich glücklicherweise nie zu lange auf, so dass sich die beiden ungleichen Brüder schnell zusammenraufen und es ordentlich bald was auf´s Fressbrett gibt.

Dabei sind die Actionszenen das Prunkstück dieses Films. Wie schon erwähnt gibt es ordentlich auf die Mütze. Nur leider sind die Fights meist immer schnell geklärt, dennoch gibt es einige schöne Moves von Van Damme, wie die üblichen Karate -und Kickboxeinlagen des sportlichen Belgiers. Vor allem der Schattenkampf hat mir gut gefallen, auch wenn dieser ebenfalls recht schnell geklärt wird. Die Shootouts sind hart und auch ziemlich blutig (vor allem die Erschießung der Eltern) und auch in Zeitlupe gefilmt. Explosionen gibt es auch einige zu bewundern und ab Filmhälfte zwei besteht der Film sowieso nur noch aus solchen und einem breit gefächerten Actionprogramm.
Die Tatsache das man hier Jean-Claude Van Damme in manchen Szenen sogar doppelt zu sehen bekommt, war für das Entstehungsjahr 1991 wirklich sehr professionell und ziemlich überzeugend dargestellt. Zwar bemerkt man beim genauen Betrachten leichte Konturen, woraufhin man sehen kann das man dann einen von beiden ins Bild eingefügt hat. Auch hat man sich einige Tricks einfallen lassen, wie z.B. wenn beide in einer Szene zu sehen sind in der Mitte des Bildes ein schwarzer Hintergrund ist. Für andere Szenen hat man Doubles genommen, welche ihren Job gut machen und Lettich immer für den richtigen Schnitt sorgt und es keine nennenswerten Filmfehler gibt.
Die Locations sind gut gewählt und bestehen aus dem sonnigen L.A., bis hin zur Weltstadt Hongkong. Hier bekommen wir dreckige Hinterhöfe, enge Gassen und den für diese Stadt typischen Menschenauflauf präsentiert. Das Finale findet auf einem Hafen statt und erinnert ein wenig an „Lethal Weapon 2“.

Jean-Claude Van Damme hat hier sehr viel Spaß bei der Darstellung der unterschiedlichen Brüder. Egal ob als Alex oder Chad, er bringt jeden von beiden glaubhaft rüber. Dabei muss er sich ganz schön ins Zeug legen und hat auch eine Menge zu tun.
Auf der Fieslingsseite sind Alan Scarfe und Philip Chan ganz brauchbar, vor allem letzterer ist für so eine Rolle genau der richtige Mann.
Geoffrey Lewis ist als Frank durchaus ein Gewinn, denn er peppt den Film irgendwie auf, während Alonna Shaw nur ihre sexy Frauenrolle runterspielt und dabei noch eine kurze Sex/Nacktszene mit Van Damme hat.
In einer Nebenrolle ist noch Bolo Yeung („Bloodpsort“) als Van Damme´s Gegner zu sehen.

Ganz klar ist „Geballte Ladung - Double Impact“ Sheldon Lettich´s bester Film. Allerdings ist der Film erst mit der Mitwirkung von Vic Armstrong als Gelungen zu betrachten. Denn dieser weiß wie die Actionszenen aussehen müssen, so dass der Genrefreund zufrieden ist. Der Film bietet gute solide Action und Van Damme hatte an seiner Doppelrolle enormen Spaß was man ihm auch anmerkt.
Es gibt einige blutige Einschüsse und die Kämpfe sind gut choreographiert.
Jeder der auf gute Action steht und der damit leben kann dass die Story eher zweitrangig ist, für den ist der Film allemal zu empfehlen.
In meiner Fernsehzeitschrift in den 90ern, weiß nicht mehr genau welche das war (glaube TV Today) stand folgender Satz unter dem Fazit:
“2 x Van Damme bedeutet doppelter Stumpfsinn, aber auch doppelte Action“.
Besser und treffender hätte man es nicht formulieren können.

Die Neuauflage des Films auf DVD ist von MGM sehr gut geworden. Das Bild ist klar und deutlich, genauso wie der deutsche/englische Sound, auch wenn beide nur in Dolby Surround 2.0 vorliegen (berücksichtigt wird hier das Alter des Films).

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