Review

Wenn der Originaltitel schon nach einem halb pornösen Exploiter klingt und das alles 1974 zusammen gekloppt wurde, dann verspricht man sich so einiges von einem „Film“ wie „The Invasion of Carol Enders“ – und selbst bei seriösem Studium der Inhaltsangabe reißt das Interesse nicht gleich ab, wie der Genrefreund bemerkt.

Carol Enders ist eine junge Frau, die einen üblen Tag erwischt: erst geht die Beziehung in die Brüche, dann springt auf dem Heimweg ein übler Typ aus dem nahen Tann und will ihr an die Wäsche und dann fährt sie auf der Flucht erst das Auto gegen einen Baum und sich ins Koma.

Als sei das noch nicht genug, schlägt sie die Augen im Hospital wieder auf und ist nicht mehr bei sich, denn ihr Körper wird nun von Diana Bernard bewohnt, die just ermordet wurde und nun den verantwortlichen Täter sucht, aber nebenbei natürlich allen Offiziellen erstmal den Körpertausch verklickern muss.

Klingt doch gar nicht schlecht, ein kleiner Reißer im B-Milieu mit Gruseltouch, daneben hat Horror-TV-Honcho der 70er, Dan Curtis, dem legendären Burt Brinckerhoff auch noch bei der Regie geholfen, da kann doch gar nichts schief gehen.

Kann es doch.

Diese absolut unterirdischen 70 Minuten sind so dermaßen höhepunktfrei präsentiert, dass sich das Gehirn automatisch damit beschäftigt noch ein zweites Mal bis ans Ende von Pi zu zählen.

Der Film war einer der kostengünstig produzierten Schnellschüsse für die ABC-Anthologie „Wide World of Mystery“, die zwischen 1973 und 1976 das Spätprogramm zukleisterte. Ein Mix aus Gruslern, alten TV-Filmen der Woche, der kompletten britischen „Thriller“-Reihe der frühen 70er und über 60 Eigenproduktionen aus der Sparte Thrill, Shock and Awe, nicht selten auch mit übernatürlichem Touch, kostengünstig produziert und nicht selten auch mit namhaften (für Kenner) Schauspielern besetzt.

Das Interessante daran ist mehr das Schicksal dieser Produktionen, denn sie wurden quasi weltweit irgendwann mal irgendwo wiederversendet und anschließend scheint jemand das Archiv bezüglich dieser Film „gewiped“, sprich gelöscht zu haben, eine unschöne Angewohnheit, die eigentlich Hoheitsgebiet der BBC war, wo ab den späten 60er bis in die späten 70ern munter Folgen und teilweise ganze Serien für ewig gelöscht wurden (siehe auch Dr.Who, wo noch immer gut 90 Folgen vermisst werden).

Später bemühte man sich händeringend als Filmfan, diese Kuriosa irgendwo als Aufzeichnung wieder auszugraben, was aber nur bei etwa der Hälfte dieser Eigenproduktionen mit den reißerischen Titeln gelang.

Was „Carol Enders“ betrifft, die Erhaltung dieses Films war die Mühe nicht wert.

Der Look des Films entspricht dem filmischen Niveau einer gängigen Soap Opera-Folge a la „General Hospital“, also quasi nur kurze Momente mit Außenaufnahmen, der Rest wurde in billigen Studiosets auf Video aufgenommen, was inzwischen eine unglaubliche Körnung nach sich zieht. Dazu kommt eine fast statische Kamera, die kaum zu irgendwelchen Bewegungen oder Schwenks in der Lage war. Angesichts der Tatsache, dass die 70 Minuten quasi nur aus semi-dramatisch vorgetragenen Dialogen besteht, Tricks insgesamt komplett fehlen und das Ganze wirkt wie ein Laienspiel der Festivalbühne Hupfenheim, vielleicht auch gar nicht nötig.

„Carol Enders“ ist einfach nur ein bräsiges Stück Soap, der Mystery-Kern besteht aus gerade mal zwei Verdächtigen (Vati und Sohn), währenddessen die Polizei und ein Angehöriger von Carol auf der Jagd nach einem passenden Druckerfarbband für eine Betrug sind, der mit dem Mord in Verbindung stehen soll. Dramaturgisch geht es nicht spannender. Ich hab das Ding tatsächlich in zwei Teilen gesehen, weil sich das Bewusstsein quasi automatisch nach einer halben Stunde abschaltet.

Meredith Baxter, die später als Meredith-Baxter-Birney eine prima Serienmutti für Michael J. Fox in „Familienbande“ wurde, ist hier rettungslos verloren, während sie mit Stielaugen durch den Plot schlurft und halbwegs brauchbare Darsteller wie Charles Aidman, Christopher Connelly und sogar John Karlen (später der Ehemann von Christine Lacey in „Cagney&Lacey“ ) müssen minderwertige Dialoge wegleiern und können den Schlafanfall doch nicht verhindern.

Mich hat es davon abgehalten, noch weitere „Wide World of Mystery“-Survivors auszugraben (es gibt tatsächlich nur 3 oder 4 davon auf Youtube, teilweise liegen die Folgen irgendwo in Film Libraries begraben), denn diese Seifenopern-Kammerspiele liegen niveautechnisch sogar noch unter den Durbridge-Knallern, die unsere Omi in den frühen 60ern immer so aufregend fand, dass sie Straßenfeger wurden. Wer mag, möge sich das fade Gewürge mal aufrufen, aber kommt mir nicht mit Lebenszeit verloren und so. (2/10)












Details
Ähnliche Filme