Und Hollywood kann es doch! Während in letzter Zeit die Qualität der Filme doch rapide immer weiter ablässt und neben einem guten Film mindestens 3 Streifen folgen, die nicht der Rede wert sind, so ist es bei den TV-Serien genau anders herum. Seit einigen Jahren gibt es regelrecht eine wahre Flut von hochkarätigen TV-Serien. Angefangen bei Mystery alla "Akte X", feinsinnige und dennoch bissige Comedy alla "Ally McBeal", über schweißtreibende Thriller-Action in Form von "24", den Einblick in das ganz normale Leben eines Mafia-Clans in "Die Sopranos", bis hin zum derzeitigen dramatischen Serien-Juwel "Six Feet Under", um nur mal ein paar Beispiele zu nennen! Für nahezu jedes Genre gibt es derzeit mind. einen Hochkaräter in der bunten Serienwelt. Und nun folgt mit "Nip/Tuck" das nächste Schmankerl, auch wenn man das, zwecks der Thematik, vielleicht erst einmal gar nicht glauben mag.
In "Nip/Tuck" geht es nämlich um das derzeit so beliebte Thema der Schönheitsoperation. Nahezu jeder, der ein bisschen mehr im Portmonee hat als er braucht, legt sich heutzutage unters Messer. Der Trend zum Schnippeldoktor zu gehen ist ungebrochen hoch. Nun zeigt uns "Nip/Tuck" das Leben zweier plastischer Chirurgen, die zwar unterschiedlicher kaum sein könnten aber dennoch zusammen eine Praxis führen. Dabei behandeln sie solch schräge Kundschaft wie z. Bsp. einen Transvestiten, eine schizophrene Patientin mit immer neuen Wünschen, je nachdem wer sie gerade ist oder Frauen die, für einen Mafia-Boss, in ihren Brüsten Drogen transportieren und sogar (fast) mal einen Hund, dem Haare vom Schwanz auf den Kopf transplantiert werden sollen. Schräg und innovativ, so wie man es sich bei solch einer Serie wünscht.
Die Schönheitsoperationen sind dabei aber dennoch eher zweitrangig. Viel mehr geht es, wie so oft, um das Privatleben der Hauptcharaktere. Sean ist dabei der Familientyp, der mit seiner Familie ein ganz normales Leben führen will. Doch leider gerät das Ehe-Leben von ihm und seiner Frau, im Laufe der ersten Staffel, komplett aus den Fugen und es wird sogar über Scheidung nachgedacht. Dazwischen Sohnemann Matt, der sich unter anderem selbst beschneidet und bei einem Unfall Fahrerflucht begeht. Viele Probleme, dessen Lösungen am Ende noch mehr Schwierigkeiten bringen, als eh schon vorhanden sind.
Christian, Seans Partner, ist dagegen ein Sex-Junkie, der von Treue ungefähr soviel hält wie der Pabst von Kondomen, und hauptsächlich seine Kundinnen per "Schwanzsteuerung" auswählt. Doch auch sein Leben gerät nach und nach aus den Fugen.
Alles in allem sind die Schicksale der beiden Ärzte das Ah und Oh dieser Serie. Durchgehend spannend und sorgfältig durchdacht, könnte auch diese Serie wieder einmal einen Spielfilm mit enormer Länge interessant füllen. Schwächen sind kaum welche auszumachen, alles bleibt durch die Bank weg spannend und interessant.
Da die Macher aber mit ihrer Serie auch vor den Risiken der Schönheitsoperationen warnen möchten, schnippeln Sean und Christian natürlich auch an einigen Patienten herum. Und wenn sie ihre Operationen durchführen hält die Kamera, in der Regel, auch voll drauf. Sprich man darf, manchmal sogar in Nahaufnahme, u.a. dabei zusehen wie sie die Brüste ihrer Patienten aufschlitzen, wie sie Fett absaugen, in den Gesichtern ihrer Patienten herumschnippeln und vieles mehr. Wer einen empfindlichen Magen hat, der dürfte sich hier schnell mal übergeben. Doch, mit ziemlicher Sicherheit, dürften diese Szenen ihre Wirkung nicht verfehlen. Und wer wirklich mal mit den Gedanken gespielt hat sich operieren zu lassen, der wird es nach Ansicht dieser Szenen sicher bleiben lassen.
Des weiteren darf man auch die Inszenierung des Ganzen als gelungen bezeichnen. Die Auswahl der Kulissen, die Maskeneffekte, die Kostüme und vor allem die großartige Musikuntermahlung können für wirklich beste Unterhaltung sorgen. Aufwändig und mit einem guten Auge fürs Detail, sieht man dieser Serie eigentlich in keiner Szene an, dass es sich hierbei eigentlich nur um TV-Kost handelt. Da macht das Zuschauen einfach Spaß!
Was die Darsteller angeht, so hat man mit Dylan Walsh und Julian McMahon zwei wirklich brillante Hauptdarsteller gefunden, die ihre Figuren optimal und mit der benötigten Glaubwürdigkeit herüberbringen. Aber auch die Nebenrollen sind allesamt fabelhaft besetzt worden.
Fazit: Schräg, dramatisch und vor allem höchst interessant und spannend, ist auch "Nip/Tuck" ein glänzendes Beispiel dafür, wie man eine Serie zu inszenieren hat, damit der Zuschauer seine Freude daran haben kann. Innovativ in der Story und aufwändig in der Inszenierung, dürfte eigentlich jeder Serienfreak seine Freude daran haben, vorausgesetzt er hat keinen schwachen Magen und kann auch dabei zusehen, wenn an Menschen herumgeschnippelt wird. Ansonsten einfach bei diesen Szenen die Augen zu machen und den Rest der Serie genießen.
So oder so ein packendes Stück TV-Serien-Unterhaltung!
Wertung: 8/10 Punkte