Wes Craven brauchte Geld, drehte lustlos ein Sequel zu „The Hills Have Eyes“, das jedoch erst im Zuge seines folgenden „Nightmare on Elm Street“-Durchbruches so richtig an den Mann gebracht wurde.
Einige Jahre nach dem Zusammentreffen mit den mörderischen Kannibalen ist der jüngste Sohn der Familie zum Teenager gereift und kaut seine Erlebnisse seinem Psychiater und seinen Freunden vor, die ihm aber alle nicht so recht glauben wollen. Damit wäre Sohnemann auch raus aus dem Film, denn er bleibt lieber zuhause, während der Rest der Clique zu einem Motorradrennen aufbricht und dabei durch die Kannibaleneinöde düst. Insofern hätte man ihn beinahe weglassen können, doch mit wirklich viel Liebe ist dieses Filmchen eh nicht geschrieben.
Natürlich nimmt die Clique noch die Abkürzung durchs unbewohnte Gebiet, allen Warnungen zum Trotz – soviel Dummheit gehört nach Darwin bestraft. Deshalb bleiben die Evolutionsbremsen mit ihrem Bus liegen und dürfen sich mit den ortsansässigen Kannibalen rumschlagen...
Im Gegensatz zum ersten Teil ist „The Hills Have Eyes 2“ kein reinrassiges Terrorkino, über weite Strecken hinweg eher ein Slasher mit Kannibalen als Täter. Wobei deren Fresstrieb hier quasi gar nicht mehr thematisiert wird; außerdem ist es nur noch ein Duo und keine Familie, die hier Jagd auf die Teenie-Dumpfbacken macht. Die beiden unterscheiden sind nur durch Fallenbau und Rennerei ein wenig von Jason und Co., sind aber profillose wie austauschbare Bösewichte.
Was sogar gar nicht mal schlecht passt, denn ebenso profillos und austauschbar ist auch die Metzelmasse geraten. Eine ist blind, der Quotenschwarze mit schwarzer Freundin turnt herum (gemischte Beziehungen? So liberal wird es dann nicht), aber das ist dann auch das Maximum an Individualität, das den Teens zugesprochen. Selbst die domestizierte Wilde aus dem ersten Teil, die Teil der Clique ist und ihre Herkunft später enthüllt, ist nur geringfügig tougher als ihre Kameraden. Zudem wechseln die Machtverhältnisse eh blitzschnell: Mal sind die Bösen unaufhaltbar, mal ganz einfach zu verprügeln.
Also schaut man dem Völkchen zu, wie es sich immer möglichst dumm verhält, sich also trotz Warnungen von der Gruppe entfernt, in unbekanntes Gebiet losprescht oder sich nicht ausreichend bewaffnet. Wer stirbt und wer nicht, das ist bereits nach 10 Minuten klar, von Spannung ist da nur selten was zu merken – man merkt „The Hills Have Eyes 2“ schon an, dass Craven wenig Lust hatte. Da schienen ihn selbst die peinlichen Szenen um den Supertreibstoff, den die Youngster einfach so entwickelt haben, nicht zu stören.
Immerhin geht Craven das Ganze mit dem nötigen Mindestmaß an handwerklicher Kompetenz an, sodass „The Hills Have Eyes 2“ trotz aller Lustlosigkeit kein Vollflop ist. Einige Mordszenen spielen ganz nett mit Zuschauererwartungen, Gorehounds gucken meist in die Röhre, aber die vorhandenen Effekte sind für ihre Budgetklasse ganz ordentlich getrickst. Weniger Anlass zur Begeisterung liefert die mehrfache Unterbringung von Material aus dem Vorgänger, da die Rückblenden den Film kein Stück weiterbringen, sondern ihn einfach nur auf Spielfilmlänge strecken sollen.
Die Besetzung gibt sich sogar noch Mühe, große Talente hat man allerdings nicht angekarrt. Insofern nervt das Jungvolk bei der Routine aus Schreien, Weglaufen und Zurückschlagen kaum, aber im Gedächtnis bleibt keine der Performances. Allenfalls Michael Berryman als Kannibale kann noch ein paar Akzente setzen.
Langweilig, vorhersehbar, lustlos abgedreht - „The Hills Have Eyes 2“ ist einfach unnötig. In den Mordszenen zeigt Craven immerhin sein handwerkliches Können, aber das hebt diese Schlaftablette nur etwas über den Status eines Vollflops.