Heimliches Horrorhaus hat Hunger
Die Tradition der Haunted Häuser geht bis ins Mittelalter und weiter zurück - filmisch gesehen ist "Burnt Offerings" sicher einer der kultigeren, lohnenswerteren Geheimtipps zum Thema. Eine kleine Familie zieht für einen Sommer in ein abgelegenes Landhaus - doch nach & nach beginnt dieses das Glück zu zerstören, die neuen Bewohner psychisch wie physisch auszulaugen und fast schon aufzufressen... "Das Landhaus der toten Seelen" ist übernatürlicher 70er-Grusel wie er im Buche steht und wie er jedem Fan auf der Zunge zergeht. Fast ist man geneigt zu sagen: "Den muss man mal in seinem Leben gesehen haben!". Zumindest an alle, die auf Haunted House-Stories ala "Shining" oder "Amityville Horror" stehen.
Der Dan Curtis-Film macht Vieles richtig, um unter die Haut zu gehen und dort zu bleiben. Die einst glückliche Kleinfamilie wird warm und hervorragend von allen Beteiligten porträtiert, Bette Davis ist die Sahne auf dieser Torte als zerfallende Tante. Hinzu kommen ein wirklich beängstigendes Gebäude mit Eigenleben und terrorisierndem Charakter, ein klammheimlich den Nacken hochschleichender Soundtrack und ein Finale, das man so drastisch niemals erwartet und noch immer Schockfaktor besitzt. Ein gern genommener Tiefschlag. Einzelne Szenen im Pool oder mit der stummen, nie zu sehenden Frau im Dachgeschoss, sind Spannungskino per excellence und haben Alptraum-Potenzial, erst recht für jüngere Zuschauer. Vorbildlich!
Doch allein der Zerfall und die Beeinflussung der soliden Familie, ist erschreckend genug. Für alle, alt wie jung. Kein Feuwerwerk des Wahnsinns, wie es Kubrick und Nicholson in "Shining" entfesselten, diesmal auch mal ausnahmsweise nicht beruhend auf "einer wahren Begebenheit", doch nichtsdestotrotz effektiv, angsteinflößend und eine Kulmination von Horrorhaus-Klischees, die hier wunderbar unterschwellig funktionieren. Zurecht hat dieses fiese Landhaus über die Jahrzente seine Fans gefunden. In einer Karriere voller mittelprächtiger Fernsehfilme, ist "Burnt Offerings" Dan Curtis' mit riesigem Abstand sehenswertester Film und ganz nahe an einem Klassiker der bösen Buden.
Fazit: ein verstörender Klassiker aus der zweiten Reihe der verfluchten Häuser, der irgendwo zwischen dem Overlook Hotel und dem Hill House Gänsehaut und einen höllischen familiären Zerfall heraufbeschwört. Langsam aber unaufhaltsam!