Mitte der Siebziger hatte Regisseur Dan Curtis keinen leichten Stand, denn seine Version von „Dracula“ mit Jack Palance in der Hauptrolle ist wahrlich keine glanzvolle Verfilmung und als vorliegendes Werk herauskam, waren deutlich mehr Augen auf „Carrie“ gerichtet.
Dabei unterscheidet sich sein Haunted House Horror in vielerlei Hinsicht von nachfolgenden Pendants.
Als Familienvater Ben (Oliver Reed), Ehefrau Marian (Karen Black) und ihr elfjähriger Spross Davey (Lee Montgomery) nebst Tantchen (Bette Davis) die großzügige Villa der Geschwister Allardyce (Burgess Meredith und Eileen Heckart) für den Sommer beziehen, gibt es nur einen Haken: Dreimal am Tag soll Marian der alten Allardyce Essen vor die Tür stellen.
Kurz darauf scheint Marian verändert und Sohn Davey ertrinkt beinahe im Pool…
Ältere Semester, die den Streifen womöglich als Heranwachsende gesehen haben, dürften sich noch lebhaft an die Erscheinung eines dünnen, fies grinsenden Chauffeurs mit Sonnenbrille erinnern, der als Kindheitstrauma des Familienvaters zum Ausdruck kommt.
Die Geschichte liefert schleichenden Grusel auf Basis eines Familiendramas, welches sich angemessen Zeit lässt, das überschaubare Gefüge einzuführen.
Anfangs so schleichend, dass eine scheinbar tote Geranie nach dem diabolischen Grinsen des Vermieters zwei grüne Triebe erhält.
Der häufig eingesetzte Weichzeichner sorgt dabei für vermeintliche Kontraste innerhalb des Familienidylls, doch spätestens als Marian im Domizil der zu versorgenden Dame eine Spieldose öffnet, macht sich eine beklemmende Atmosphäre breit. Dabei bedarf es nicht unzähliger Erschreckmomente, es sind mehr die aufkeimenden Konflikte zwischen Entfremdung, Vorwürfen und zunehmender Besessenheit.
Um das nahezu latente Unbehagen kümmern sich in erster Linie die treffend besetzten Darsteller: Allein der Silberblick von Karen Black beim Betrachten diverser gerahmter Fotos erzeugt eine leichte Gänsehaut und obgleich Oliver Reed anfangs voll drüber performt, gefällt die leicht zynische Note, die seine Figur im Verlauf ausstrahlt. Bette Davis ist zwar die meiste Zeit unterfordert, doch sie erhält in der zweiten Hälfte einige starke Szenen, während sich Lee Montgomery wacker schlägt, zumal er nichts für die scheußliche Synchronstimme kann.
Bezeichnenderweise wird zu keiner Zeit über Anzeichen von Spuk gesprochen, die paranormale Komponente wird beinahe nebenher abgewickelt und erfährt erst gen Finale ein paar kompromisslose Entwicklungen, welche sogar eine relativ blutige Einlage beinhalten.
Zuweilen etwas zu gemächlich vorgetragen, lebt der Streifen von seiner dichten Atmosphäre, der starken Besetzung und dem soliden Handwerk nebst eingängigen Score.
Wer kein Erschrecken im Minutentakt benötigt, sollte mal reinschauen.
Knapp
8 von 10