Als einer der prominentesten Vertreter des reinen Horror-Genre der 70er vereint "Burnt Offerings" viele Stärken, aber auch einige Schwächen des modernen Gruselkinos.
Zum Glück ist das Subgenre des Themas Spukhaus noch nicht so abgenudelt, daß ein findiges Drehbuch nicht noch einiges aus so einem Gemäuer herauspressen könnte.
Das im dämlichen Titel (es treten keinerlei tote Seelen in Erscheinung) angesprochene Landhaus ist eines von der perfiden Sorte, daß keinerlei gewöhnlichen Geisterspuk verbreitet. Es ist vielmehr ein magischer und böser Ort, der seine jeweiligen Mieter in mitunter in seinen Bann schlägt, um sich auf unbekannten Weg mittels derer Ängste, Liebe und Agressionen selbst zu erneuern.
Wie dies geschieht (und zum Teil auch was hier geschieht) bleibt undeutlich, da das Ende sich jeglicher eindeutigen Erklärung entzieht. Man kann jedoch vermuten, daß das Haus bzw. sein Bewußtsein in einer der Personen hier re-inkarniert, um so seinem Verfall vorzubeugen. Das wird in leisen Bildern immer wieder angedeutet, wenn über Nacht der Swimming Pool in altem Glanz erstrahlt oder tote Blumen wieder blühen. Am Ende erstrahlt das Haus jedenfalls wieder im alten Glanz, um den Zyklus vermutlich von neuem zu beginnen.
Dadurch, daß der Film in seinen Bildern andeutet, aber nie dem Unheil auf den Grund geht, leidet er auch am meisten.
Denn so entsteht ein dramatischer Zwang, nachdem niemand der Anwesenden die raschen Veränderungen im Haus so beunruhigend findet, um wenigstens mal Leine zu ziehen. Während dem nervösen Zuschauer eventuell die Haare zu Berge stehen, wird auf der Leinwand sich allerhöchstens gewundert, bis es zu spät ist.
Schwächen werden auch in der Schauspielerwahl offenbar. Karen Black, die mittels ihres leichten Schielens und ihres einprägsamen Gesichts wieder die gesamte Palette von mütterlich besorgt bis grenzdebil abwesend anwenden kann, geht zwar in Ordnung, doch läßt sie die Rolle weniger glänzen, als es ihr zustände. Oliver Reed dagegen bietet hier wohl das amüsanteste Overacting der Horrorgeschichte, so aufgesetzt wirkt er am Anfang als fröhlicher Familienpapi.
Später verwandelt er sich wieder in die Mischung aus bedrohlichem Teddybär und Neandertaler, den er immer so gut drauf hatte. Leider leidet auch seine Rolle unter dem Drehbuch, die seinen Charakter den Auswirkungen des Hauses unterordnet.
Immerhin bietet er dem Zuschauer später im Film die Hand an, als ihm die Sache zunehmend verdächtig vorkommt, ehe ihm ein dramaturgisch wichtiger Schlaganfall (oder Zusammenbruch) die Energie nimmt.
Bette Davis wird leider ein wenig verschwendet, doch ihre wenigen Szenen beweisen deutlich, wieviel Kraft noch in der alten Dame steckte. Lee H.Montgomery dagegen als Sohn ist ein schlichtes Ärgernis und darüber hinaus nervt er noch mit einer fürchterlichen Synchronstimme (die wohl auch zu einem Mädchen gehört). So entsteht ein unbequemes darstellerisches Ungleichgewicht, daß der Film nie ganz ausgleichen kann.
Sein Star ist und bleibt jedoch das Haus, daß in seiner Weite und Pracht gänzlich auf gängige Gespenstereffekte verzichtet, sieht man von den anspringenden Uhren und ähnlichen Erneuerungseffekten (die sparsam gestreut und nur wenig sichtbar sind) ab.
Seine magische Aura bezieht es aus dem vielen Weichzeichner, mit dem Regisseur Dan Curtis jede Szene rund um das Haus hat zubomben lassen und das uns nur noch auf die Erscheinung der Fee warten läßt.
Manchmal störend, verleiht es den Sets jedoch den nötigen Anschein von Unwirklichkeit.
Herrscht sonst jedoch künstlerische Unausgewogenheit, so kann man dem Film seine Wirkung nicht absprechen. "Burnt Offerings" verbreitet beständige Unruhe, weil das Haus einfach nicht real erscheint. Die Vermieter sind auf ihre Art gespenstisch, die alte Dame unter dem Dach kriegt man nicht zu sehen, Dinge erneuern sich erst unmerklich.
Langsam steigert sich die Atmosphäre ins Bedrohliche, es kommt zum ersten Ausbruch Reeds, der beinahe seinen Sohn ertränkt.
Von da an regiert der wohlige Schauer der Erwartung, der in regelmäßigen Abständen prompt bedient wird. Man kann wirklich nicht sagen, Curtis würde irgendwo strecken, alles hat seine Bedeutung.
Und wenn die Bedrohung zur Gewöhnung wird, dann wird die Latte höher gelegt.
Der genialste, wenn auch nicht vielzitierteste Einfall (der bekannteste ist das sich erneuernde Haus im Regen) ist der des diabolisch grinsenden Chauffeurs, ein Trauma aus Reeds Jugend, der ihm in Visionen immer wieder erscheint und ihn ihn Angstkrämpfe ausbrechen läßt. Die Szene, in der Bette Davis schließlich ihren Hut nehmen muß, ist dann der absolute Höhepunkt, der uns filmisch mit der größtmöglichen Dramatik serviert wird.
Zunächst hört Reed das Auto und vergewissert sich zögernd am Fenster, daß es das ist, vor dem er sich schon leicht schüttelt. In den nächsten Sekunden hören wir nur, wie der angebliche Arzt, das Haus betritt, hohles Türenschlagen, sich nähernde Schritte, während man in Reed inzwischen Wäsche schleudern könnte. Hier regiert der blanke Terror, bis die Szene direkt auf dem Höhepunkt mit einem Knall beendet wird. Das sind meisterliche zwei Minuten.
Der Clou am Schluß schließlich setzt wieder auf Terror, weil er nach einer Ruhestrecke plötzlich und unerwartet einschlägt. Während man sich vor Überraschung noch fragt, was hier überhaupt passiert, geht es auch schon rund und knüppelt den Zuschauer nieder.
Hier gönnt sich der Film auch seinen einzigen heftigen Bluteffekt, der sich sehen lassen kann.
Unterstrichen wird die Atmosphäre durch eine unaufdringliche, aber beständig beunruhigend im Hintergrund perlende Musik, die Gänsehaut verursacht.
Diese unbestreitbaren Qualitäten müssen dem Film gutgeschrieben werden, mag auch das Drehbuch der Film(un)logik geopfert werden und sich einige Figuren extrem dämlich verhalten.
Von seiner bloßen Wirkung her, kann der Film seinem unkundigen Zuschauer tatsächlich die Schuhe ausziehen.
Andererseits könnte man sich über seine Schwächen ebenso lange auslassen.
Da aber das Genre Horror in der letzten Zeit nicht immer ein Synonym für Klasse war, darf ich diesem Old-School-Horror mit modernen Anleihen ein anerkennendes Frösteln schenken.
Und 9/10